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Wie 1968: Die Originalwagen fuhren am Donnerstag von der Hauptwache zum Nordwestzentrum ? damals hieß die Station Nordweststadt.

50 Jahre U-Bahn in Frankfurt

Fahrt in die Vergangenheit

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Frankfurt feiert mit einem Fest, dass vor 50 Jahren die erste U-Bahn-Strecke der Stadt eröffnet wurde.

Menschenmassen drängen sich an der Hauptwache. 90 000 sind gekommen, um die erste Fahrt der Frankfurter U-Bahn zu feiern. Das war vor 50 Jahren, am 4. Oktober 1968. „Wir durften an dem Wochenende kostenlos mit der U-Bahn fahren“, erinnert sich eine 68 Jahre alte Frankfurterin. „Es war so voll, wir standen wie die Ölsardinen in den Wagen.“ Die Bahnsteige mussten sogar gesperrt werden, weil der Andrang riesig war. „Wir waren neugierig“, sagt eine 79 Jahre alte Frankfurterin. „Das war damals ein Großereignis.“ Denn immerhin war es erst die dritte U-Bahn in Deutschland, die 35. der Welt.

Bei der Jungfernfahrt sitzt der damalige Verkehrsdezernent Walter Möller in der Fahrerkabine. Hinter ihm steht der Bundesverkehrsminister Georg Leber. Auf die Sekunde genau um elf Uhr vormittags fährt die Bahn an der Station Hauptwache ein, um zum ersten Mal zum Nordwestzentrum zu fahren. Exakt 50 Jahre später bietet sich ein ähnliches Bild. Der Verkehrsdezernent heißt nun Klaus Oesterling (SPD) und steuert pünktlich um elf Uhr am Donnerstag eine Jubiläumsbahn in die Station Hauptwache. Hinter ihm ein Minister: Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne).

Das 50-jährige Bestehen der U-Bahn feierte die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) am Donnerstag mit einer Jubiläumsfahrt für Ehrengäste und einem Fest an der Hauptwache. Am Wochenende gibt es noch ein Programm mit Fahrzeugschau für die Frankfurter. Die Jubiläumsfahrt fand in genau demselben Zug statt wie einst die Jungfernfahrt. Die historische Bahn ist nicht türkis wie die heutigen Wagen. Auch nicht orange-creme wie die davor. Sie ist rot-weiß. Und zur Feier des Tages fährt sie am Donnerstag auch die traditionelle Strecke: von der Hauptwache bis in die Nordweststadt. Heute ist das nur ein Abschnitt der U1 – aber damals war das auch noch nicht die U1, sondern auf der Strecke fuhr die A1.

Anders als bei der Jungfernfahrt durchstößt der Verkehrsdezernent 2018 bei der Einfahrt in die Station Hauptwache keine Papierwand. Das wäre schwierig geworden, denn vor und hinter ihm sind die normalen Linienzüge unterwegs. Ist eben nicht mehr die erste Fahrt auf der Strecke. Fünf Jahre hat damals der Bau der U-Bahn zwischen Hauptwache und Nordweststadt gedauert, haben tiefe Gräben und Löcher die Stadt durchzogen. Aber die U-Bahn war dringend nötig. „Die Verkehrsprobleme waren elementar“, erzählte Oesterling nach der Jubiläumsfahrt bei der Eröffnung des Festes an der Hauptwache. Fünfspurig wären die Autos an der Hauptwache gefahren. „Frankfurt hat dann früh auf die Abkehr von der autogerechten Stadt gesetzt.“ Allein 110 000 Menschen würden heute täglich die A-Strecke zwischen Südbahnhof und Frankfurter Norden mit der Bahn fahren. „Wenn die zusätzlich auf der Straße wären, wäre alles dicht.“

Im Laufe der Jahre kamen weitere Linien hinzu. Neun gibt es inzwischen in Frankfurt. Hat vor 50 Jahren die Überlastung der Straßen zum Bau der U-Bahn geführt, so sieht Al-Wazir heute dieselben Herausforderungen gegeben. Immerhin kommen täglich 400 000 Pendler in die Stadt, „viel zu viele mit dem Auto“. Jeder Meter Schiene werde deshalb für die Mobilität in Ballungsräumen gebraucht, „er hilft uns“. Auch VGF-Geschäftsführer Thomas Wissgott sagte: „Die Zukunft liegt auf der Schiene, die Weichen müssen wir heute stellen.“

Deshalb wächst die U-Bahn weiter: Die U5 wird gerade ins Europaviertel verlängert. Oesterling hofft auch, dass sich beim Referendum in Bad Homburg die Bürger für eine Verlängerung der U2 nach Gonzenheim aussprechen. Zudem soll die U-Bahn von Preungesheim zum Frankfurter Berg fortgesetzt werden, von Ginnheim zur Bockenheimer Warte. Wann das soweit sein wird, ist aber unklar.

Beim Fest an der Hauptwache wurde die U-Bahn unter anderem mit Live-Musik auf der Bühne gefeiert, einer Hüpfburg für Kinder, einer Ausstellung in einem Zelt: Bis 14. Oktober können sich Besucher dort über Planung, Bau und Entwicklung der U-Bahn informieren. Auch ein Fahrsimulator steht dort, in dem sich jeder als U-Bahnfahrer ausprobieren kann.

Für Oesterling war die Fahrt mit der historischen Bahn nicht die erste: Vor 50 Jahren ist er bereits mitgefahren. Sein Vater war Technischer Direktor der städtischen Verkehrsbetriebe, bei einer Testfahrt durfte er an den Befehlsgeber und 300 Meter selber fahren. „Es war ein bewegender Moment, 50 Jahre später wieder die Bahn fahren zu dürfen.“

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