+
Die Schwanheimer Dünen sind einzigartig und ein beliebter Ausflugsort im südwestlichsten Stadtteil Frankfurts.

Frankfurt Schwanheim

Eine Welt für sich

Der Main vor der Haustür, Frankfurts attraktivstes Naturschutzgebiet, ein eigener Zoo, die große Einkaufsstraße im Ort - eigentlich ist alles in Ordnung in Schwanheim. Eigentlich. Für Kinder und Alte - heißt es im Viertel - könnte ein bisschen mehr getan werden.

Von Timur Tinç

Der Main vor der Haustür, Frankfurts attraktivstes Naturschutzgebiet, ein eigener Zoo, die große Einkaufsstraße im Ort - eigentlich ist alles in Ordnung in Schwanheim. Eigentlich. Für Kinder und Alte - heißt es im Viertel - könnte ein bisschen mehr getan werden.

Eine angenehm kühle Brise weht am sonnigen Samstagvormittag über Schwanheim. Auf dem Kerbeplatz stehen die Zelte des „Circus la Strada“. Die Schornsteine des Industrieparks Höchst ragen auf der anderen Mainseite in den fast wolkenlosen Himmel empor. Ullrich Neumann schiebt sein Fahrrad über die Brücke des Schwanheimer Ufers, unter der die Autos fahren. Der 62-Jährige ist in dunkelgrünen Arbeitsklamotten unterwegs zu seinem Schrebergarten. „Nach dem harten Winter muss jetzt alles saubergemacht werden“, erzählt der gebürtige Schwanheimer. An seinem Stadtteil habe er nichts auszusetzen und mit den kleinen Problemen, die es gibt, „bist du einfach aufgewachsen“, sagt Neumann.

Laut den Stadtbezirksgrenzen verläuft Schwanheim bis zur Lyoner Straße, die bis zur Bürostadt Niederrad reicht. Zwischen der Rheinlandstraße und dem Beginn der Bürostadt liegt Goldstein. Auch wenn die Goldsteiner auf ihre Eigenständigkeit bestehen, wird Hand in Hand gearbeitet. So hat sich kürzlich die SPD Schwanheims und Goldsteins zusammengeschlossen. Die CDU hat das schon vor längerer Zeit getan. Auch das Stadtteilblatt nennt sich Schwanheimer Goldsteiner-Zeitung (SGZ).

Neues Gesicht für die Einkaufsmeile

Kleine Gedichte und Geschichten schreibt Norbert Müller für das Blatt. „Am liebsten über Alt-Schwanheim“, erzählt „Molly“, wie der 80 Jahre alte Hobbyarchäologe und Heimatforscher nur genannt wird. 1973 hat Müller das Heimatmuseum gegründet, in denen zahlreiche archäologische Funde von der Steinzeit bis zur Eisenzeit liegen, die er ausgegraben hat. „Schwanheim hat immer noch seinen dörflichen Charakter behalten“, findet Müller, der am liebsten in den Gaststätten des urigen Ortskerns ist.
„Das Seppsche“, „der Zehnthof“, „zum Römer“, „zum Hans Worscht“, „zur Mainlust“ und „die Schwanheimer Bierstubb“, sind nur einige Lokalitäten, die sich in Alt-Schwanheim rund um und in den alten Fachwerkshäusern tummeln. Die Einkaufsstraße ist vom Leerstand weitestgehend verschont. „Trotzdem müssen wir aufpassen, welche Geschäfte reinkommen“, mahnt Armin Heuser. Der Geschäftsführer vom Handel-, Handwerk- und Gewerbeverein (HHG) Schwanheim-Goldstein verweist dabei auf die zwei Wettbüros. „Da sind die Vermieter gefordert“, sagt Heuser.

Ihm und dem Gewerbeverein ist es wichtig, dass die Einkaufsstraße renoviert wird. Schrägparkplätze, eine behutsame Verengung der Fahrbahnbreite, breitere Bürgersteige, weniger Poller und die Reduzierung des Schilderwaldes gehören zu seinen Vorschlägen. Ein seit der Gründung der HHG 1977 ersehntes Projekt, das Gewerbegebiet Schwanheim, könnte bald umgesetzt werden. Auf der knapp 1,5 Hektar großen Fläche steht bislang immer noch die Alte Kläranlage. Bis zum 8. März lag der Bebauungsplan im Stadtplanungsamt aus. „Wir haben unsere Wünschen und Anregungen eingebracht“, berichtet Heuser.

