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Der Neue an der Spitze des Schulelternbeirats in Frankfurt: Eckhard Gathof

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"Beim Schulbau ist die Stadt zu träge"

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Eckhard Gathof ist der neue Vorsitzende des Stadtelternbeirats in Frankfurt. Viel Lob gibt es für seine Vorgängerin Alix Puhl.

Er ist Immobilienökonom und entwickelt Baugrundstücke – nicht die schlechteste Expertise für den Job, den Eckhard Gathof nun antritt: Der 55-Jährige ist seit Samstag der neue Vorsitzende des Stadtelternbeirats. Und mit Bauen und Grundstücksentwicklungen hat man in Frankfurt schließlich alle Hände voll zu tun, müssen doch jährlich wegen der wachsenden Schülerzahl neue Schulen eröffnet werden. „Neubauten müssen schneller gehen“, sagt Gathof. „Die Stadt ist zu träge.“

Der Vater zweier Kinder hat die Nachfolge von Alix Puhl angetreten. Sie hatte nicht mehr für den Stadtelternbeirat kandidiert. Am Samstag wählten die Delegierten der Frankfurter Schulen in der IGS Herder 15 Mitglieder in das Gremium, das die Interessen der Eltern in der Stadt vertritt. Als Vorsitzender will Gathof die Arbeit der letzten Jahre fortführen; bereits seit vier Jahren engagiert er sich im Gremium.

Probleme sieht er in der Stadt etwa beim Übergang von der Grundschule in die weiterführende Schule. Die Schülerzahlen seien dem Schulentwicklungsplan schon wieder voraus, „Es sind 300 Schüler mehr in diesem Jahr im Übergang, und es werden zwei Schulen gegründet – das ist eine Milchmädchenrechnung, die kriegen wir gar nicht unter.“ Auch der Zustand der Schultoiletten ist für ihn ein Dauerbrenner, ebenso wie der Sanierungsstau.

Um diese Themen ging es auch in der vor den Wahlen angesetzten Diskussion „Baustelle Schule“ mit Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) und dem Leiter des am 1. November gegründeten Amts für Bau und Immobilien, Michael Simon. In der neuen Behörde sind Hoch- und Liegenschaftsamt sowie Teile des Stadtschulamts zusammengeführt worden. Es plant, baut und hält Schulen instand. „Vor Ihnen steht also der Oberhausmeister und der Oberbaumeister“, sagte Simon zu den 180 Besuchern.

Das Amt ist erster Ansprechpartner für die Schulen, wenn es bauliche Probleme gibt. Die Eltern monierten am Samstag eine mangelnde Kommunikation. „Uns fällt das Gebäude um die Ohren, aber auf konkrete Fragen bekommen wir keine konkreten Antworten“, sagte etwa die Elternbeirätin der Römerstadtschule. Für Simon ist eines der Ziele des Amts, die Kommunikation zu verbessern. Die Antwort auf eine Beschwerde dürfe nicht länger als vier Wochen dauern. Doch noch sind etwa 100 Stellen im Amt nicht besetzt. Eine „Sollbruchstelle“, die gekittet werden muss, nennt das Simon. Derzeit kümmere sich ein Servicemitarbeiter um 15 Schulen, künftig sollen es zehn sein.

Wann wird was saniert?

Allerdings soll das Amt laut Simon in erster Linie Ansprechpartner für die Schulleiter sein. Das passt den Eltern nicht wirklich. „Wir wollen nicht so gerne den gefilterten Weg haben“, sagte der Elternbeirat der Riedhofschule. Er würde sich lieber direkt ans Amt wenden.

Doch das ist nicht Michael Simons „Wunschvorstellung“. Dezernentin Weber will den Informationsfluss in der Schule bei Sanierungen etwa durch AGs vor Ort stärken, in denen die Schulgemeinde vertreten ist.

Die Frage, wann überhaupt welche Schule mit einer Sanierung rechnen kann, treibt die Eltern um. „Kriterien für die Dringlichkeit gibt es noch nicht“, sagt Simon. Er will alle Gebäude „ingenieurmäßig aufnehmen“, ein Leistungsverzeichnis anlegen und so die „Hotspots“ erkennen.

Auch über verdreckte und veraltete Schultoiletten beschwerten sich die Eltern. Was etwa gegen den Gestank getan werden kann, darüber tauscht sich Simon bereits mit anderen Städten aus. „Wenn Urin daneben geht, bekommt man den aus dem Fugenmaterial nicht heraus.“ Ein Konzept für eine häufigere Reinigung hat die Stadt schon ausgearbeitet. „Am Freitag gab es letzte Änderungen“, sagte Weber. Sie geht nun davon aus, dass der Magistrat es im ersten Quartal beschließen werde.

„Das Geld ist da, wir könnten dann direkt loslegen.“ Simon möchte an die Toilettenproblematik aber „dialogorientiert“ mit Schulleitern und Eltern herangehen. „Es macht mich nachdenklich, wenn Hausmeister Spülkästen mit Eisenriegeln versehen“, sagte er, „weil sie sonst herausgerissen würden.“ Der Nutzer spiele auch eine Rolle.

Verabschiedet wurde schließlich auch die scheidende Vorsitzende des Stadtelternbeirats, Alix Puhl. Sie habe den Eltern in Frankfurt ein Gesicht und eine Stimme gegeben, sagte Weber. „Sie war hartnäckig, und wenn es sein musste, hat sie sich mit allen angelegt.“ Die Schulelternbeirätin der Schillerschule, Mela Krauss, verkündete, die Eltern hätten Puhl für die Bürgermedaille der Stadt vorgeschlagen. „Das ungewöhnliche und über die Maßen hohe Engagement muss gewürdigt werden.“

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