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Nach 15 Monaten Umbau ist die Elisabethenstraße fertig ? im Zeitplan, wie die Stadt betont.

Verkehr in Frankfurt

Freie Fahrt auf der Elisabethenstraße

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Die Elisabethenstraße, einer der wichtigsten Verkehrsachsen im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen, ist für 3,5 Millionen Euro saniert worden. Doch nicht allen Anwohnern gefällt der Umbau.

Die Elisabethenstraße ist vor dem Krieg die Einkaufsmeile des Stadtteils gewesen. Das sagt Anwohner Martin Bouchon. Seine Mama hat es ihm erzählt. Schmucke Fachwerkhäuser mit wertigen Geschäften hätten die Straße gesäumt. Geschichte. Nach dem Krieg verliert die Elisabethen den Rang an die Schweizer Straße und ist vornehmlich als Verkehrsachse bekannt. Also trist: Lärm, Abgase, mal rollen die Autos zu schnell, mal zu langsam, als Stau.

Nun hat die Straße ein kleines Stück des früheren Glanzes zurückgewonnen. Die Stadt hat sie saniert und umgestaltet. Die Bürgersteige sind breiter geworden, der Straßenbelag ist neu, die Autos rollen nun etwas leiser darüber. Es gibt Radstreifen und auf der Seite mit dem Dauerstau eine separate Busspur. Dann ist der Bus wenigstens pünktlich.

15 Monate hat der Umbau des 300 Meter langen Abschnitts gedauert. 3,5 Millionen Euro hat die Stadt aus dem Programm Schöneres Frankfurt investiert. 630 000 Euro hat das Land dazu gegeben. Und gleich drei städtische Dezernenten sprechen am Mittwoch Mittag feierliche Worte. „Wir haben die Aufenthaltsqualität erhöht“, sagt Mike Josef, SPD und Planungsdezernent. Fußgänger, Radler, Gewerbetreibende, alle profitieren, findet Josef. Auch die Bushaltestellen sind barrierefrei.

„Damit bin ich überhaupt nicht zufrieden“, sagt allerdings Anwohnerin Ingrid Jabrane. Der Weg in den Bus oder wieder raus bereitet der Rentnerin mit Rollator nach wie vor Probleme. Der Bordstein am Bus ist zwar auf gleicher Höhe wie der Einstieg, die Kante ist aber ausgekerbt. Sie bildet keinen rechten Winkel, es fehlt ein Stück. Das soll verhindern, dass der Bus sich an der Kante scheuert, wenn er zu nah anfährt. Hält er aber ein kleines bisschen Abstand, ist die Lücke recht groß, findet Jabrane. Sie wünscht sich klare Kante. „Wie an der Bushaltestelle an der Konstablerwache.“

Ansonsten gefällt ihr der Umbau, wobei, Abstellplätze für Fahrräder würden ihr noch einfallen. Jetzt, wo es einen Fahrradweg gibt, brauche es doch auch Fahrradparkplätze, sagt Jabrane. Der Vorschlag dürfte beim Verkehrsdezernenten auf offene Ohren stoßen. Ohnehin weist Klaus Oesterling (SPD) darauf hin, dass der Anteil am Radverkehr in der Innenstadt steigt, bald habe er 20 Prozent erreicht. Auch Chefplaner Mike Josef betont, dass die Zukunft der Innenstadt nicht in autogerechter Verkehrsplanung liegt. Im Gegenteil. Fußgänger und Radler sollen Vorfahrt haben. Metaphorisch gesprochen.

14 Bäume stehen entlang der Elisabethenstraße

Den Radstreifen auf der Elisabethenstraße rückt Verkehrsdezernent Oesterling prompt in einen größeren planerischen Kontext. Die Radweg-Verbindung sei nun fast durchgehend von der Elisabethenstraße über die Alte Brücke und Börneplatz, zur Kurt-Schumacher-Straße und weiter.

Beide Dezernenten sind sich einig: Fahrradwege sind ein Beitrag zum Klimaschutz. So wie die 14 Bäume, die die Stadt an der Elisabethenstraße gesetzt hat. Um deren Bedeutung fürs Stadtklima zu würdigen, ist auch Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) zugegen.

Die Gewächse seien ein Signal, dass die Stadt mehr auf das Grün achten wird. Der heiße Sommer hat das bestärkt. „Von April bis November hat es nicht geregnet“, sagt Heilig. Das habe den Menschen zugesetzt. „Wir müssen viel mehr Grün schaffen.“ Bäume, Büsche, Stauden. „Wir haben zu viele stark versiegelte Flächen“, sagt Heilig. Die Stadt habe da in der Vergangenheit Fehler gemacht. Notfalls müsse sie Plätze eben wieder aufreißen, oder wenigstens Urban Gardening-Projekte fördern.

An der Elisabethenstraße hat das gut funktioniert. Zuvor hat es dort gar kein Grün gegeben. Jetzt haben die Fachleute hitzebeständige Stadtbäume gesetzt, Ahorne aus China. In der Wallstraße sind es holländische Ulmen. Die Robinie hat damit wohl ausgedient. Sie sei zwar prägnant in Blüte und Geruch, könne aber dem Klimawandel nicht trotzen.

Martin Bouchon gefällt das. „Es wird hier irgendwann aussehen wie an der Schweizer Straße“, sagt er und gluckst, sein Blick ruht wohlwollend auf den noch recht jungen Bäumchen. Ein anderer Sachsenhäuser schaut ebenso glücklich drein. Er wohne in der Brückenstraße, eigentlich eine sehr ruhige Ecke. Aber in den zurückliegenden Monaten habe er arg gelitten. All die Busse, Lastwägen und Autos, die sonst über die Elisabethenstraße rollen, sind bei ihm vorbei gefahren. „Endlich ist es vorbei.“

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