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Der Kreisel wird verschwinden, zwei Kreuzungen ihn ersetzen – ob das Modell auch für eine Veranstaltungshalle reicht, ist fraglich.

Kaiserlei

Ausschreibung auf der Kippe

Der geplante Neubau einer Multifunktionshalle am Offenbacher Kaiserlei hakt am Verkehr. Frankfurt und Offenbach müssen sich jetzt einig werden.

Von Timur Tinç und Jörg Muthorst

Der geplante Neubau einer Multifunktionshalle am Offenbacher Kaiserlei hakt am Verkehr. Frankfurt und Offenbach müssen sich jetzt einig werden.

Die Ausschreibung für die geplante Multifunktionshalle am Offenbacher Kaiserlei könnte sich um mehrere Monate verzögern. Erst kürzlich hatte Mark Gellert, der Sprecher des Frankfurter Planungsdezernenten Olaf Cunitz (Grüne), der FR mitgeteilt, dass die Verkehrserschließung noch nicht ausreichend geklärt sei. Das liegt am Kreiselrückbau am Kaiserlei, der durchfinanziert und planfestgestellt ist. Die Krux ist, dass das zugrunde liegende Verkehrskonzept nicht die bis zu 15.500 Zuschauer fassende Halle für Sportveranstaltungen und Konzerte beinhaltet.

Die Stadt Offenbach lässt jetzt untersuchen, ob sich die Halle in dieses Konzept integrieren lässt, und will Frankfurt dafür eine Lösung vorschlagen, teilt Offenbachs Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) mit. Das Ergebnis soll dann von beiden Städten öffentlich präsentiert werden.

Auf Frankfurter Seite regt sich hinter den Kulissen der Unmut über die Nachbarstadt, die die Halle nicht in das Verkehrsgutachten miteinbezogen hat und dadurch die Ausschreibung weit zurückwirft. Frankfurts Sportdezernent Markus Frank (CDU) ist darum bemüht, kein Öl ins Feuer zu gießen. „Wir sind in guten Gesprächen und wollen das Problem gemeinsam mit Offenbach lösen“, sagt Frank. „Wir prüfen derzeit das Verkehrskonzept.“

Strahlenberger Straße hoch belastet

Dabei sind auf Frankfurter Seite geäußerte Befürchtungen, die errechnete Verkehrskapazität am neuen Kaiserlei-Knoten könnte nicht für die jährlich etwa 40 Großveranstaltungen in der Halle reichen, nicht ganz unbegründet.

Die Offenbacher Untersuchung kommt hier allerdings zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Je nach Lage, Größe und Parkplatzanordnung könne es zu bestimmten Tageszeiten zu einer Überlagerung des Berufs- und Hallenverkehrs kommen, so Offenbachs Verkehrsexperte Hans-Joachim Bier-Kruse. Oder eben nicht.

Man dürfe das Pferd jetzt nicht von hinten aufzäumen und ein Worst-Case-Szenario entwickeln, warnt Schneider, der zu den Befürwortern der Halle zählt. Das Verkehrsproblem sei lösbar. Allerdings, warnt Bier-Kruse, dürfe die Halle nicht den Zeitplan für den Kreiselrückbau gefährden.

Die Halle ist Bestandteil des von Frankfurt und Offenbach gemeinsam fortgeschriebenen städtebaulichen Rahmenplans für den Kaiserlei. Sie soll an der Strahlenberger Straße unmittelbar an der Offenbacher Stadtgrenze entstehen. Offenbach will Frankfurt dafür bis 2014 ein Grundstück von 20.000 Quadratmetern für die Erschließung abtreten.

Die jedoch will sorgfältig geprüft sein, sonst drohen Konflikte mit dem abendlichen Berufsverkehr in der jetzt schon hoch belasteten Strahlenberger Straße, über die der Regionalverkehr zwischen beiden Nachbarstädten fließt.

Verkehrsproblem schnell in den Griff kriegen

Mit Hilfe Frankfurts und im Auftrag des Bundes will Offenbach ab 2014 den Kaiserleikreisel zugunsten klassischer Verkehrskreuzungen zurückbauen. Die Entflechtung von Fern- und Regionalverkehr soll ab 2016 die Leistungsfähigkeit des Verkehrsknotens erhöhen. Derzeit rollen täglich 65000 Fahrzeuge durch das Kaiserleigebiet. Fast ein Drittel davon ist Regionalverkehr. In sieben Jahren werden es bereits 79.000 Fahrzeuge sein. 4500 davon werden allein mit Inbetriebnahme der neuen Mainbrücke Ost an der EZB erwartet.

Für die geplante Ausschreibung ist es für Frankfurt und Offenbach nun entscheidend, das Verkehrsproblem schnell in den Griff zu bekommen. Denn sollte das Verkehrsgutachten ergeben, dass der bereits durchfinanzierte und planfestgestellte Kaiserleirückbau für einen Hallenneubau für zu klein befunden wird, müsste ein neues Planfeststellungsverfahren in Gang gebracht werden. Und das würde das Projekt erst recht verzögern, wenn nicht ganz unmöglich machen.

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