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Maureen van Meerendonk und ihr Ehemann Andreas Vogt-van Meerendonk wollen sich dagegen wehren, dass der Garten an dem Mietshaus in der Straße an den Zeuläckern in Stellplätze umgewandelt wird.

Frankfurt-Seckbach

Garten soll Autos weichen

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Die Bauaufsicht will, dass Mieter im Frankfurter Stadtteil Seckbach einen Garten zugunsten von Stellplätzen aufgeben. Die Mieter protestieren dagegen.

Bennet van Meerendonk ist betrübt. Der Siebenjährige nutzt den Garten neben dem Mietshaus seiner Eltern rege. Dort gibt es ein Baumhaus samt einer Feuerwehrstange, an der er gerne hinabrutscht. Am Boden angelangt, setzt er sich in sein Feuerwehr-Bobbycar und braust herum. Was Bennet bedrückt: Lange wird er das wohl nicht mehr können.

Die Bauaufsicht hat verfügt, dass ein großer Teil des Gartens der Liegenschaft An den Zeuläckern in Kürze abgerissen wird. Dafür soll der Vermieter drei Stellplätze errichten – einen für jede Mietswohnung. So sieht es die Stellplatzsatzung vor. Vom neun mal sieben Meter großen Garten bliebe dann nur noch ein schmaler Streifen übrig.

Bennets Mutter, Maureen van Meerendonk, ist aufgebracht. Einen Parkplatz will und braucht sie nicht – und auch niemand sonst aus dem Haus. „Wir fahren ausschließlich Fahrrad“, sagt die 46-Jährige. Wenn es mal motorisiert sein müsse, vertrauten die Mieter auf Carsharing, also auf Leihautos.

Seit sieben Jahren wohnen die van Meerendonks in ihrer Wohnung nördlich des Riedgrabens. Der hauseigene Garten mit Efeu an der Hausfassade ist für sie ein Heiligtum. „Dafür, dass ich berufstätig bin, mache ich dort sehr viel“, erzählt Maureen van Meerendonk. In den kommenden Wochen hätte dort alles blühen sollen – von eine fliederfarbenen Iris über Tränende Herzen bis hin zu einer Seerose. Für Schmetterlinge und Bienen wollte die Hobby-Gärtnerin demnächst Samen säen.

Van Meerendonk ist Juristin. „Ich habe nichts gegen Gesetze“, sagt sie. Trotzdem sei es für sie ein Unding, Menschen dafür zu bestrafen, dass sie kein Auto besitzen. Eigentlich sollte es andersherum laufen, findet sie. Wenn die Stadt ihr Vorhaben durchziehe, werde sie auf die Barrikaden gehen.

Um ihren Frust abzuladen, hat sich van Meerendonk bereits an den für Seckbach zuständigen Ortsbeirat 11 gewandt. Dort waren die Reaktionen unterschiedlich. „Wir haben als Ortsbeirat keine rechtlichen Möglichkeiten“, sagte Sebastian Schugar (CDU). „Das ist ein Schildbürgerstreich“, klagte Stefan Klee (Linke). Ortsvorsteher Werner Skrypalle (SPD) schlug vor, das Planungsdezernat zu kontaktieren.

Doch bei den Behörden fand van Meerendonk kein Gehör. „Ich habe als erstes dem Oberbürgermeister geschrieben“, sagt sie, „doch der hat sich nicht gerührt.“ Danach habe sie Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) angeschrieben. Auf eine Antwort wartet sie noch. Laut van Meerendonk hat die Bauaufsicht dem Vermieter nicht einmal sagen können, wie genau die Stellplätze auszusehen hätten.

„Natürlich ist es für die Menschen sehr ärger- und bedauerlich“, sagt der Sprecher des Planungsdezernats, Mark Gellert, auf Anfrage. Um den Bau der Stellplätze komme der Vermieter aber nicht herum. „Frankfurt ist eine enge Stadt mit engen Straßen“, sagt Gellert. „Wir haben Regelungen, dass Stellplätze im privaten Raum hergestellt werden müssen.“

Dass die Satzung zwischenzeitlich novelliert worden ist, hilft den van Meerendonks nicht weiter. Seither gibt es zwar die Möglichkeit, in der Innenstadt weniger Stellplätze nachzuweisen. Allerdings gelte immer die Regelung aus der Zeit des Hausbaus, erklärt Gellert. Und das Mietshaus An den Zeuläckern stammt nun einmal aus den 1960er-Jahren.

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