Was die Schüler Muhammet, Johannes und André (von links) wünschen, schreibt die Bildungsdezernentin im Hintergrund auf.
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Was die Schüler Muhammet, Johannes und André (von links) wünschen, schreibt die Bildungsdezernentin im Hintergrund auf.

Schulen in Frankfurt

Was Frankfurter Schüler wünschen

  • Sandra Busch
    vonSandra Busch
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Auf der ersten Frankfurter Bildungskonferenz berichten Kinder und Jugendliche, was ihnen an den Schulen fehlt und über manches sind die Erwachsenen erstaunt.

Manche Themen haben die Erwachsenen überrascht. Etwa der Wunsch von Grundschülern, Rollerparkplätze auf dem Pausenhof einzurichten. Denn an so einigen Grundschulen werden an die 200 Roller morgens abgestellt. „Dass ein Rollerparkplatz nötig ist, da wären wir Erwachsenen nicht unbedingt draufgekommen“, sagt Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD). Aber genau dafür war die Bildungskonferenz am Mittwoch da: Zu erfahren, was Schülern an ihrer Schule gefällt, was sie gerne ändern, was sie sich wünschen würden. Um Schule dann ein wenig besser zu machen zu können.

Rund 200 Kinder und Jugendliche haben an dem von der Bildungsdezernentin neu eingeführten Forum teilgenommen. Sie kamen aus rund der Hälfte aller Frankfurter Schulen, jede Schulform war zudem vertreten. Auch 100 Erwachsene waren da.

Lehrer und Eltern, Schulleitungen und Vertreter von Ämtern. Der zehnjährige Muhammet hat an dem Tag etwa gelernt, „dass wir Schüler nicht nur von den Lehrern, sondern auch die Lehrer von den Schülern lernen“. Und Stadtschülersprecher Johannes Füßler freut sich, dass „jeder angehört und berücksichtigt wurde, egal wie alt er war“.

Zunächst haben die Schüler an dem Tag Themen benannt, die ihnen wichtig sind, dann wurde in kleineren Gruppen darüber diskutiert. „Es ging aber nicht nur darum, einen Forderungskatalog aufzustellen“, sagt Monika Ripperger vom Stadtschulamt. Die Schüler sollten auch selbst Lösungsvorschläge machen. Muhammet hat sich etwa für Chancengleichheit eingesetzt. „Jeder soll die gleichen Chancen bei Noten und dem Schulbesuch haben, egal welches Geschlecht oder welche Nationalität er hat.“ Wie das gelingen kann? „Man sollte immer zwei Lehrer anstatt nur einen im Unterricht haben.“

53 Themen kamen an dem Tag zusammen. Die Sauberkeit der Toiletten ist eins davon, ein Dauerbrenner unter den Schulthemen. Aber die Schüler wünschen sich auch Lernlandschaften, Schaukeln und Baumhäuser, einige wollen am liebsten Noten abschaffen. Ein ganz wichtiger Punkt ist für viele der Umgang und die Ausstattung mit neuen Medien. Da hinkt die Schule dem Lauf der Zeit meilenweit hinterher, finden die Schüler. „Wenn man sich ein Handy von vor 20 Jahren und eines von heute anguckt, dann sieht man riesige Unterschiede“, sagt der 19-jährige André Philipp. „Wenn man sich aber die Ausstattung der Schulen damals und heute anschaut, dann ist der Unterschied nur sehr klein.“

Schüler klagen zudem über zu viele Bücher. Die wollen sie nicht mehr schleppen, sondern elektronisch lernen, mit Whiteboards und Tablets. Auch wollen sie mitbestimmen, was im Unterricht gelernt wird. Und: Sie wünschen eine „Vorbereitung auf das echte Leben“, berichtet Weber. Wie man etwa eine Wohnung sucht und findet, welche Berufe es überhaupt gibt.

Die Themen werden nun alle dokumentiert, sortiert und ausgewertet. Auch dabei werden Schüler mitarbeiten. 100 000 Euro hat die Dezernentin zur Verfügung gestellt, damit Projekte umgesetzt werden können. Rollerparkplätze könnten dadurch etwa entstehen. „An Sachen wie IT-Ausstattung und Toiletten sind wir ohnehin schon dran“, sagt Weber. Dennoch sei ein Austausch auch darüber mit den Schülern wichtig. „Schule ist für Schüler da – und die wissen am besten, was sie brauchen.“

Die nächste Bildungskonferenz soll es 2019 geben.

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