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Das Wappen der Stadt Frankfurt weht an der Römerfassade. In unserer Kolumne blicken wir weit hinter die Kulissen der Kommunalpolitik.

Römerbriefe

Friedensfest

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    Georg Leppert
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Wenn der OB Geschichten erzählt, wird in der Koalition alles gut. Vielleicht. Unsere Kolumne aus dem Römer.

Leppert: Was sind das nur für unheimliche Geräusche?
Göpfert: Jetzt hör‘ ich es auch. 
Leppert: Kannst Du Dir vorstellen, was das ist? 
Göpfert: Es knackt und knarrt im Gebälk der Römer-Koalition. 

Genauso ist es, liebe Freundinnen und Freunde der Kommunalpolitik. Obwohl am Horizont schon die friedlichen Weihnachtstage aufscheinen, kommt Frankfurts Stadtregierung einfach nicht zur Ruhe. 

Ein Mann steht im Zentrum der Konflikte: Jan Schneider, Dezernent für Bauen und Liegenschaften, Reformprojekte und IT, für das Bürgeramt, Statistik und Wahlen. Und CDU-Chef dazu. Aus Sicht von SPD und Grünen tut Schneider oft zu wenig, etwa beim Mieterschutz. Aus Sicht von Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) tut ihr Lieblingskontrahent oft das Falsche. 

Aber auch die CDU hat sich ein Subjekt der Kritik auserkoren: Planungs- und Wohnungsdezernent Mike Josef (SPD). Aus Sicht der CDU viel zu radikal – etwa, wenn er den Wohnungsbau vorantreibt. Und dann gibt es da noch Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD), die von CDU und Grünen angegangen wird, weil sie zu wenig entscheide und sich mit Informationen zurückhalte. Tatsächlich verstünde man das, würde man nur Hartwigs Motto lesen: „Das Wagnis der Öffentlichkeit setzt ein gewisses Vertrauen in die Menschheit voraus“ (Hannah Arendt). 

Wie gut, dass sich in dieser unerfreulichen Situation einer konsequent den Niederungen der Tagespolitik entzieht: Seit seiner Wiederwahl schwebt OB Peter Feldmann endgültig über den Dingen. Er ist der Außenminister Frankfurts und lässt sich gerne in Neu-Delhi oder Guangzhou von der Bevölkerung feiern. (Tatsächlich hat das OB-Büro schon bei der Verkehrsgesellschaft Frankfurt nachgefragt, ob man nicht auch wie in China die Frankfurter Straßenbahnen mit dem Konterfei des OB schmücken könne – die Antwort der überraschten VGF steht aus). 

Verdient hätte er es ja. Stets versucht der OB in seiner ausgleichenden Art Versöhnung in die Koalition zu tragen. Unvorstellbar, dass der gleiche Mann früher wutschnaubend aus Sitzungen rausgerannt sein soll. So will Feldmann das letzte Magistratstreffen vor Weihnachten am 21. Dezember zum Friedensfest machen. Vorab sollen alle in der Stadtregierung überlegen, was sie einander schenken könnten. 

Und der OB wird eine seiner Lieblingsgeschichten erzählen. Etwa, wie die alten Römer den Wein nach Frankfurt brachten. Oder später die Revolutionäre von 1848 aus der Paulskirche ins Badische umzogen...

Vielleicht wird ja doch noch alles gut. 

Claus-Jürgen Göpfert und Georg Leppert berichten für die Frankfurter Rundschau aus dem Römer.

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