Zur Sonne

Apfelweinlokal soll Kulturzentrum werden

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Ein Verein steht in den Startlöchern, um in dem Frankfurter Lokal ein Kulturzentrum einzurichten. OB Feldmann will den Erhalt des historischen Gasthauses.

Das Interesse am Überleben der historische Gaststätte Zur Sonne auf der oberen Berger Straße reißt nicht ab. Rund 3400 Personen hatten bis Mittwoch eine Online-Petition unterschrieben, die sich für den Erhalt des Apfelweinlokals einsetzt, das derzeit für 2,5 Millionen Euro im Internet zum Verkauf steht. Viele befürchten, dass ein neuer Eigentümer die denkmalgeschützte Sonne schließt und dort Wohnraum schafft.

Zu den prominentesten Unterstützern zählt Peter Feldmann (SPD). Der Oberbürgermeister habe sich „eingeschaltet“, heißt es aus seinem Büro. Derzeit werde ausgelotet, welche Instrumente die Stadt hat, sich für den Erhalt der Sonne einzusetzen, sagt der Leiter der Presseabteilung Stefan Jäger. Welche das sein könnten, sagt er nicht. Dazu werde etwa mit dem Planungsdezernat und den Eigentümern gesprochen. Die Gaststätte sei eine „Kleinod auf der Berger Straße“, das zur Identität der Stadt beitrage, so Jäger. Der OB habe Interesse daran, dass dieses nicht verlorengehe.

Verein steht in den Startlöchern

Thomas Becker, der die Petition am 10. April gestartet hat, ist überwältigt von dem Erfolg. „Damit habe ich nicht gerechnet.“ Nach wie vor gehe es ihm nur darum, „dass das Restaurant erhalten bleibt“. Derzeit arbeite er daran, ein Crowdfunding zu starten, um die Sonne zu kaufen. Er selbst wolle sich finanziell einbringen. Auch mehrere Gastronome hätten Interesse daran, das Lokal fortzuführen, sagt Michael van Goethem von der Interessengemeinschaft der Wirte auf der oberen Berger. Allerdings sei ihnen der Preis zu hoch.

Für die Immobilie interessiert sich auch der in der Gründung befindende Verein „Inter Esse“. Der Gruppe schwebe eine Art Kulturzentrum vor, in dem die traditionelle Gaststätte fortgeführt wird, sagt Mitgründer Roland Lüpold. Der Verein wolle die Liegenschaft kaufen, denkbar sei, sie nach der Crowdfunding-Kampagne zu übernehmen. Der erste Förderantrag sei bereits gestellt worden. Derzeit arbeiteten zwölf Musiker, Künstler und Kulturschaffende an der Satzung. Weitere hundert Frankfurter unterstützten das Projekt.

Geplant sei „ein selbstverwalteter, nicht profitorientierter gastronomischer Betrieb“. Dieser soll als Plattform „soziale Vernetzung, gemeinsames Lernen und Selbstorganisation fördern“, sagt Lüpold: „Und offen sein für alle.“

In diesem Sinne werde die Gaststätte als „Quartiervernetzungspunkt“ gedacht. Dort könne es etwa Lesungen, Workshops und Konzerte geben. Auch ein alternativer Hostelbetrieb sei möglich. Angeboten werden sollen ausschließlich lokale Lebensmittel und Güter. Denkbar sei zudem, dass dort ein Depot zum Verteilen von Obst und Gemüse über das Projekt „Solidarische Landwirtschaft“ entstehe.

Offen ist derzeit überdies die Zukunft des „Schmärrnche“ in der Kleinen Spillingsgasse. Seit dem 12. März hat das Traditionsrestaurant „aus gesundheitlichen Gründen“ geschlossen, sagt Inhaber Jochen Kappes. „Das Hotel läuft aber ganz normal.“ Ob das Gasthaus wieder öffnen wird oder sich die Familie nur noch auf den Hotelbetrieb beschränkt, sei noch nicht entschieden.

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