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Hitze und Trockenheit werden 2016 wieder zum Thema.

Versorgung

Frankfurt braucht mehr Wasser

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Das Wasserwerk Praunheim II an der Heerstraße stellt den Betrieb ein, eine neue Fernleitung soll künftig die Versorgung im Rhein-Main-Gebiet mit Wasser aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf sichern.

Plötzlich fließt kein Wasser mehr aus dem Hahn. Ein Schreckensszenario, das für Frankfurt und die Rhein-Main-Region abwegig erscheint. Eine Analyse zeigt aber, dass in Trockenjahren die Wasserversorgung gefährdet ist. Das hat die hessische Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) mitgeteilt. Sie antwortete auf eine Anfrage der Landtagsabgeordneten Lisa Gnadl (SPD) zur zukünftigen Wasserversorgung in der Region. Der bestehende Leitungsverbund reiche nicht aus, um die Versorgung sicherzustellen, formulierte Hinz.

Künftig sollen die Frankfurter Wasser aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf erhalten. Derzeit werde eine neue Verbindung zwischen den Netzen der Oberhessischen Versorgungsbetriebe AG (Ovag) und des Zweckverbandes Mittelhessische Wasserwerke (ZMW) gebaut. Das Vorhaben, das etwa 15 Millionen Euro kostet, soll bis Ende 2016 abgeschlossen sein.

Gnadl möchte in ihrer Anfrage wissen, welche Auswirkungen die neue Verbindung auf die Wassergewinnungsanlagen der Stadt haben. Nach Angaben der Umweltministerin soll nach einem Anschluss an die neue Leitung das Wasserwerk Praunheim II an der Heerstraße außer Betrieb genommen werden. Sie beruft sich auf Planungen der Hessenwasser GmbH. Die Qualität des Wassers könnte durch den Bau der Regionaltangente West und der Ausweisung eines Gewerbegebiets in unmittelbarer Nachbarschaft zum Brunnen in Praunheim beeinträchtigt werden, heißt es in dem Papier.

Menschen aus drei Kommunen im Vogelsberg hatten Gnadl angeschrieben und ihre Bedenken über den Bau geäußert. „Wasser ist ein wichtiges Thema, das viele Menschen bewegt“, begründet Gnadl ihre Anfrage. Der Bau der Fernleitung ist umstritten. Naturschützer aus dem Vogelsberg halten die Wasserversorgung im Rhein-Main-Gebiet auch ohne zusätzliche Zufuhr für gesichert und äußern ökologische Bedenken. Das Regierungspräsidium in Gießen und die Ovag teilen ihre Befürchtungen nicht.

Gnadl hält eine regelmäßige Überprüfung des Ressourcenschutzes und des Grundwassers gerade hinsichtlich des Klimawandels für wichtig. Hinz erklärt, dass die Landesregierung ein Monitoring plane, falls landschaftsökologische Beeinträchtigungen nicht ausgeschlossen werden könnten. Das Programm würde Grundwasserstände kontrollieren sowie Fauna und Flora kartieren.

Darüber hinaus will das Umweltministerium eine Initiative starten, die ein Leitbild zur umweltschonenden Wassergewinnung formulieren soll. Beteiligt werden betroffene Städte, Gemeinden und Umweltorganisationen. Geplant ist ein offener Dialog mit allen Parteien. Gnadl befürwortet diese Idee. So gebe es einen Dialog, um die Problematik aufzuarbeiten.

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