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SPD-Kandidat zur OB-Wahl in Frankfurt: „Wohnen muss überall bezahlbar sein“

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Von: Christoph Manus, Georg Leppert

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Mike Josef will Frankfurter Oberbürgermeister werden. Der 39-Jährige versteht sich als Teamplayer und wirbt für eine Stadt für alle.
Mike Josef will Frankfurter Oberbürgermeister werden. Der 39-Jährige versteht sich als Teamplayer und wirbt für eine Stadt für alle. © Renate Hoyer

Der designierte OB-Kandidat der Frankfurter SPD, Mike Josef, spricht über die Koalition im OB-Wahlkampf, seine Ziele und den abgewählten Oberbürgermeister Peter Feldmann

Herr Josef, wie oft wird man Sie im Wahlkampf auf Peter Feldmann ansprechen?

Nicht allzu oft. Dafür ist die Lage zu ernst. Wir müssen Lösungen für die Probleme der Menschen in der Stadt finden. Die Entscheidung, Peter Feldmann abzuwählen, wurde sehr klar getroffen, jetzt schauen wir nach vorne.

Die Römer-Koalition verspricht schon lange, sich wieder voll auf Sachpolitik zu konzentrieren. Haben Sie dafür angesichts des beginnenden Wahlkampfs überhaupt Zeit?

Sie können sich darauf verlassen, dass meine Arbeit im Planungs- und Sportbereich für mich im Fokus steht. Denn die Herausforderungen, vor denen die Stadt steht, können nicht warten.

In OB-Wahlkampf werden sich auch die Kandidatinnen und Kandidaten des Bündnisses von Grünen, SPD, FDP, Volt voneinander abgrenzen müssen.

Alle können für ihre Positionen werben und trotzdem in der Koalition verlässlich zusammenarbeiten. Das widerspricht sich nicht. Der Magistrat hat gerade erst mit den Stimmen der Koalition eine wichtige Entscheidung für den neuen Stadtteil im Nordwesten gefällt. Und jetzt gilt es, das Neun-Euro-Ticket für Frankfurt-Pass-Empfänger einzuführen und die Abschaffung der Gebühren des letzten Krabbelstubenjahres bald zu beschließen.

Aber können Sie sich denn in der Koalition in den nächsten Monaten gegenseitig Erfolge gönnen?

Ja, denn wir haben in der Koalition eine gute Basis. Von Erfolgen profitiert immer die gesamte Stadt und damit jede Frankfurterin und jeder Frankfurter.

Sie haben angekündigt, als Oberbürgermeister etwas von dem Glück wiedergeben zu wollen, das Sie in Frankfurt gefunden haben. Was heißt das konkret für die Menschen in der Stadt?

Ich will dazu beitragen, dass die Lebensqualität in allen Stadtteilen gut ist und sich alle das Leben in jedem Stadtteil leisten können. Dazu gehören bezahlbare Wohnungen, der Schutz dieser Wohnungen und ein guter Arbeitsplatz mit einem Lohn, der das Leben in Frankfurt ermöglicht. Deshalb sind auch gute Rahmenbedingungen für die Wirtschaft nötig. Bisher ist die Infrastruktur in den Stadtteilen noch sehr unterschiedlich gut. Es muss aber überall in Frankfurt gute Schulen, bezahlbare Betreuungsmöglichkeiten und eine gute Anbindung an den ÖPNV in allen Stadtteilen geben.

Schon in den vergangenen Jahren sind viele Menschen regelrecht aus der Stadt gedrängt worden. In der Energiekrise haben immer mehr Familien Angst, sich das Leben in Frankfurt nicht mehr leisten zu können …

Zur Person

Mike Josef (SPD) will im März zum neuen Frankfurter Oberbürgermeister gewählt werden. Der Parteivorstand und der Parteibeirat haben den 39-Jährigen jeweils einstimmig vorgeschlagen. Offiziell nominiert wird er bei einem Parteitag am Samstag, 3. Dezember, im Zoogesellschaftshaus.

Der Diplom-Politologe , der als Kind mit seinen Eltern aus Syrien floh, arbeitet als Frankfurter Dezernent für Planen, Wohnen und Sport. Zuvor war er als Fraktionschef der SPD im Römer tätig gewesen.

Fast zehn Jahre stand Josef, der mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in Höchst lebt, der Frankfurter SPD vor. Den Parteivorsitz hat er nun niedergelegt. Die Partei führen jetzt Ina Hartwig und Kolja Müller kommissarisch. cm

Deshalb diskutieren wir etwa darüber, ob die Stadt Menschen, die nun echte Schwierigkeiten haben, die Nebenkosten für ihre Wohnung zu zahlen, zusätzlich zu den geplanten Maßnahmen des Bundes mit kommunalen Mitteln unterstützen könnte. Vor allem müssen wir erreichen, dass niemand Angst haben muss, wegen der gestiegenen Energiepreise die Wohnung zu verlieren.

Alle die Punkte, die Ihnen wichtig sind, hätte auch Peter Feldmann nennen können.

Die Person Peter Feldmann wurde abgewählt. Der Mietpreisstopp, der kostenlose Eintritt in Schwimmbäder und Museen, das sind Erfolge, die er mit der SPD zusammen erreicht hat. Und die wurden nicht abgewählt. Die bleiben. Mir geht es um konkrete Politik. Und ich habe bewiesen, dass ich Verbesserungen erreichen kann und will. Bei all den Themen, die ich angesprochen habe, ist es entscheidend, als Team zu arbeiten.

Also machen Sie weiter die Politik von Peter Feldmann – nur mit weniger Narzissmus?

Nein. Ich bin Mike Josef, und ich setze meine eigenen Schwerpunkte, das habe ich schon immer so gemacht: Wohnungspolitik, Wirtschaftspolitik, eine nachhaltige Energiepolitik und die energetische Sanierung unserer Gebäude. Dabei ist wichtig: Soziales und Ökologie nicht gegeneinander ausspielen! Aber auch Kulturpolitik und Sport werden bei mir im Vordergrund stehen. Kultur, Bewegung und die direkte Begegnung sind in einer Stadt mit Menschen aus 180 Nationen auch wichtig, um Vorurteile abzubauen und Brücken zu bauen.

Zu Ihrer Vorstellung als Kandidat hatten Sie einen Jugendfreund mitgebracht, der gesagt hat, Sie seien nicht abgehoben. War das nötig?

Es war für mich ein besonderer Moment, und es war mir einfach wichtig, dass ein sehr guter Freund von mir dabei ist, der mich seit fast 30 Jahren begleitet.

Wieso haben Sie jetzt schon Ihren Parteivorsitz abgegeben? Ist das nicht etwas übereilt?

Ich bin Sozialdemokrat. Vor allem will ich aber Oberbürgermeister aller Menschen in Frankfurt werden. Zudem wollte ich keinen Raum für Spekulation bieten. Ich will Klarheit.

Interview: Georg Leppert und Christoph Manus

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