FR-Altenhilfe

Soziale Kontakte über den Computer

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Franz W. lebt mit seiner Hündin in einer winzigen Wohnung. Nur mit Unterstützung unserer Leser hat er sein Leben finanzieren können.

Schon seit zehn Jahren wird Franz W. von der Altenhilfe der Frankfurter Rundschau unterstützt. Er lebt allein, in einer kleinen Einzimmerwohnung in Sindlingen.

Wer den 83-Jährigen besucht, wird von Nelly begrüßt. Es ist nicht leicht, an der deutschen Schäferhündin vorbeizukommen. Nicht, weil sie einen bedrohlich anknurren oder gar beißen würde – die vier Jahre alte Nelly ist wirklich sehr brav. Der Grund ist ein anderer: Es gibt kaum Platz, ihr auszuweichen.

Nur ein schmaler Gang führt durch die Wohnung des gebürtigen Frankfurters, vorbei an seinem Bett sowie meterhoch gestapelten Kartons, Büchern und Zeitschriften. Am Fenster steht ein Schreibtisch, auf dem ein Computer surrt – mit einem Betriebssystem der neuesten Generation. „Ich bin ein großer Computerfreak“, sagt der 83-Jährige. Schon 1995 habe er sich seinen ersten Rechner im Nordwestzentrum gekauft.

Bis heute verbringt W. viel Zeit vor dem Bildschirm. Er bearbeitet Fotos, informiert sich online und schreibt seinen Freunden. Kein Wunder, dass er froh ist, „im heutigen Jahrhundert“ leben zu können. Sämtliche Programme, die er braucht, lädt er sich kostenlos aus dem Internet herunter. Auch, weil seine reguläre Rente gering ist. Zusätzlich bekommt er deshalb die Grundsicherung im Alter. Wie es dazu kam? W. hat viel schwarzgearbeitet und war jahrelang im Ausland unterwegs – oder wie er es formuliert: „Ich hatte eine bewegte Zeit.“

Seinen Vater verlor W. noch im Kindesalter. Als Frankfurt im Zweiten Weltkrieg bombardiert wurde, starb seine einzige Schwester. Gemeinsam mit seiner Mutter wurde W. in die Wetterau evakuiert. Zurück in Frankfurt, absolvierte er eine Gärtnerlehre. Später arbeitete er unter anderem als Offsetdrucker sowie als Handelsvertreter für Staubsauger und Waschmaschinen.

Vom Fahrrad gestürzt

In den 1980er Jahren habe er mit dem Gedanken gespielt, nach Marokko auszuwandern. Nach einiger Zeit vor Ort entschied er sich aber dagegen, obwohl er eine Strandbar von zwei Amerikanern hätte übernehmen können. Vor dem Renteneintritt betreute er Siedlungen für die Nassauische Heimstätte.

Im Jahr 2000 brach sich W. bei einen schweren Fahrradsturz den Oberschenkelhals. „Wie ein Maikäfer“ sei er auf den Rücken gefallen. Nach einem zweiten Unfall vor einem Jahr habe ihm der Arzt zu einer neuen Hüfte geraten. Doch der 83-Jährige lehnte ab, „jetzt humple ich eben“. Immerhin helfen ihm Schmerztabletten und ein Rollator.

Wie hat ihm das Geld von der FR-Altenhilfe in den vergangenen zehn Jahren geholfen? „Ich habe einfach davon gelebt“, sagt W. Ein paar Zeitschriften, sein Handy, Ratenzahlungen: „Große Ersparnisse können Sie nicht machen.“ Vom diesjährigen Weihnachtsgeld will er sich einen besonders großen 1-Terabyte-USB-Stick oder „was zum Anziehen“ kaufen.

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