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Heusinger half mit, die streitenden Flügel der Partei zu befrieden.

Andreas Heusinger von Waldegge

Einstiger SPD-Geschäftsführer ist tot

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Mit nur 52 Jahren hat Andreas Heusinger von Waldegge den Kampf gegen eine tückische Krankheit verloren. Gedanken zum Tod des Mannes, der lange SPD-Geschäftsführer in Frankfurt war.

Er hatte sich so sehr auf seine alte Heimatstadt gefreut. Auf Kassel, die nordhessische Kommune, in der er zum „Uradel“ gehörte, wie der Sozialdemokrat stolz sagte. Doch Andreas Heusinger von Waldegge konnte nach der Rückkehr Ende 2017 dort nicht mehr lange wirken. Mit nur 52 Jahren hat er jetzt den Kampf gegen eine tückische Krankheit verloren. In Frankfurt am Main löst die Nachricht von seinem Tod große Betroffenheit und Trauer aus, nicht nur bei Sozialdemokraten. Denn in seinen 13 Jahren im Frankfurter Parteihaus als Geschäftsführer der SPD hat der politische Manager Spuren in der ganzen Stadt hinterlassen.

Die Frankfurter Sozialdemokraten verdanken ihm viel. 2004 hatte Heusinger das Kulturleben Kassels hinter sich gelassen, in dem er Regieassistent und Leiter der Öffentlichkeitsarbeit am Staatstheater Kassel gewesen war. Er, ein Mann der Bühne und insbesondere der Oper, übernahm das Management der Frankfurter SPD in einer ihrer schwersten Krisen in der Nachkriegsgeschichte.

Die Partei war zerstritten und wirkungslos, hatte bei der Kommunalwahl noch 30,5 Prozent erzielt, suchte programmatisch vergeblich nach einem erfolgreichen Thema gegen die Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU). Zugleich steckte die Partei auch bundesweit durch die Agenda 2010 von Bundeskanzler Gerhard Schröder in einem Tief, das sich bis heute fortsetzt. Reihenweise trafen damals im Parteihaus die Austrittserklärungen empörter Genossinnen und Genossen ein.

Heusinger  betrieb Aufräumarbeit

Heusinger machte sich, gemeinsam mit Gernot Grumbach als Unterbezirkschef, unverdrossen an die politische Aufräumarbeit. Der wichtigste Rat des Geschäftsführers an die streitenden Flügel der Partei, endlich ihre öffentlichen Konflikte beizulegen, fruchtete langsam. In unendlich vielen Stunden gelang es, den Unterbezirk zu reorganisieren, die schwindenden Ortsvereine zu stabilisieren. Der Pragmatiker Heusinger fühlte sich dabei weder den Linken noch den Parteirechten zugehörig.

Als 2013 der gerade einmal 30-jährige Gewerkschaftssekretär Mike Josef zum neuen Frankfurter SPD-Chef gewählt wurde, hatte er in Heusinger einen wichtigen Ratgeber. Der Manager bewahrte Josef vor vielen Fehlern. Mit der Wahl Peter Feldmanns zum Oberbürgermeister 2012 und mit der Konzentration auf soziale Themen erreichte die Frankfurter SPD eine politische Wende. Sie koppelte sich bis heute erfolgreich vom Existenzkampf der Bundespartei ab.

Heusinger war ein ungewöhnlicher Sozialdemokrat. Passionierter Jäger und Liebhaber der Musik von Richard Wagner und Gustav Mahler, häufiger Besucher der Festspiele in Bayreuth. Ein Mann voller Selbstironie, mit dem es sich herrlich lachen ließ. Der engagierte Hundetrainer Heusinger führte die Vierbeiner bei der Frankfurter SPD ein – in Gestalt eines jungen Parson-Jack-Russell-Terriers. Sein treuer Begleiter hieß, wie konnte es anders sein, „Schröder“. Heusinger wird in Frankfurt unvergessen bleiben.

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