Kaum Fluglärm

Für positive Anregungen ist auch Willi Becker immer zu haben. Der Vorsitzende des Vereinsring organisiert jedes Jahr den größten Stadtteil-Weihnachtsmarkt Frankfurts. Im September wird der Vereinsring auch erstmals die Kerb alleine organisieren. „Da kommt eine Menge Arbeit auf uns zu“, sagt Becker grinsend. Neben dem Tag der Schwanheimer Vereine gibt es alle zwei Jahre das Schrimpegassefest. Ausgerichtet wird es vom „Bürgermeister“ der Schrimpegasse 1, Richard Müller. „Er hat schon vor vier Jahren gesagt, dass er es nicht mehr macht“, erzählt Bobby von Schwanheim. Für den Betreiber der Webseite www.schwanheim.com ist es markant für den Stadtteil, dass er gerne feiert. „Wir haben das Image, dass wir zwischen zwei Störquellen sitzen“, sagt von Schwanheim. Gemeint sind der Industriepark und der Flughafen. Vom Fluglärm ist in Schwanheim aber kaum etwas zu hören und seit dem Störfall von 1993, als sich gelber Regen über Schwanheim ergoss, ist nichts mehr passiert. „Wir können hier zur Ruhe kommen, wo vielen denken dass es nicht geht“, findet der Musiker.

So lockt der Stadtwald und der Spielpark an den Wochenenden viele Besucher an. Klaus Zweimann mit Frau Tatjana und seine beiden Töchtern Miriam und Christina, sind extra aus Preungesheim gekommen. „Der Spielplatz ist richtig toll“, schwärmt Zweimann. „Hier gibt es so viele verschiedene Spielgeräte für jung und alt.“ Das findet auch die sechs Jahre alte Emily klasse. „Ich war schon gestern mit Oma und Opa hier“, erzählt die Erstklässlerin. „Im Sommer ist hier die Hölle los“, sagt Katrin Gerhardt, die am Samstag auf Emily aufpasst. Dann wird die Wasseranlage des Spielplatzes eingeschaltet. Der Stadtwald ist auch ein beliebter Grillplatz und für Jogger eine ideale Laufroute. Vom Stadtwald zurück kommt man an der Rheinlandstraße und seinen schmucken Häusern vorbei. Einige Straßen weiter kommt man in das Neubaugebiet, der Geisenheimer Straße. Das ist nötig geworden, weil viele junge Familien nach Schwanheim ziehen.

Ode an "Schwanem am Maa"

„Allerdings ist man darauf mangelhaft eingegangen“, findet Susanne Siebenhorn. Zum einen gebe es keine Ganztagsschule und es fehlen sehr viele Hortplätze. „Gerade sozial schwache Familien sind darauf angewiesen“, sagt Siebenhorn. Das ist auch dem SPD-Stadtverordneten Arnold Weber bewusst, „sonst bekommen wir einen sozialen Brennpunkt.“ Eine möglicher Standort für ein Jugendhaus oder eine Betreuungseinrichtung könnte die leerstehende Neuapostolischen Kirche in der Nürburgstraße 7 sein. Die Stadt besitzt durch einen bestehenden Erbpachtvertrag mit der Gemeinde das Vorkaufsrecht. „Der Preis, den die Kirche aufruft ist der Stadt aber wohl zu teuer“, sagt Weber.

Völlig kostenlos sind hingegen Spaziergänge durch die Schwanheimer Dünen, einer der wenigen Binnendünen Europas. Hinter der Schwanheimer Brücke in Richtung Höchst wachsen auf dem Sand auch einige Kiefern. An dem Naturschutzgebiet vorbei, kommt der Flanierer zu einem echten Schwanheimer Original: der Boots- und Schiffbauinnung Speck. Seit 1919 gibt es den Meisterbetrieb. In blauem Overall steht Inhaber Stefan Speck vor einem Boot, dessen Motor er gerade repariert. Die Antwort, wo er denn öfter sei, ob in Schwanheim oder auf der anderen Mainseite in Höchst kommt wie aus der Pistole geschossen: „Ich lebe in Schwanheim und ich kaufe in Schwanheim“, sagt Speck.
Heimatforscher Norbert Müller fasst es in einem Gedicht so zusammen: „En Schwanemer zu sei is fei, der Alt- und Neubürger stimmt ei, in den Spruch seit viele Jahr, Mei Heimat is Schwanem, mei Schwanem am Maa“!

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare