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Im April 2013 trafen sich die Mitglieder des Vereins Westkunst Nied zum Malen am Fluss An der Wörthspitze.

Nied/Höchst

Bilder im einstigen Chinarestaurant

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Seit zehn Jahren bringt der Verein Westkunst Kultur ins Quartier – in wechselnden Domizilen. Am Freitag, 28. September, feiert die Gruppe ihren Geburtstag mit einer Ausstellung.

Vom Krümmelkuchehaus in den Palast. Das wäre ein guter Titel für eine Ausstellung des Vereins Westkunst Nied. Der feiert dieser Tage seinen zehnten Geburtstag. Mit einer großen Schau im Kunstraum an der Bolongarostraße 112. Titel: „Das Leben in Nied vor 800 Jahren bis heute.“ Auch ein feines Motto. Schließlich feiert der Stadtteil dieser Tage 800. Geburtstag.

Aber dennoch, da wäre mehr drin gewesen. Die Historie der Westkunst gleicht einem Märchen. Die Anfänge sind bescheiden. Eine handvoll Maler plus handverlesene Kunstfreunde finden sich zum ersten Treffen ein. Im winzigen Krümmelkuchehaus hinter dem alten Nieder Rathaus. Das ist nach seinem Putz benannt. „Es sah aus wie ein Streuselkuchen“, erinnert sich Gründungsmitglied Helmut Grohmann.

Grohmann ist kein Künstler, er ist in der SPD. Aber es imponiert ihm mächtig, dass sich jemand ausgerechnet im Arbeiterstadtteil Nied für Kunst engagieren möchte. Samt seiner Frau hat der damalige Nieder Vereinsringvorsitzende die Maler begeistert empfangen. Grohmann lacht, er ist nicht der einzige der so denkt. Auch andere engagierte Menschen, die kein bisschen malen können, sind dem Verein beigetreten. Eben um Kultur nach Nied zu bringen. Hubert Schmitt etwa, ebenfalls Gründungsmitglied, heutzutage Vereinsringvorsitzende in Unterliederbach und SPD-Stadtverordneter in Frankfurt. Immerhin schreibt er in seiner Freizeit Gedichte.

Bei der Westkunst geht es ja auch nicht allein darum, Ausstellungen zu zeigen, sondern die Kunst zu den Leuten zu bringen. Westkunst bietet Workshops an, hält Malkurse in Schulen ab. „So etwas hat in Nied gefehlt“, sagt Grohmann. Den Grohmanns fehlt dafür inzwischen der Platz an den Wänden, so viele Bilder haben sie über die Jahre erstanden.

Portfolio erweitert

Richtig Fahrt aufgenommen hat der Verein, als Spomenka Aleckovic übernommen hat, sagt Grohmann. Die Vorsitzende hat das Portfolio erweitert, hat die Künstler überregional sichtbar gemacht. „Wir sind immer dabei“, sagt sie und lacht. Gestalten Feste mit, laden zu Ausstellungen. 50 Mitglieder hat der Verein inzwischen. Mehr als 100 Künstler aus Deutschland und Europa haben bei der Westkunst bereits ausgestellt. Manch Partnerschaft ist so entstanden, die Vereinsmitgliedern Ausstellungen in Italien, Ungarn oder Frankreich ermöglicht hat. „Da sind wir stolz drauf“, sagt Aleckovic.

Dabei hat die Westkunst einen mühsamen Weg hinter sich. Die Mitglieder haben beinahe öfter die Malerrolle benutzt als den feien Pinsel. Das kleine Krümmelkuchehaus in Nied steht längst nicht mehr, von dort ist der Verein nach Höchst an die Bolongarostraße 122 gezogen. Die Künstler haben sich den Raum fein hergerichtet. Das Haus steht aber auch nicht mehr.

Die Westkunst musste erneut umziehen, ein paar Meter weiter an die Bolongarostraße 112. Und wieder renovieren. „Da war vorher ein Chinarestaurant drin“, sagt Aleckovic und schnuppert vielsagend.

Es bleibt die Hoffnung auf eine prächtige Zukunft. Der Verein hat sich für den Bolongaropalast beworben. Den saniert die Stadt gerade aufwendig. Ein Räumchen für die Kunst wäre sicher übrig. „Wir haben noch keine Antwort“, sagt Aleckovic.

Vielleicht kommt die bei der Vernissage zur 800-Jahre-Nied-Schau. Immerhin wird Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) ein Grußwort sprechen. Nieds SPD-Vorsitzende Milli Romic wird da sein. Oliver Strank, auch SPDler und Ortsvorsteher aus dem Ortsbezirk 1, spielt auf dem Cello. „Keine Ahnung, warum wir so viele SPD-Mitglieder unter unseren Freunden haben“, sagt Aleckovic vergnügt. „Die einen haben die anderen halt mitgebracht.“

Das Leben in Nied vor 800 Jahren bis heute, Vernissage Freitag, 28. September, 18 Uhr, Kunstraum von Westkunst, Bolongarostraße 112. Die Schau läuft bis Sonntag, 14. Oktober. Öffnungszeiten: Do. und Sa. 17-19 Uhr, So. 12-16 Uhr. www.westkunstnied.de

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