+
Erfolgreich: die "Damenwahl" im Historischen Museum.

Historisches Museum Frankfurt

Caricatura könnte bald unabhängig werden

  • schließen

"Veränderungen" in der Kulturlandschaft bahnen sich an. Das Caricatura könnte bald unabhängig werden. Und das Historische Museum will eine dauerhafte Stätte für NS-Gedenken.

Es wird Veränderungen geben in der Frankfurter Museumslandschaft: Das Caricatura-Museum für Komische Kunst taucht in der Jahresschrift „Aura“ 2019 nicht mehr in der „Museumsfamilie“ des Historischen Museums auf. Bisher ist die Caricatura eine Abteilung des Museums. Im vorigen Jahr war Streit über eine Selbstständigkeit der Caricatura entbrannt. „Das hatte teils komische Züge“, sagte Jan Gerchow, der Direktor des Historischen Museums, am Freitag. „Aber es wird positive Veränderungen geben.“ Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) werde dazu im Kulturausschuss Stellung nehmen.

Gerchow blickte in seiner Jahrespressekonferenz zurück und auch ein ganzes Stück nach vorn. 2020, kündigte er an, werde das Museum eine große Ausstellung „Frankfurt und der Nationalsozialismus“ zeigen – die erste zusammenfassende Schau über die Ereignisse 1933 bis 1945 in der Stadt. Eine vorbereitende Tagung dazu gibt es bereits in diesem Jahr, am 22./23. März. Dazu kann man sich anmelden: besucherservice@historisches-museum-frank furt.de. Einen dauerhaften Ort für eine solche Ausstellung befürwortet Gerchow. „Da stehen wir schon lange dahinter – es wäre die Gründung einer neuen Einrichtung, eines neuen Museums.“

Im bestehenden Museum gab es 2018 einen Anstieg der Besucherzahlen auf 187.694 (Vorjahr: 146.536). „Unsere Wunschzahl war 200.000“, gestand der Direktor, „aber dass wir das nicht geschafft haben, lag am heißen Sommer.“ Im August konnte sich lediglich die Caricatura gut behaupten – der Schau über Komiker Otto Waalkes sei Dank. Das Junge Museum, im Februar in die Altstadt umgezogen, war etwas schwächer besucht als am vorigen Standort (unter dem Titel Kindermuseum) an der Hauptwache. „Eine Sache der Lage“, erklärte Gerchow: „An der Hauptwache sind sie ja aus der U-Bahn gestolpert und waren schon im Museum.“ Am Angebot für die jungen Leute feilt man weiter, die Extra-Eintrittskarte ist abgeschafft, weil unter 18-Jährige ohnehin freien Eintritt haben. Es gilt nun ein Ticket für das ganze Museum.

Drei Millionen Euro Etat hatte die „Museumsfamilie“ (mit Jungem Museum, Porzellanmuseum und Caricatura) im vorigen Jahr, davon 2,1 Millionen allein fürs Historische Museum. Gut die Hälfte kam von Spendern und Sponsoren. Im kommenden Jahr sinkt der Etat leicht auf 2,6 Millionen; das ist immer noch doppelt so viel wie vor dem Umzug in den Neubau.

Gerchow blickte zurück auf eine erfolgreiche Ausstellung „Damenwahl! 100 Jahre Frauenwahlrecht“ mit 40.000 Besuchern und war auch sehr zufrieden mit dieser ersten Schau in dem großen Museumssaal. Zum Abschluss ist die Jubiläumsschau noch an zwei Tagen zu sehen: am heutigen Samstag sogar bis 21 Uhr, denn als Finissage lockt ein „politischer Salon mit historischen Gästen“ ins Schneekugelfoyer. Dann werden Liese Lyon und Katharina Bach als Henriette Fürth und Tony Sender in stilechten Kostümen der Frauenrechtlerinnen von einst auftreten. Um 18 Uhr wird aufs Frauenwahlrecht angestoßen. Am Sonntag ist die Schau noch einmal bis 19 Uhr geöffnet.

Was kommt danach? Schon am Donnerstag, 24. Januar, beginnt eine neue Konzertreihe im Historischen Museum gemeinsam mit der transkulturellen Musikinitiative Bridges – Musik verbindet. Das Ensemble Cosmic Conjunction mit mongolisch-eritreisch-frankfurterischem Hintergrund spielt um 18 Uhr ein „Crossover aus Film- und Weltmusik“, eine halbe Stunde zuvor begrüßt Gerchow die Gäste und Musiker im Leopold-Sonnemann-Saal. Insgesamt sechs Konzerte der Reihe sind jeweils in Zwei-Monats-Abständen geplant – als klares Statement. Wie die Frankfurter stammen die Bridges-Musiker aus vielen verschiedenen Ländern: „Für diese vielfältige Gesellschaft möchte das neue Stadtmuseum ein Ort der Verständigung über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Stadt sein“, verkündet die Programmvorschau.

Das Programm des Historischen Museums für 2019: 

„Vergessen – Warum wir nicht alles erinnern“ ab 7. März. Es geht um Fluch und Segen des Vergessens, um Demenz wie auch um das Internet. 

„Wo wohnen die Leute?“ Mit dem Stadtlabor durch die Ernst-May-Siedlungen ab 16. Mai. Vier Musterwohnungen entstehen im Museum. 

„Das Meisterstück – Kunst kommt von Können“ ab 5. September. Die Schau thematisiert die Malerausbildung einst und heute – sogar mit einem Exponat aus dem Louvre. ill

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare