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Gemeinsames Ramadanfest.

Sossenheim

Zuckerfest im Altenpflegeheim

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Im Victor-Gollancz-Haus wird gemeinsam gefeiert, egal zu welcher Religion die Feste gehören.

Gefüllte Paprika und Weinblätter, Bulgursalat, Dönerfleisch und Hähnchenkeule. Und natürlich: Baklava zum Nachtisch. Vor allem die klebrige Blätterteig-Süßspeise darf beim Zuckerfest am Donnerstag im „Interkulturellen Altenpflegeheim Victor-Gollancz-Haus“ nicht fehlen.

Am letzten Tag des dreitägigen Festes feiern die Bewohner des Pflegeheims traditionell mit Angehörigen und Mitarbeitern das Ende des islamischen Fastenmonats Ramadan. Fast alle haben sich zu dem „Bayram“- Festtag rausgeputzt. Bei Kaffee und Çay, dem türkischen Schwarztee, sitzen sie in der Rotunde des Hauses zusammen, lauschen türkischem Gesang sowie Reden, etwa der des türkischen Generalkonsuls.

Martin Credé, der Leiter der stationären Altenpflegeeinrichtung, sagt: „Wir feiern alle Feste zusammen“. In der kommenden Woche sei mit Fronleichnam ein christliches Fest an der Reihe. Der 51-Jährige kann sich gar nicht mehr genau erinnern, wann sie das „Ramadanfest“ zum ersten Mal begangen haben. Vor 14 Jahren schätzt er.

Vor 17 Jahren sei am alten Standort in der Höchster Windhorststraße die erste „Wohngruppe für muslimische Bewohner“ gegründet worden. „Damals war es noch ein Projekt, heute ist es Alltagsnormalität“, sagt Credé. Unter den mehr als 100 Bewohnern seien schon Menschen mit afghanischen, marokkanischen und pakistanischen Wurzeln gewesen. Aktuell lebten 36 „türkischstämmige Bewohner“ in dem Haus, in der Kurmainzer Straße, einige aufgeteilt in einer der insgesamt zehn gemischten Wohngruppen, andere in der einzigen rein islamischen Wohngemeinschaft des Hauses. Credé vermutet, dass das interkulturelle Pflegeheim bundesweit noch immer das einzige sei. „Ich weiß nicht, ob das auf der Schwäbischen Alb funktionieren würde, aber hier ist es so nicht mehr wegzudenken“, sagt er. Auf jeden Fall seien sie einst das erste Haus dieser Art gewesen und würden heute Pflegeheimen in anderen Ländern Tipps für deren interkulturellen Konzepte geben. Ein Schlüssel zu dem erfolgreichen Konzept in Sossenheim sei die Mehrsprachigkeit der Mitarbeiter und deren Fürsorge für die Bewohner wie bei der eigenen Familie. Köchin Yildiz Karaca, die auf der wöchentlichen Speisekarte für die Helal-Speisen zuständig ist, bestätigt diese Aussage: „Ich arbeite seit 27 Jahren hier und es ist wie eine Familie für mich.“ und weiter: Mit mehreren Helfern portioniert sie eilig Essen auf Teller. „Heute ist es wie bei einem Tag der offenen Tür“. Jeder Gast sei willkommen. Zur Sicherheit hat sie deshalb statt rund 100 Portionen das Doppelte zubereitet.

Suzan Tosun und Marianne Schmidt haben sich beim Essen im Speisesaal des Hauses kennengelernt. Nachdem Schmidt vor zweieinhalb Jahren eingezogen war, sind die Frauen Tischnachbarinnen und schließlich Freundinnen geworden. Bei allen Mahlzeiten: Immer würden sie zusammen sitzen, berichten sie. „Beim Essen kommen sich viele Menschen näher, auch ohne große Worte“, sagt Schmidt. „Suzi kann sehr gut Deutsch“, ergänzt sie und Tosun sagt über Schmidt: „Eine sehr nette Dame“. Die Höchsterin fügt hinzu, sie sei froh in dem Pflegeheim zu leben. Die 76-Jährige finde das Zuckerfest im Pflegeheim ebenso schön, wie etwa das gemeinsam gefeierte Weihnachtsfest.

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