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Volles Haus in der Adalbertstraße 11.

Wohnen in Frankfurt

Feiern für bezahlbares Wohnen in Frankfurt

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Mieter organisieren eine Auszugsparty für die Adalbertstraße 11, dem Haus im Frankfurter Stadtteil Bockenheim, in dem Mieterinnen und Mieter anlässlich eines Eigentümerwechsels steigende Mieten und Verdrängung befürchten.

Es gibt Glühwein und Kinderpunsch, dazu ein Buffet mit Chips, veganem Kuchen und Muffins. Lichterketten und Luftschlangen sorgen für etwas Ambiente in der ansonsten leergeräumten Bockenheimer Altbauwohnung. An der Haustür hängt ein Plakat, „Abschiedsparty 1. Stock“ ist darauf zu lesen. Eine ganz normale Umzugsfeier?

Nicht in der Adalbertstraße 11 – das Haus, dessen Mieterinnen und Mieter anlässlich eines Eigentümerwechsels steigende Mieten und Verdrängung befürchten. Erfolglos hatten sie gefordert, dass die Stadt per Milieuschutz ihr Vorkaufsrecht ausübt. Inzwischen gehört die Immobilie der QIP Bockenheim Investmentgesellschaft.

Ihre Ängste machen die Mieter an einer Internetanzeige fest, laut der eine der acht Wohnungen zukünftig 1500 Euro kalt kosten soll. Für die zweieinhalb Zimmer wird damit deutlich mehr als bisher verlangt. Es ist exakt diese Wohnung, in der am Mittwochabend die „Abschiedsparty für bezahlbaren Wohnraum“ steigt.

Noch hat sie Silke von Rahden gemietet. Mit dem Eigentümerwechsel hat ihr Auszug allerdings nichts zu tun: „Ich konnte hier nicht schlafen, es ist zu laut“, sagt sie mit Blick auf die vielbefahrene Adalbertstraße. Von Rahden musste nicht lange überlegen, als die Idee einer Feier entstand. Nach all den Wochen voller Treffen, Interviews und Ausschussbesuchen vertrauen die Bewohner einander. 

Anwohner sollen informiert werden

Jetzt wollen sie auch ihre Nachbarn kennenlernen und informieren. Mieterin Marie-Lena Barth freut sich, dass tatsächlich einige von ihnen zur Party gekommen sind: „Die waren ziemlich ahnungslos, was das Vorkaufsrecht angeht.“ Sie hätten aber Interesse gezeigt und sogar für den Mietentscheid unterschrieben.

„Eine Stadt für alle!“ steht auf einem Transparent, vor dem Mike Josef (SPD) mit mehreren Hausbewohnerinnen diskutiert. Wie berichtet, wollte der Planungsdezernent das Vorkaufsrecht ausüben, doch Liegenschaftsdezernent Jan Schneider (CDU) war dagegen – weil das Milieu wegen angeblich zu hoher Bestandsmieten nicht mehr schützenswert sei. „Eigentlich dürfte die Miete da keine Rolle spielen“, sagt Josef. Andere Städte wie München würden ihr Vorkaufsrecht unabhängig davon anwenden. Michael Müller, Stadtverordneter der Linken, sieht den Streit zwischen den Dezernenten kritisch: „Die Leidtragenden sind die Mieter.“

Die Party, zu der zahlreiche Anwohner, Aktivisten, Kommunalpolitiker und auch die Landtagsabgeordnete Janine Wissler (Linke) gekommen sind, wollte der neue Eigentümer per Unterlassungserklärung verhindern – irrte sich dabei allerdings in der Wohnung. Anfangs fühlte sich Hausbewohnerin Maike Wäscher von dem Anwaltsschreiben eingeschüchtert, „aber unsere neuen Kontakte haben geholfen.“

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