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Das Kunstwerk "Boxkampf für die direkte Demokratie" des Künstlers Josef Beuys (Bild) ist bald im Frankfurter Museum für Moderne Kunst zu sehen.

MMK in Frankfurt

Für Ankauf von Beuys-Kunstwerk votiert

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Das Museum für Moderne Kunst (MMK) in Frankfurt kann das Kunstwerk "Boxkampf für die direkte Demokratie" des Künstlers Josef Beuys ankaufen. Die Stadtverordneten geben dafür grünes Licht.

Die Documenta 5 geht zu Ende. Am letzten Tag der Kunstausstellung in Kassel, am 8. Oktober 1972, kommt es zu einer spektakulären Aktion. Im Museum Fridericianum tritt der berühmte Künstler Joseph Beuys an zu einem Boxkampf mit dem jungen Kassler Kunststudenten Abraham David Christian. Beuys gewinnt den Kampf über drei Runden nach Punkten. 

Das Werk „Boxkampf für die direkte Demokratie“, das aus dieser Aktion hervorging, kann jetzt vom Museum für Moderne Kunst (MMK) in Frankfurt erworben werden. Der Kulturausschuss des Stadtparlaments votierte am Donnerstagabend einstimmig für den Ankauf. Die Gesamtkosten liegen bei 672 350 Euro. 

Die Zustimmung fiel den Stadtverordneten allerdings leicht – denn die Kommune kostet die Erwerbung keinen einzigen Cent. Der spektakuläre Ankauf wird allein aus Mitteln verschiedener Stiftungen, darunter der Hessischen Kulturstiftung und der Kulturstiftung der Länder sowie privater Sponsoren finanziert.

Es ist erst das zweite wichtige Werk von Joseph Beuys, das das Museum für Moderne Kunst erworben kann. Im Jahre 1986 hatte die Stadt die Installation „Blitzschlag mit Lichtschein auf Hirsch“ gekauft. Damals für 2,5 Millionen Mark. Es war eine Aktion des gerade verstorbenen damaligen Kulturdezernenten Hilmar Hoffmann (SPD) gewesen. 

Der Sammlungsleiter des MMK, Mario Kramer, hatte das Werk „Boxkampf für direkte Demokratie“ im Kunsthandel entdeckt. Es handelt sich um eine extrem schmale horizontale Vitrine mit einer Länge von mehr als fünf Metern. In diesem Behältnis sind die Relikte des Kampfes versammelt: vier rostbraune Boxhandschuhe, ein Kopfschutz und das Hanfseil, das man seinerzeit um den Boxring gezogen hatte. 

Beuys hatte bei der Documenta 5 mit seiner „Organisation für direkte Demokratie durch Volksabstimmung“ 100 Tage Station in Kassel gemacht. Er diskutierte unermüdlich mit den Ausstellungsbesuchern über das Parteiensystem und die Vorteile von direkten Volksabstimmungen. Der Künstler vertrat damals die Ansicht: „Rede stehen ist auch eine Kunstform“ und bezeichnete „Sprache als die erste Form von Plastik“. 

MMK-Sammlungsleiter Kramer strich hob vor den Stadtverordneten hervor, wie „hochaktuell“ das Kunstwerk von Beuys sei. „Wir müssen auch heute für Demokratie kämpfen“, sagte der Kurator. 

MMK-Direktorin Susanne Pfeffer dankte dem Kulturausschuss für seine „engagierte Unterstützung“. 

Die Demokratie, so sagte sie, „muss von uns allen permanent erkämpft werden“. 
Kulturdezernentin Ina Hartwig nannte den Ankauf einen „Glücksfall für das Museum Moderne Kunst und die Kunstlandschaft der Stadt“. Die Arbeit sei eine nahezu zwingende Ergänzung zu dem Beuys-Werk, das das MMK bereits besitze. 

Hartwig lobte Sammlungsleiter Kramer und Direktorin Pfeffer für ihr „außerordentliches Verhandlungsgeschick“. 

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