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Oberbürgermeister Peter Feldmann.

Peter Feldmann im Interview

Eine große Debatte über die Zukunft der Paulskirche

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Frankfurts OB Peter Feldmann spricht im Interview mit der FR über die Paulskirche als demokratisches Symbol gegen rechten Populismus und über die mögliche Rückkehr der Balustrade aus dem 19. Jahrhundert.

Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) möchte eine breite gesellschaftliche Debatte über die Zukunft der Paulskirche. Dabei will er sich auch über den gültigen Beschluss der Stadtverordneten hinwegsetzen.

Vor 70 Jahren wurde die wieder errichtete Paulskirche in Frankfurt als Symbol für die neue Demokratie in Deutschland eröffnet. Jetzt muss sie saniert werden in einer Zeit, in der Rechtspopulismus erstarkt und demokratische Freiheiten infrage gestellt werden …
Der Rechtspopulismus versucht, die Menschen, die verunsichert sind, die Angst haben, gegen Vielfalt und demokratische Rechte in Stellung zu bringen, und verspricht einfache Lösungen, meist über autoritäre Ansätze. Die Paulskirche ist ein Symbol dafür, dass Menschen ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen, dass sie lernen, ihre Interessen zu formulieren. Die Paulskirche steht für den Freiheitswillen der Bürger dieser Stadt und dieses Landes.

Sie steht ja auch für Werte, die jetzt von rechts wieder infrage gestellt werden, oder?
Sie zeigt, was Menschen, die entschlossen sind, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, erreichen können. Die Paulskirche ist ein Ausdruck von Widerborstigkeit und Selbstbewusstsein. Das reicht von den Revolutionären von 1848 bis hin zu den 68ern des 20. Jahrhunderts.

Es läuft gerade eine Untersuchung des baulichen Zustands des Gebäudes, das 1948 eröffnet worden war. Wann soll diese Untersuchung abgeschlossen sein?
Die Untersuchung ist so gut wie fertig. Ich möchte aber, dass die Erneuerung, die dann ansteht, verbunden wird mit dem demokratischen Engagement verschiedenster Bürgerinitiativen in der Stadt, von den Mieterinitiativen bis zu den aktiven Senioren. Ich möchte eine breite Kampagne für die Paulskirche.

Wie ist denn der bauliche Zustand?
Es ist zu früh, das genau einzuschätzen. Wir müssen aber entscheiden, ob wir die bauliche Form von 1948 schützen wollen oder aber zur früheren Form zum Beispiel mit einer großen Balustrade wie im 19. Jahrhundert zurückkehren.

Aber die Römer-Koalition von CDU, SPD und Grünen hat sich klar für die Sanierung in der bescheidenen Form von 1948 entschieden.
Das respektiere ich natürlich, und die Entscheidung nach dem Zweiten Weltkrieg war richtig. Zugleich gab es auch bei der neuen Altstadt eine breite Diskussion über die Form der Gestaltung. Ich wünsche mir auch bei der Paulskirche eine große Demokratiedebatte, eine Debatte, wie wir mit unserem demokratischen und nationalen Erbe umgehen. Bei dieser Diskussion wollen sicher auch Bundespräsident und Bundeskanzlerin mitreden; unsere Bundestagsabgeordneten aus allen Parteien, von links bis rechts, haben schon Interesse signalisiert.

Sie wollen die Diskussion wieder neu eröffnen.
Ja. Diese Diskussion muss sein. Es gibt zum Beispiel einige, die ein Demokratiezentrum in der Paulskirche oder direkt nebenan in der heutigen Stadtkämmerei fordern. Darüber muss gesprochen werden. Ein solches Demokratiezentrum wäre eine große Chance, die Paulskirche von der lokalen Bühne auf die nationale Bühne zu bringen.

Sie wollen größer denken?
Ich möchte eine breite Debatte darüber, was aus der Paulskirche wird.

Sie sagen, das ist eine nationale Aufgabe. Welche Signale gibt es aus der Bundeshauptstadt?
Sehr ermutigende. Ich habe Kontakt mit dem Bundespräsidenten und der Bundeskanzlerin in dieser Sache aufgenommen. Ich bin mir sicher, dass der Bund sich auch finanziell einbringen will. Beim Treffen mit den Frankfurter Bundestagsabgeordneten haben diese klargemacht, sie wollen sich an der Debatte beteiligen.

Welche zeitlichen Vorstellungen haben Sie? Wann soll die neue Paulskirche vollendet sein?
Wir sollten die Meinungsbildung über die Zukunft der Paulskirche bis Mitte des Jahres 2020 abschließen. Bis dahin müssen wir einen Beschluss haben, auf dessen Basis wir arbeiten können.

Interview: Claus-Jürgen Göpfert

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