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Sieghard Pawlik und Elke Tonhäuser (rechts) im Gespräch mit Mieterinnen.

Sossenheim

Wohnungsgesellschaft GWH soll einen sogenannten Mietenstopp vollziehen

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Wohnungsgesellschaft GWH soll Mieten nur noch moderat erhöhen.

Die Wohnungsgesellschaft GWH soll einen sogenannten Mietenstopp vollziehen – also die Mieten künftig nur noch moderat erhöhen. Das fordert der Mieterbund Hoechster Wohnen zusammen mit dem Mieterverein der Henri-Dunant-Siedlung. Am Donnerstag haben beide zur Pressekonferenz an den Dunantring geladen. Extra draußen. „Damit die Leute sehen, dass etwas los ist“, sagt Elke Tonhäuser vom Dunant-Mieterverein launig.

Entsprechend haben sich rund 40 Mieter eingefunden. Die Stimmung ist gut, auch Sieghard Pawliks Mundwinkel umspielt ein Lächeln. Soeben hat sein Mieterbund einen Erfolg errungen. Das Frankfurter Amtsgericht hat sich auf die Seite eines Mieters der Dunant-Siedlung gestellt und die Klage der Vermieterin, der GWH, abgewiesen. Es geht um eine Mieterhöhung für ein modernisiertes Bad. Das aber nicht modernisiert genug ist, finden die Mietervereine und das Gericht (die FR berichtete).

Mehr als 36 Haushalte in der Siedlung haben ähnliche Sorgen, sagt Pawlik. Stadtweit seien es bestimmt Tausende. „Die Leute sind zu gutgläubig.“ Viel öfter sollten sie Betriebskostenabrechnungen oder Mieterhöhungen fachkundig überprüfen lassen. Das jüngste Urteil bestätige ihn da. Schade sei allerdings, dass die GWH wenig Interesse im Vorfeld gezeigt habe, zu einer Einigung zu kommen. Mieter hätten sich unter Druck gesetzt gefühlt.

Aus Angst vor Prozesskosten hätten viele zähneknirschend der Mieterhöhung zugestimmt. Darum fordern die Mietervereine das Unternehmen nun auf, angesichts des frischen Urteils auf weitere Klagen zu verzichten. 

Mehr noch: Die GWH soll auch auf die bereits akzeptierten Mieterhöhungen freiwillig verzichten. Bei vielen Gesprächen habe Pawlik feststellen müssen, wie sehr die Leute in Sorge seien. „Ein Teil der Bevölkerung kann sich die steigenden Mieten im Ballungsraum schlicht nicht mehr leisten“, sagt Pawlik. Schon gar nicht Mieterhöhungen von zwölf bis 15 Prozent.

„Man arbeitet wie verrückt und dann kann man sich nicht mal mehr eine kleine Wohnung leisten“, sagt Elke Tonhäuser. Auch sie liegt im Clinch mit der GWH, ein Urteil ist im Juni zu erwarten.

Nun soll der Mietenstopp helfen. Die Frankfurter SPD unterstützt das Ansinnen, sagt Pawlik, der auch wohnungspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Römer ist. Die GWH und damit die Hessische Landesregierung sollen sich am Modell der ABG Frankfurt orientieren, sagt Pawlik. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft hat zugesagt, die Mieten in den kommenden fünf Jahren um nicht mehr als fünf Prozent zu erhöhen. Die Römerkoalition hat die Zeitspanne gar auf zehn Jahre ausgedehnt, sagt Pawlik.

Auch die Nassauischen Heimstätten haben eine ähnliche Regelung beschlossen, ebenfalls ein Unternehmen mit kommunalen Gesellschaftern. Nun soll die GWH nachziehen. Das Unternehmen gehört immerhin zur Hessischen Landesbank, die wiederum eine Anstalt des öffentlichen Rechts ist.

Pawlik kündigt an, Druck ausüben zu wollen. Nicht nur die Sossenheimer GWH-Mieter sollen sich rühren, auch die Zeilsheimer oder Niederurseler. „Die öffentliche Hand steht in der Verantwortung“, sagt Pawlik. Die GWH möchte die Forderung vorerst nicht kommentieren.

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