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Das Gelände der ehemaligen Rennbahn in Frankfurt, auf dem die DFB-Akademie entstehen soll. Die Kosten dafür liegen mittlerweile bei rund 150 Millionen Euro, wie der DFB zugeben musste.

Frankfurt

DFB-Akademie doppelt so teuer

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Ursprünglich sollte die DFB-Fußball-Akademie in Frankfurt 77 Millionen Euro kosten. Nun liegt die Kostenschätzung bei 150 Millionen Euro. Ob der Bauantrag im Februar 2018 eingereicht wird, ist fraglich.

Der Tag der Entscheidung rückt näher. Am 8. Dezember kommen 263 Delegierte zum außerordentlichen Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) auf dem Frankfurter Messegelände zusammen. Sie müssen entscheiden über das ehrgeizigste Projekt des DFB seit Jahrzehnten: Die geplante Deutsche Fußball-Akademie.

Und selbst für die Verhältnisse der DFB-Spitze, die sich auf eine treue Basis verlassen kann, ist das Ja der Delegierten aus ganz Deutschland so selbstverständlich nicht. Denn die Kosten der Akademie haben sich in der langen Planungsphase verdoppelt: Von ursprünglich 77 auf 150 Millionen Euro.

Zäh und beharrlich hat der DFB-Vorstand an seinem Prestigevorhaben festgehalten. Hat sich auch durch jahrelange Verzögerung und heftigen Widerstand in Frankfurt nicht irritieren lassen. Ursprünglich wollte die Stadt am 1. Januar 2016 das Gelände der alten Galopprennbahn in Frankfurt-Niederrad an den DFB übergeben. Doch dann mobilisierten die Freunde des Turfs mit viel Geld und populistischen Methoden den Widerstand – und räumten das Grundstück, als der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe gegen sie entschieden hatte.

Die Kosten steigen, die Akademie schrumpft auf dem Papier

Bei der Stadt Frankfurt sind die Verantwortlichen sehr vorsichtig geworden. „Vielleicht im ersten Quartal 2018“ könne der DFB mit der Fläche rechnen, sagt Liegenschaftsdezernent Jan Schneider (CDU). Der nötige Bebauungsplan werde „möglicherweise“ im ersten Vierteljahr rechtskräftig, urteilt Mark Gellert, der Sprecher von Planungsdezernent Mike Josef (SPD).

Doch das Projektteam des DFB treibt entschlossen die Planung für den großen Traum voran: Die Verwaltung, die Nationalmannschaften von Männern und Frauen, die Ausbildung von Trainern und Schiedsrichtern unter einem Dach in Frankfurt. Generalsekretär Friedrich Curtius hat den neuen Kostenrekord von 150 Millionen Euro jetzt öffentlich eingestanden. Über die Ursachen sagte er nichts. Natürlich ist eine Ursache auch die Verzögerung: Denn in dieser verlorenen Zeit stiegen die Baupreise weiter.

Sie sind derzeit auf einem Höchststand, die Baufirmen sind ausgelastet und teuer. Zugleich machte das Projekt die Entwicklung durch, die viele große Bauvorhaben in Deutschland nehmen. Anfangs sind die Kosten nur geschätzt, bei vertiefter Planung zeigt sich dann, dass sie nicht zu halten sind. Zugleich wird das Netz der Bauvorschriften immer engmaschiger, die Anforderungen an Brandschutz und Sicherheit wachsen immer weiter.

Das DFB-Projektteam versucht, gegenzusteuern und den Kostenanstieg einzudämmen. Die Akademie schrumpft auf dem Papier. Die geplante große Halle ist kleiner geworden, auch andere Teile wurden abgespeckt.

Rennklub hat zweites Bürgerbegehren angekündigt

Übriggeblieben sind von den ursprünglich 60 000 rund 50 000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche. Der interne Zeitplan sieht vor, den Bauantrag bei der Stadt Frankfurt im Februar 2018 einzureichen. Ob der DFB zu diesem Zeitpunkt schon das Gelände an der Schwarzwaldstraße in Frankfurt-Niederrad nutzen kann, ist sehr fraglich. Denn noch sind viele Hindernisse aus dem Weg zu räumen.

Noch schützt eine Einstweilige Verfügung, die der Rennklub Frankfurt vor Gericht erwirkt hat, die große Tribüne des Turfs vor dem Abriss. Noch wartet die Stadt mit Ungeduld auf die Entscheidung des Bundesgerichtshofs über die Räumung in der Hauptsache.

Inzwischen hat der Rennklub Frankfurt sogar ein zweites Bürgerbegehren angekündigt. Es soll darüber abgestimmt werden, auf dem alten Rennbahn-Gelände ein Wohngebiet anstelle der Fußball-Akademie zu entwickeln. Gerade hat sich eine Bürgerinitiative unter dem Motto „Wohnen statt DFB-Palast“ gegründet. „Das Bürgerbegehren wird kommen“, verspricht der Vizepräsident des Rennklubs, Carl-Philip zu Solms Wildenfels.

Das Projektteam des DFB hat den Zeitplan für die Fußball-Akademie schon einige Male korrigieren müssen. Aus der Eröffnung im Jahre 2018 ist jetzt, bei vorsichtiger Kalkulation, 2021 geworden.

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