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Vor der Awo-Zentrale in Frankfurt. 

Awo-Affäre in Frankfurt

SPD-Chef will Rücktritte

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Mike Josef fordert den Awo-Vorstand auf, seine Ämter aufzugeben. Stadtverordnete richten einen zweiten Akteneinsichtsausschuss ein, der Verträge mit der Stadt prüft.

In scharfer Form hat der Frankfurter SPD-Chef Mike Josef Präsidium und Geschäftsführung der Frankfurter Arbeiterwohlfahrt zum Rücktritt aufgefordert. „Es gibt ein offensichtliches Fehlverhalten und das muss Konsequenzen haben“, sagte der Sozialdemokrat im Gespräch mit der FR. Einzelne dürften nicht das System Awo für ihre Zwecke missbrauchen, das sei aber offenbar geschehen.

Josef sprach von Unverständnis auch an der Basis der Frankfurter Awo. „Ich verstehe nicht, warum der Vorstand nicht zurücktritt“, sagte der Vorsitzende des mit 300 Mitgliedern größten Frankfurter Ortsvereines Nied, Klemens Mielke. Er berichtete, dass alleine in dieser Woche zehn Mitglieder den Ortsverein aus Protest verlassen hätten.

Awo-Affäre: Es kommt „viel Scheiße ans Tageslicht“

„Um uns habe ich Angst“, erklärte auch der Vorsitzende des Ortsvereines Gallus, Thomas Sock. Êr äußerte „großen Respekt“ vor dem Vorsitzenden der Wiesbadener Arbeiterwohlfahrt, den 78-jährigen Wolfgang Stasche, der am Wochenende seinen Rücktritt erklärt hatte. Es brauche auch in Frankfurt einen „personellen Neuanfang“. Es komme „so viel Scheiße ans Tageslicht.“

Die Wiesbadener Awo will am heutigen Mittwoch bei einer Pressekonferenz zu den Vorwürfen Stellung beziehen. In der zweiten Januarhälfte 2020 soll dort eine neue Awo-Führung gewählt werden.

In den Fokus der Aufmerksamkeit rückt jetzt die Consowell GmbH, in der führende Awo-Funktionäre der Kreisverbände Frankfurt und Wiesbaden Dienstleistungen als „Berater“ angeboten und abgerechnet haben sollen.

Awo-Affäre: Ausschuss soll Verträge prüfen

Johannes Frass, Sprecher der Awo Frankfurt, sagte auf Anfrage der FR lediglich, die Consowell GmbH sei eine „private Gesellschaft“, die mit der Arbeiterwohlfahrt nichts zu tun habe.

Am Abend richtete der Haupt- und Finanzausschuss des Frankfurter Stadtparlaments einen zweiten Akteneinsichtsausschuss zur Awo-Affäre ein. Er soll speziell die Verträge zwischen der Stadt Frankfurt und der Awo überprüfen, bei denen es um die Unterhaltung von Kitas geht. Der Antrag der AfD erhielt knapp die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit, um als dringlich eingestuft zu werden.

Dagegen versagten die Stadtverordneten knapp die Dringlichkeit für einen AfD-Antrag, der forderte, die Stadt möge ab sofort keine weiteren Verträge mehr mit der Awo abschließen.

Awo-Affäre: Feldmann soll Stellung beziehen

Es wurden weitere dringliche Anträge zur Awo-Affäre gestellt, über die der Ausschuss erst am morgigen Donnerstag entscheiden will. So beantragte die AfD, alle Verträge der Kommune mit der Awo durch das städtische Revisionsamt prüfen zu lassen.

Die FDP-Fraktion legte ihren insgesamt dreizehnten Antrag zum Thema vor. Er fordert Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) auf, sich „sofort und umfassend zu allen Vorwürfen bezüglich seiner Person“ zu äußern.

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