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Sozialberatung wird schwieriger

  • Hanning Voigts
    vonHanning Voigts
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Der Förderverein Roma beklagt, dass das Arbeitsamt und andere Stellen ihre Sprechstunden coronabedingt reduzieren. Die Behörden können das nur bedingt nachvollziehen.

Schlecht erreichbare Sachbearbeiter, langes Warten in Behörden-Hotlines, Mehraufwand: Die Sozialberatung beim Förderverein Roma weist darauf hin, dass ihre Arbeit durch die Corona-Pandemie nicht nur zugenommen hat, sondern auch komplizierter geworden ist.

Viele Behörden hätten ihre Sprechstunden wegen des Infektionsschutzes drastisch reduziert, berichtet Sozialarbeiterin Gabi Hanka, die mit ihren Kolleginnen und Kollegen täglich bis zu 30 Familien berät, die meisten von ihnen aus Rumänien. Viele Fragen zu Hartz-IV-Anträgen oder zur Unterbringung in Notunterkünften hätten sonst in persönlichen Vorsprachen beim Jobcenter oder im Sozialamt rasch geklärt werden können, so Hanka. Jetzt müsse man Hotlines anrufen, mühsam E-Mails schicken oder Termine mit langem Vorlauf abmachen. „Die Leute können nicht einfach schnell vorsprechen, wie es früher war“, klagt Hanka.

Der Beratungsbedarf nehme zudem durch Corona zu, weil viele der vom Förderverein betreuten Menschen ihre Jobs verloren hätten, sagt die Sozialarbeiterin. „Die Probleme sind expandiert, während die Arbeitsbedingungen sich auch wegen der Behörden stark verschlechtert haben.“ In der letzten Zeit hatten die Bahnhofsmission und das Diakoniezentrum „Weser 5“ der Frankfurter Rundschau bereits von ähnlichen Problemen berichtet.

Jobs gehen verloren

Die angesprochenen Behörden können die Klagen nur zum Teil nachvollziehen. Es sei richtig, dass es aufgrund der Infektionslage seit Ende März keine allgemeinen Sprechstunden mehr gebe und Absprachen telefonisch oder per Mail getroffen werden müssten, sagt etwa Sabine Stein, die Sprecherin des Frankfurter Jobcenters. „Es ist definitiv schwierig, einen persönlichen Termin zu bekommen.“ Man habe aber ein „ausgeklügeltes System“ aus Hotlines und Online-Angeboten geschaffen, das sehr gut funktioniere, so Stein. Seit Mitte Juli würden wieder mehr Gesprächstermine angeboten.

Ähnlich äußert sich Christina Funedda, die Sprecherin der Agentur für Arbeit in Frankfurt. „Wir mussten uns wie alle innerhalb kürzester Zeit umstellen, und ich denke, das ist uns auch ganz gut gelungen“, so Funedda. Die Behörde sei seit Ende März für den Publikumsverkehr geschlossen, dafür gebe es zusätzliche Online-Dienste und mehr telefonische Angebote. „Wir sind ja erreichbar“, so Funedda. „Bisher hat’s eigentlich gut funktioniert.“

Beim Besonderen Dienst des Sozialamts, der für Obdachlose und Drogenabhängige zuständig ist, heißt es ebenfalls, die Erreichbarkeit sei sichergestellt. Beratungstermine müssten zwar vorab vereinbart werden, sie fänden aber trotz des Infektionsschutzes weiter statt, „so dass eine sofortige Versorgung möglich ist“. Man habe zudem Notrufnummern eingerichtet, über die in Notfällen schnell Termine vereinbart werden könnten. Dies gelinge sogar oft noch am selben Tag.

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