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Die meisten Mitarbeiter des Frischezentrums fahren mit dem Auto zur Arbeit, nicht immer mit dem neusten Modell.

Kalbach

Angst um die Arbeitsplätze

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Frischzentrum-Mitarbeiter protestieren gegen die Idee, die Umweltzone auf das Gewerbegebiet Am Martinszehnten auszuweisen. Die SPD findet keine Mehrheit im Ortsbeirat.

Die SPD-Fraktion im Ortsbeirat 12 fordert die Ausweitung der Umweltzone auf das Gewerbegebiet Am Martinszehnten. Davon wäre auch das Frischzentrum betroffen. Am Freitag sind rund 30 Mitarbeiter in die Sitzung des Ortsbeirats geeilt, um zu protestieren. Für viele würde die Umweltzone den Verlust ihres Arbeitsplatzes bedeuten, sagen sie.

„Vor dem Hintergrund der gesundheitlichen Belastungen und des Dieselurteils sind dringend weitere Maßnahmen zur Reduzierung von Fahrzeugabgasen zu ergreifen“, heißt es im SPD-Antrag. Daher müsse die Umweltzone für Frankfurt, die von der Stadtverordnetenversammlung im Januar 2017 beschlossen wurde, auch auf das Industriegebiet Am Martinszehnten erweitert werden.

Frischezentrum-Geschäftsführer Wolfgang Lindner bittet den Ortsbeirat, nicht überstürzt zu handeln. Der Gedanke an eine bessere Luftqualität sei gut und wichtig, „aber das lässt sich nicht in einer Hauruck-Aktion umsetzen“, erklärt er. Denn das würde etliche Arbeitsplätze im Gewerbegebiet gefährden. Im Frischezentrum sind 110 Großhändler auf mehr als 23 000 Quadratmetern ansässig. Etwa 70 bis 80 Prozent der Mitarbeiter hätten Fahrzeuge, die nicht in die Zone dürften. Und: Sie würden oft in der Nacht arbeiten, wenn das Gewerbegebiet nicht von öffentlichen Verkehrsmitteln angesteuert wird. „Eine Umrüstung oder gar ein neues Auto können sie sich nicht leisten“, sagt Lindner. Auch die Umrüstung der Kühltransporter brauche eine gewisse Vorlaufzeit. „In der Regel warten wir ein gutes Dreivierteljahr auf ein neues Fahrzeug“, erklärt er.

Kunden aus anderen Städten würden nicht umrüsten, eher andere Märkte suchen. „Das würde hohe finanzielle Verluste für uns bedeuten“, sagt der Geschäftsführer. Zurzeit deckt das Frischezentrum ein Einzugsgebiet von 200 Kilometern ab. „Das könnten wir dann nicht mehr bedienen.“

CDU-Fraktionsvorsitzender Sascha Vogel plädiert dafür, den Beschlüssen auf Bundesebene nicht vorzugreifen. Ortsvorsteherin Carolin Friedrich (CDU) verweist darauf, dass das Industriegebiet nicht ohne Grund bei der Einführung der Umweltzone in Frankfurt als eine Ausnahme ausgespart wurde. „Es wurde ja extra so konzipiert“, betont sie. Durch die Lage im Dreieck zwischen der A5 und der A661 könnten Lieferwagen es direkt von den Autobahnen aus anfahren. „Die paar Meter Einfuhr zu verbieten, würde die Luft dort oben auch nicht verbessern.“ Neben dem Frischezentrum wären zudem andere große Unternehmen von einem Einfuhrverbot betroffen, etwa das Gartencenter Sunflower oder Mercedes-Benz.

Letztlich stimmte nur die SPD-Fraktion für den Antrag, die Grünen enthielten sich, die übrigen Fraktionen lehnten ihn ab.

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