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Beim Zubereiten von Mahlzeiten im Gurdwara Sihk Center an der Silostraße in Frankfurt.

Foto-Buch

Frankfurt feiert die Vielfalt

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Das Buch des Fotografen Rafael Herlich zeigt das Zusammenleben von Kulturen und Religionen in Frankfurt.

Er macht nicht gerne große Worte um seine Arbeit. Rafael Herlich lässt lieber seine Bilder sprechen. Der Fotograf hat seit langem einen Namen als Chronist des jüdischen Lebens in Deutschland und darüber hinaus. Viele Bücher zeugen davon. Sein jüngstes Werk trägt den schlichten Titel „DiverCity FFM“.

Seit 1975 lebt der in Tel Aviv geborene Jude in Frankfurt. Aus dem Gefühl der Dankbarkeit und des Respekts gegenüber der Stadt am Main, die ihn einst aufgenommen hat, entstand das Buch. Sein Thema ist das Zusammenleben der 140 Nationalitäten und Kulturen in der Stadt: „Eine bunte Vielfalt“. Der 64-Jährige hat sich auf einen Streifzug begeben durch die Religionen in Frankfurt und erzählt von Christen und Juden, Muslimen, Mormonen, Buddhisten, Sikhs, Bahai und anderen.

An vielen Orten, an denen sich die Glaubensgemeinschaften versammeln, ist Herlich mit seiner Kamera gewesen: Am Bahai- Tempel in Hofheim im Taunus ebenso wie im Kaiserdom oder im Tibethaus. Herlichs Bilder fangen den besonderen Moment ein: Den jungen Muslim, der im Trikot der deutschen Nationalmannschaft mit der Nummer 10 und dem Namen Özil betet. Jüdische Kinder, die andächtig die Kerzen zum Chanukkafest anzünden. Sikhs, die sich im Gurdwara Center im Stadtteil Höchst beim Kochen über eine Herdplatte beugen.

Die trotzige Behauptung dieses Buches ist: Dieses Zusammenleben funktioniert und trägt Früchte – und das tut es ja auch. Also dokumentiert der Fotograf Projekte, die für Erinnerung und Verständigung stehen. Zum Beispiel die Stolpersteine, die Günter Demnig seit Jahrzehnten verlegt, um an die Verschleppung und Tötung der Menschen zu erinnern, die Opfer des Nationalsozialismus wurden. Auch hier wieder ein ganz besonderes Bild: Die Angehörigen legen ihre Hände gemeinsam auf einen der Stolpersteine.

Herlich spart aber auch die Suppenküche nicht aus, die Mitglieder der Johanniter Unfallhilfe alljährlich an Heiligabend für Obdachlose im Kaisersack anbieten. Oder die Speisung der Bedürftigen durch die Frankfurter Ahmadiyya Jugend.

Das Buch sammelt Zeichen der Mitmenschlichkeit, die ermutigend sind. Etwa vom Verein „Streetangel“, der ebenfalls Obdachlose unterstützt und an Weihnachten Geschenke an Menschen verteilt, die auf der Straße leben.

Einige besondere Ereignisse entreißt das Buch der Vergessenheit: Wer weiß schon, dass in Frankfurt der jüdischen Soldaten gedacht wird, die im Ersten Weltkrieg getötet worden waren?

Und dann geht es um Menschen, die stille Heldinnen und Helden sind und nicht im Rampenlicht stehen. Etwa um Anita, die sich um den jungen Mostafa kümmerte, der 2015 aus dem Iran geflüchtet war und tatsächlich Frankfurt erreicht hatte.

Oder um den Unternehmensberater Farid, der Flüchtlingen hilft, in der Frankfurter Stadtgesellschaft anzukommen: So, wie Rafael Herlich selbst einst in Deutschland angekommen war. Sein Vater hatte den Holocaust überlebt, war aber völlig traumatisiert.

Die Großeltern des Fotografen, drei Onkel und deren Angehörige waren in Konzentrationslagern umgebracht worden. Und doch tritt Herlich heute in Deutschland dafür ein, dass die Juden hierzulande eine Zukunft haben, dass sie optimistisch sein sollen. Trotz des wachsenden Antisemitismus.

Obwohl sich etliche Juden mittlerweile scheuen, sich mit der Kippa auf dem Kopf auf der Straße zu zeigen. „DiverCity FFM“ ist auch eine selbstbewusste Antwort auf den wachsenden Rechtspopulismus nach dem Motto: Seht her, wir lassen uns von euch nicht einfach einschüchtern und klein machen.

Die Stadt Frankfurt, aber auch der Rat der Religionen, die Flughafengesellschaft Fraport AG und das Haus am Dom haben das Entstehen des Buches gefördert und unterstützt, Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) hat dazu ein Vorwort geschrieben.

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