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Ein Besucher inspiziert die "Hommage an Otto Piene" von Dieter Jung.

B3-Biennale in Frankfurt

Filmkunst in der verbotenen Stadt

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Die B3-Biennale der bewegten Bilder beginnt am Mittwoch in Frankfurt. Ehemalige Bank-Räumlichkeiten bieten einen besonderen Rahmen.

In großen Glasvitrinen stehen Modelle der menschlichen Wirbelsäule, auf dem großen Fernseher im Raum ist ein erklärender Film zu einem bionischen Implantat zu sehen, das die Leistung des Menschen verbessert. In einem Saal weiter hinten steht ein Hologramm, das den Künstler Otto Piene zeigt. Im Raum nebenan sehen Besucher Polaroids mit den abfotografierten Bildern meist unbekannter Künstlerinnen des 19. und 20. Jahrhunderts. Auf einer geschwungenen Leinwand in der Mitte des Zimmers läuft ein Film. Die B3-Biennale ist durch den Ausstellungsort in diesem Jahr besonders spannend gestaltet.

„Wir sind froh, dass sich die Künstler auf dieses Abenteuer eingelassen haben“, sagt Anita Beckers, Kuratorin der Biennale des bewegten Bildes. Die Leitausstellung der B3 ist im ehemaligen Gebäude der Deutschen Bank in der Junghofstraße zu sehen. In den verwinkelten Fluren und zumeist kleinen Räumen haben die Filmemacher und Handwerker besonders anspruchsvolle Bedingungen vorgefunden.

Bernd Kracke, Präsident der Hochschule für Gestaltung in Offenbach und Künstlerischer Leiter der B3 weiß um den Zauber des Ortes. „Das Gebäude wurde ,die verbotene Stadt‘ genannt. Die Öffentlichkeit hatte keinen Zutritt, aber nun öffnen wir sie für das Publikum“, erklärt er. Zum ersten und letzten Mal, denn das ehemalige Bankgebäude wird abgerissen und weicht einem Hochhauskomplex.

Die Vergänglichkeit des Ausstellungsortes soll jedoch nicht von der Veranstaltung selbst ablenken. Fünf Tage lang werden 70 Künstler ihre filmischen Arbeiten präsentieren. Das diesjährige Leitthema: „On desire. Über das Begehren“. Erotik, Einsamkeit, Heimat, Flucht oder auch Identität werden in den Produktionen aufgegriffen. Insgesamt 16 Premieren wird es in den Kinos zu sehen geben.

„Die B3 in Frankfurt ist ein wichtiger Fixpunkt für die internationale Kunstszene“, sagt Frankfurts Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD). Sie hoffe, dass sich der Ruf Frankfurts als Kunststadt mit der diesjährigen Ausgabe weiter stärken werde. Auch der Minister für Wissenschaft und Kunst, Boris Rhein (CDU), ist voll des Lobes für die Biennale des bewegten Bildes. „Es gibt viele Biennalen, doch die B3 hat eine Sonderstellung“, sagt Rhein. Sie vereine alle Elemente, sei genre-übergreifend und rege zum Dialog an. „Noch nie war die B3 so politisch wie in diesem Jahr“, verspricht er.

Das soll sich auch abseits der Leitausstellung zeigen. Das Schauspiel Frankfurt wird erstmals Teil des B3-Parcours sein. Während der Biennale wird auf 110 Metern die Installation von Federico Solmi auf die Fassade projiziert. „The Great Farce“ (Das große Schmierentheater) zeigt historische und aktuelle Führungspersonen der Weltgeschichte als gezeichnete und verzerrte Figuren, denen in einem Vergnügungspark nochmals bedeutende Ereignisse der Geschichte präsentiert werden.

Auch Ausstellungen im Kunstverein, dem Portikus auf der Maininsel sowie in Darmstadt, Wiesbaden und Bad Homburg ergänzen in den kommenden Monaten das Thema der bewegten Bildern. Spektakulär soll auch die 360-Grad-Kuppel in der Junghofstraße werden. Spezielle Fulldome-Filme lassen den Betrachter direkt in atemberaubende Welten eintauchen. Ergänzt durch Filme in virtueller Realität (VR) wird somit auch die Zukunft der Filmwelt betrachtet.

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