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Der Kupferstich zeigt Sossenheim vor dem 30-jährigen Krieg.

Sossenheim

Der Pfad der Geschichte

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Der neue Heimatverein von Sossenheim nimmt die Arbeit mit einem Rundkurs auf. Mittelfristig ist ein eigenes Museum geplant.

Anni Hinkelmann ist alteingesessene Sossenheimerin. Zumindest bis zu den Urgroßeltern kann sie ihren Stammbaum zurückverfolgen. Sie hat sich schon immer für die Heimat interessiert, nicht nur für die Jahreszahlen, auch für die Anekdoten. Für ihre Schulkinder hat die frühere Lehrerin sogar einen Rundgang durchs Ort konzipiert. Der ist so gut angekommen, dass sie ihn für die 800-Jahr-Feier im vergangenen Jahr neu konzipieren musste. Als Exkursion für die Erwachsenen.

Den Rundgang will der neue Heimat- und Geschichtsverein nun als offiziellen Pfad ausweisen. Die Stationen sollen Schautafeln bekommen, ein paar Stationen zusätzlich sollen es auch werden. „Das wird unsere erste sichtbare Handlung als Verein sein“, sagt Andreas Will, der Vorsitzende. Besagter Club ist nämlich ebenfalls aus der 800-Jahr-Feier hervorgegangen. Deren Förderverein hat sich aufgelöst. Nach zwei Jahren der Vorbereitung und der Feiern ist aber etwas übrig geblieben: die Begeisterung. Für Sossenheim, seine Geschichte und Geschichten.

Anläufe hat es früher bereits gegeben, einen Geschichtsverein zu gründen. „Es hat aber nie geklappt“, sagt Will. Dieses Mal hat das Momentum gestimmt. So ist die historische Ausstellung der 800-Jahr-Feier ein durchschlagender Erfolg gewesen. Auf acht Besucher am Tag haben die Organisatoren gehofft. Doch: Insgesamt haben sich in den zwei Wochen überwältigende 1200 Leute die Exponate angeschaut.

Kein Wunder also, dass zur Gründung des neuen Geschichtsvereins immerhin 46 Leute gekommen sind. Inzwischen sind es gar 50 Mitglieder. Der Verein brummt, „auch weil wir es gut aufgeteilt haben“, sagt der Vorsitzende und grinst. So gibt es Leute wie Will, die sich eher um das Organisatorische kümmern, den Verein administrieren. Und andere im Vorstand, die sich um die Inhalte kümmern, um die Geschichte. So wie Beisitzer Heinz Hupfer.

Der Stadtteilhistoriker ist schon als Kind geschichtsbegeistert. Die Familie sammelt Merian-Stiche, Hupfer schaut sehr lange und versonnen darauf und nimmt sich fest vor: „Irgendwann beschäftigst Du Dich mehr damit.“ Jetzt, im Ruhestand, hat er Zeit dafür und den passenden Rahmen, den Geschichtsverein. Einer der Stiche zeigt etwa Sossenheim 1622 als Schlachtfeld im 30-jährigen Krieg. Ein Einschnitt in der Dorfchronik: Der Krieg eliminiert Sossenheim.

Da ist der Rundgang von Anni Hinkelmann friedlicher. Im Herbst sollen die ersten Touren laufen. Sie möchte Dinge weitergeben, die nur Insider wissen können. Etwa, dass die Gaststätte „Riwweler“ früher „Ribbeler“ hieß, der Name rührt daher, dass der Wirt sich immer die Hände gerieben hat. Der Faulbrunnen ist ebenfalls Thema. Der heißt so, weil er „nach faulen Eiern riecht“, sagt Andreas Will. Das scheint logisch, was aber nicht alle wissen: Als es noch keine Wasserleitungen gab, haben die Sossenheimer ihren Kaffee mit dem Faulwasser gekocht.

Um mehr Anekdoten, Erinnerungen und Exponate sammeln zu können, möchte der Verein ein Netzwerk aufbauen. „Wir sind darauf angewiesen, dass die älteren Leute uns versorgen“, sagt Will. Mittelfristiges Ziel ist es, ein eigenes Museum zu gründen. „Wir suchen Räume.“

Kontakt:Andreas Will, Tel.: 20 01 36 95; andreas.will@atos.net

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