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Bernd Witter 2016.

Sossenheim

Sossenheim: Hainer Hof macht zu

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Wirt Bernhard Witter geht kommendes Jahr in den Ruhestand und schließt sein Lokal. Einen Nachfolger hat er nicht gefunden.

Eigentlich sind sie unverwüstlich, Bernhard Witter und seine Frau. Zumindest haben sie immer so gewirkt, wenn sie gut gelaunt die Gäste versorgten, Krüge, Gläser und Tabletts voll gutbürgerlichem Essen durch die Gegend trugen. Jetzt macht das Alter den Wirtsleuten des Hainer Hofs an der Schaumburger Straße aber doch zu schaffen. „Nächstes Jahr werde ich 69“, sagt Witter. Zeit, die Schürze an den Nagel zu hängen und aufzuhören. Die Tür des Hainer Hofs endgültig zuzusperren.

„Mein Arzt rät mir dringend, kürzer zu treten“, sagt Witter – obschon die Sprechstundenhilfe sich bereits bei ihm darüber beschwert hat. Seine Antwort: „Gut, dann mache ich weiter, wenn Ihr mir die Pille des ewigen Lebens verschreibt.“ Witter lacht. „Da gäbe es vermutlich andere, die sie nötiger hätten“, sagt er.

Einen Nachfolger hat der Wirt nicht gefunden. „Nicht einmal die Kinder wollen es machen“, sein Geschäft übernehmen. „Wenn die sehen, das ist 16 Stunden Arbeit am Tag, winken sie ab.“ Seit 2008 ist er der Eigentümer des urigen Lokals, das etwas versteckt mitten im Wohngebiet liegt. Zunächst hat er das Lokal in seiner Freizeit betrieben. Eigentlich arbeitete er da noch Vollzeit bei der Frankfurter Stadtentwässerung.

Er hat ein Faible fürs Wasser, ist auch leidenschaftlicher Angler, nach 50 Jahren Vereinszugehörigkeit hat ihn der Anglerclub Nied 2016 zum Ehrenmitglied ernannt. Kein Wunder also, dass er bis zum Ruhestand mit 65 bei der Stadtentwässerung geblieben ist. Aber Wirt zu sein, das war schon immer sein Traum. „Ich hab schon als Jugendlicher bedient“, sagt er. Also hat er nach Dienstschluss ausgeschenkt und mit den Gästen geschäkert.

„Mir tut’s auch weh“

All das endet im kommenden Jahr. Der Hainer Hof wird schließen. „Mir tut’s auch weh“, sagt Witter. Aber nicht nur ihm. Der Hof ist vielen Sossenheimern ein Stammlokal. Die Gruppe „Sossenheimer Freunde“ trifft sich regelmäßig dort. Die Kerbeburschen nutzen die Kneipe gar als eine Art Vereinsheim.

„Selbstverständlich laufen erste Gespräche mit unserem Bernhard, dass wir Kerbeburschen ein letztes tolles Abschiedsfest im Hofe unserer geliebten Stammkneipe veranstalten werden“, schreibt Michael Schneider im Internet, im sozialen Netzwerk Facebook. Als traditionsbewusster Sossenheimer, der gerne gesellige Abende in urigen Kneipen mit Bekannten verbringt, bleibe nur zu hoffen, dass er das auch künftig tun könne, fügt der Vorsitzende der Kerbeburschen traurig hinzu.

Ein genaues Datum für den Schlusstrunk, die allerletzte Runde, gibt es noch nicht. Irgendwann im Mai oder Juni wird es sein, sagt Bernhard Witter.

Gaststätte Hainer Hof , Schaumburger Straße 23-25. Geöffnet Wochentags von 16-24 Uhr. Samstag und Sonntag geschlossen. Telefon: 37 13 80.

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