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Zubaka in der Ernst-Reuter-Schule: Ein Begriff soll pantomimisch dargestellt und erraten werden.

Integration

Sozialunternehmen Zubaka expandiert in Frankfurt

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Das Sozialunternehmen, das die Integration erleichtern will, bietet ab Sommer Projekte an mehr Schulen an.

Competición!“, ruft der elfjährige Marokkaner Amin Lamjahdi in die Runde. Es ist die Antwort auf die Umschreibung eines gesuchten Wortes. Sein Ausruf wird positiv aufgenommen. Dann feuert ihn Klassenlehrer Giuseppe Tartaro an: „Das deutsche Wort, Amin! Das spanische nützt uns nichts.“ Die anderen helfen, und schnell ist mit „Wettbewerb“ das richtige Wort gefunden.

Im Klassenraum sitzen zwölf elf bis 15-jährige Schüler der Intensivklasse der Ernst-Reuter-Schule im Kreis. Ein Jahr lang werden sie hier vorbereitet, um danach mit den anderen Schülern eine Klasse der Integrierten Gesamtschule zu besuchen. Gerade erst haben vier Schüler die Klasse verlassen und nehmen jetzt regulär am Unterricht teil.

Heute ist mit Eva Küssner ein Scout des Sozialunternehmens Zubaka vor Ort. Dessen Ziel ist es, Lehrer von Intensivklassen und Integrationsklassen dabei zu unterstützen, jungen Einwanderern den Einstieg in Deutschland zu erleichtern. Dafür hat Gründerin Anna Meister gemeinsam mit Schulleitungen, Lehrkräften und Schülern sogenannte Zukunftsbausteine entwickelt. Das Umschreiben von Worten oder deren pantomimisches Darstellen ist Teil des Zukunftsbausteins Ankommen, Orientieren, Engagieren. Auch Besuche bei Vereinen in der Umgebung der Schule, in einem Seniorenheim oder ein Fotoprojekt gehören dazu.

Vergangene Woche hat Zubaka sein zweijähriges Bestehen gefeiert. In der kurzen Zeit hat es bereits mehrere Preise gewonnen und durfte sein Projekt Bundeskanzlerin Angela Merkel vorstellen. Doch darauf ausruhen möchte sich Gründerin Meister keineswegs. Vielmehr setzt sie auf Expansion.

So sollen ihre Mitarbeiter vom kommenden Schuljahr an in zehn statt bisher sieben Frankfurter Schulen aktiv werden. Außerdem soll es ebenfalls vom Sommer an erstmals Zubaka-Unterstützung für Intensivklassen außerhalb Frankfurts geben.

Ziel ist es, das Angebot auch an drei Darmstädter Schulen zu etablieren. Momentan gebe es Gespräche, erläutert Meister. Bisher sei der Kontakt mit dem Darmstädter Schulamt positiv, und die Gespräche liefen kooperativ. Allein die Finanzierung steht noch nicht ganz.

Einsatz von Zubaka-Mitarbeitern an den Schulen

Der Einsatz von Zubaka-Mitarbeitern an den Schulen wird überwiegend über Zuwendungen von Stiftungen und Spenden von Privatleuten gestemmt. Die Schulen selbst tragen einen Anteil von acht Prozent an den Kosten.

Die Einheiten für den Baustein „Ankommen, Orientieren, Engagieren“ an der Ernst-Reuter-Schule beispielsweise finanziert die Polytechnische Gesellschaft. Andere Bausteine heißen „Vorbereitung auf Praktikum und Beruf“, „Kennenlernen und Vernetzen“ und „Übergang in die Regelklasse“.

Herausforderungen mit der Integration von Neuankömmlingen aus anderen Ländern sieht Meister an vielen Stellen. Und so will sie nun das Angebot auch für Migranten in einer beruflichen Ausbildung erweitern. In den Blick genommen hat sie dafür Pflegeberufe. Eine „umfassende Bedarfsanalyse“ hat sie bereits erstellt.

Ein Modellprojekt mit Auszubildenden in der Pflege soll nach den Sommerferien an der beruflichen Berta-Jourdan-Schule im Nordend starten, sagt Meister.

Die Zusammenarbeit mit dieser Schule ist für Meister nicht neu. Schon im vergangenen hat Zubaka hier eine Intea-Klasse (Integration durch Anschluss und Abschluss) begleitet, in der junge Leute auf eine Ausbildung vorbereitet werden sollen.

Ziel der zukünftigen Unterstützung der Azubis durch Zubaka dort sei es, die Qualität der Ausbildung zu erhöhen und die Abbrecherquote zu senken, sagt Meister. Dafür sollen die etablierten Module an die Bedürfnisse der Schüler angepasst werden.

Ziel von Zubaka sei es, die schulische Bildung um ein soziales Training und Sprachförderung zu ergänzen, erläutert Meister. Dabei stehen ihr zufolge die Themen Persönlichkeitsentwicklung, eigene Kompetenzen, Lernen lernen sowie interkulturelle Kompetenzen und Kommunikationstraining im Vordergrund.

„Es geht hier um den Bedarf der Schulen und Betriebe“, betont Meister. Um ihr Projekt an Berufsschulen und für die Pflege zu etablieren, hofft Meister auf Geld vom Staat. Erste Gespräche darüber laufen.

Bis zugewanderte Berufsschüler an der Berta-Jourdan-Schule sich gegenseitig Begriffe wie „Hochzeit“, „ins Theater gehen“, „Pilot“ oder „Streiten“ erklären, wird es noch ein paar Monate dauern.

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