Römerbriefe

Die Akte Weyland

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    Georg Leppert
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Es steht gut um das Buch im Römer. Es wird nicht nur noch viel gelesen. Es gibt Politiker, die an eigenen Büchern arbeiten. Die FR-Kolumne.

Jetzt, wenige Tage vor der Frankfurter Buchmesse, ist es für uns an der Zeit, einmal im Römer den Spuren des geschriebenen Wortes nachzugehen. Und siehe da: Es steht besser um das Buch im Rathaus, als man denkt.

Nein, nicht nur, weil am Montag im Kaisersaal wieder der Deutsche Buchpreis verliehen wird. Überall im Römer finden sich noch Spuren des gedruckten Wortes. Gut, gerade in den Fraktionsbüros darf man nicht zu viel erwarten. Bei der SPD zum Beispiel war es so, dass der frühere langjährige Fraktionsvorsitzende Klaus Oesterling seine gesamte Bibliothek mitgenommen hat, als er zum Verkehrsdezernenten gewählt wurde. Da sind echt seltene Bücher dabei, legendär zum Beispiel ist seine Sammlung über historische Verkehrswege in Deutschland. Zum Beispiel hier: „Wandern entlang der Schmalspurbahnen“, mit der Sebnitztalbahn nach Amtshainersdorf und weiter …

Ach ja, wunderbar. Bei der CDU-Fraktion gibt es ja immerhin den Dr. Rotberg, der als Pressesprecher auch das Regal mit den Büchern betreuen darf. Hier: eine zerfledderte Ausgabe der Hessischen Gemeindeordnung von 1981, na ja. Aber dann doch zwei aktuelle Klassiker: „Anleitung zum Konservativsein“ von Alexander Gauland, die Erstausgabe von 2002, das war wohl ein Abschiedsgeschenk an den Ort seiner politischen Adoleszenz.

Und direkt daneben: „Im Licht der Paulskirche – Memoiren eines Politischen“ vom ehemaligen Oberbürgermeister Walter Wallmann, erschienen in Potsdam ebenfalls 2002, erstaunlich, dass die beiden Bücher es so ganz nah miteinander ausgehalten haben.

Bei den Grünen ist es die langjährige Fraktionsassistentin Ursula Dietz, die noch mit Büchern aufgewachsen ist. Und sie hütet ein paar Schätze wie ihren Augapfel. Hier, dieses verknickte Taschenbuch mit den vielen Lesezeichen: „Das waren die Grünen“ von Jutta Ditfurth, auch schon bald 20 Jahre alt.

Ach ja. Aber natürlich ist das nicht alles. Wir wären nicht die eiskalten Römer-Reporter, als die sie uns kennen, wenn wir nicht herausgefunden hätten: Es gibt Politiker im Rathaus, die gerade an eigenen Büchern arbeiten. Schon in der Nacht der OB-Wahl war Bürgermeister Uwe Becker anzusehen, dass er gerne einiges ausgesprochen hätte, es aber nicht konnte. Noch nicht. Wir wissen aber inzwischen, dass er an einer Doku-Fiction arbeitet, angelehnt an Frederick Forsyth: „Die Akte Weyland“. Soll zur Buchmesse 2019 erscheinen …

Länger wird vermutlich Kulturdezernentin Ina Hartwig brauchen, um ihr literarisches Tagebuch abzuschließen, das sie heimlich schon seit Amtsantritt führt. Einen Arbeitstitel hat die Sozialdemokratin und langjährige Literaturkritikerin bereits gefunden: „Die Frischvermählte – meine Jahre in der Politik“. Wir dürfen gespannt sein.

Claus-Jürgen Göpfert und Georg Leppert berichten für die Frankfurter Rundschau aus dem Römer.

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