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SPD ehrt Belegschaft von Binding

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Von: Sabine Schramek

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Susanne Gesser (links) vom Jungen Museum erhält einen der beiden Auszeichnungen der SPD von Stadträtin Ina Hartwig.
Susanne Gesser (links) vom Jungen Museum erhält einen der beiden Auszeichnungen der SPD von Stadträtin Ina Hartwig. © Rolf Oeser

Skyline Kulturpreise gehen an das Junge Museum Frankfurt und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Brauerei. SPD-Oberbürgermeisterkandidat Mike Josef will sich für den Erhalt des Traditionsunternehmens einsetzen.

Still sind die Männer und Frauen, die schwarze Hoodies mit weißem Adleraufdruck und Logo der Binding-Brauerei im Saal der Freimaurer-Loge Zur Einigkeit tragen. Um zu strahlen, sind sie zu bedrückt. Die Radebergruppe hat die Brauerei für unrentabel erklärt und will sie schließen. Die Angst vor dem Ende ist zu groß. Der Anlass am Sonntagabend ist dennoch ein Schöner.

Die Belegschaft wird von Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) mit einem von zwei Skyline Kulturpreisen der SPD geehrt. So wie 2018 Schauspieler Michael Quast und davor die Junge Deutsche Philharmonie, der Frankfurter Club Voltaire oder Eckhard Herrel und die Ernst-May-Gesellschaft. „Als die Unesco im Jahr 2020 Bier zum immateriellen Kulturerbe erklärt hat, war uns klar, dass Binding den Preis bekommen muss“, so der kommissarische SPD-Vorsitzende Kolja Müller.

Im Jahr 1870 hatte Conrad Binding in der Frankfurter Altstadt eine kleine Brauerei gekauft und die Marke ab 1881 auf dem Sachsenhäuser Berg groß gemacht. Jetzt soll die Brauerei geschlossen werden. Der Betriebsratsvorsitzende Christian Schipniewski nimmt die Auszeichnung stellvertretend für die Mitarbeiter:innen entgegen. Er blickt auf die 150 geladenen Gäste der Traditionsbrauerei. „Ich sehe hier 1200 Jahre Betriebszugehörigkeit. Als ich vor 35 Jahren bei Binding angefangen haben, waren viele von ihnen noch Kinder. Heute sind sie gestandene Männer und Frauen, die ebenfalls bei Binding arbeiten. Da bekommt man Schmerzen. Es muss eine andere Lösung als die Schließung geben“, sagt er.

Ein Podium wird ihm durch SPD-Oberbürgermeisterkandidat Mike Josef und dem Journalisten und ehemaligen FR-Redakteur Claus-Jürgen Göpfert gegeben. Josef habe von der Schließung von einem Journalisten erfahren. „Es gab keine Gespräche oder Hinweise im Vorfeld. Binding gehört zur Stadt Frankfurt und ist Wahrer eines Kulturguts.“ Er fordert auch das Land Hessen auf, mit Radeberger zu sprechen, um eine Lösung für den Erhalt zu finden.

Knapp 20 000 Unterschriften seien bereits gesammelt worden, erzählt Schipniewski. „Nächste Woche geht es in der Fankurve der Eintracht weiter. Dann werden es noch mehr.“ Tosender Applaus durchdringt den Saal. Stadtrat Josef, garantiert, dass auf dem „Industriegelände keine Wohnungen auf dem Rücken der Arbeitskräfte gebaut werden. Da ist sich der Magistrat einig.“ Grundstücksspekulation wie vorher bei Henninger wolle er nicht zulassen. Stolz trägt Schipniewski die durchsichtige Skyline-Statue.

Ebenso stolz ist Susanne Gessner, die Leiterin und Kuratorin vom Jungen Museum Frankfurt ist. „Das Museum ist für Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre. Das Bier von der Binding-Brauerei ist rein rechtlich ab 16 Jahren“, so Kolja Müller. „Die gesamte Bevölkerung ist mit dabei bei den Kulturpreisen.“ Vor 50 Jahren ist es als Europas erstes Kindermuseum ins Leben gerufen worden. Die Ausstellung „Nachgefragt: Frankfurt und der NS“ läuft seit Anfang Dezember 2021 und schafft es, Kindern die NS-Zeit zu erklären.

Gesser ist seit ihrer Studienzeit dabei. „Als Studentin habe ich 1989 ein Praktikum gemacht und bin hängen geblieben“, sagt sie und lacht. Als freie Mitarbeiterin hat sie Ferienfreizeiten „mit täglich etwa 80 Kindern den ganzen Tag“ begleitet und sich dann auf eine freie Stelle beworben. „Kinder haben sich seither verändert und nicht verändert“, weiß sie. „Sie sind immer noch neugierig, wissbegierig und lernen gerne. Heute ist der Termindruck für sie höher, die (un)sozialen Medien setzen unter hohe Verantwortung und das Tempo insgesamt ist viel schneller.“

Susanne Gesser und ihr Team lieben die Arbeit im Jungen Museum. „Wie haben eine so reiche Kinderkultur mit ganz vielen verschiedenen Herkünften. Es ist unglaublich spannend, sie miteinander und in Kontakt mit der Stadt zu bringen, damit sie sich mit ihr identifizieren können.“

Christian Schipniewski (Mitte) und Ilona Trabent von der Binding-Brauerei im Gespräch mit Journalist Claus-Jürgen Göpfert.
Christian Schipniewski (Mitte) und Ilona Trabent von der Binding-Brauerei im Gespräch mit Journalist Claus-Jürgen Göpfert. © Rolf Oeser

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