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Vorerst bleiben die Kinder in den Containern an der Stephensonstraße.

Schulen in Frankfurt

Europaviertel wartet auf Grundschule

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Kinder im Frankfurter Europaviertel müssen länger als geplant in Containern unterrichtet werden. Die Fertigstellung ihrer Grundschule verschiebt sich von 2020 auf 2021.

Kerstin Treumann-Sir ist froh, dass sich der Sommer langsam aber sicher seinem Ende neigt. Sie ist die Leiterin der Grundschule im Europaviertel, die zum Schuljahr 2017/18 den Betrieb aufgenommen hat – allerdings noch nicht in einem eigenen Gebäude, sondern in einer Containeranlage in der Stephensonstraße. Und in den warmen Monaten wurde es in den Containern verdammt heiß. „Diesen Sommer war es die Hölle“, sagt Kerstin Treumann-Sir.

Die Bedingungen könnten noch eine Weile so bleiben. Denn wann das eigene Schulgebäude, das an der Ecke von Maastrichter Ring und Pariser Straße entstehen soll, tatsächlich bezugsfertig ist, steht in den Sternen. „Das ist ärgerlich“, findet die Schulleiterin. Ursprünglich war angedacht, 2020 in das neue Gebäude umzusiedeln. In einer Stellungnahme des Magistrats aus dem Juli heißt es nun, die Fertigstellung verschiebe sich „voraussichtlich um ein Schuljahr“. Also mindestens auf 2021.

Noch reicht der Platz in der Stephensonstraße. Doch das könnte sich schon bald ändern. „Die Schülerzahlen werden sich dramatisch nach oben entwickeln“, vermutet Nicole Jesgarsz, die an der Grundschule die Erweiterte Schulische Betreuung leitet. Beim Start im Sommer 2017 waren es zwei Klassen und 41 Schüler, jetzt sind es schon fünf Klassen und 110 Schüler. „Wir rechnen damit, dass wir in zwei Jahren über 400 Schüler haben“, sagt Jesgarsz.

Unterrichtsräume gibt es genügend, schließlich dienten die Container zuvor schon der vierzügigen Dahlmannschule. Das Problem ist die Betreuung. Dafür stehen der Ganztagsschule, die von 8 bis 17 Uhr geöffnet hat, nur vier Räume à 51 Quadratmeter zur Verfügung.

Für  anständige Nachmittagsgestaltung kaum Platz

In den voll möblierten Klassenzimmern ist für eine anständige Nachmittagsgestaltung kaum Platz. Und wenn die Schule weiter rasant wächst? „Es wird unmöglich sein, 400 Schüler in vier Räumen zu betreuen“, sagt Jesgarsz.

Bei der Eröffnung der Schule im August 2017 hatte Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) den Kindern noch empfohlen: „Macht Ausflüge zur Baustelle und schaut, wie die Schule wächst.“ Auch Dirk Schneider, der Kinderbeauftragte des Europaviertels, hat diesen Rat befolgt und vor kurzem mal wieder vorbeigeschaut. „Außer vertrocknetem Gras gibt es dort nichts zu sehen“, berichtet er. „Da passiert gar nix.“ In der Stellungnahme des Magistrats heißt es, ein im Architektenwettbewerb unterlegener Konkurrent habe geklagt, daher verschiebe sich der Bau.

Ortsvorsteher Oliver Strank (SPD) hält es für „sinnvoll, dass man den Start verschiebt“, schließlich könne die Klage im schlimmsten Fall dazu führen, dass die Stadt das Projekt komplett neu ausschreiben müsse. „Dass aber für die Kinder eine bessere Lösung gefunden werden muss, steht auf einem anderen Blatt.“

Laut Schulleiterin Treumann-Sir ist zumindest eine Erweiterung der Containeranlage geplant. „Das Stadtschulamt hat das auf dem Schirm.“ Auf ihr eigenes Gebäude müssen die Kinder der Grundschule im Europaviertel noch eine Weile warten.

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