Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Peter Kitzel und seine Frau suchen Nachfolger für ihr Café. Enkelin Pia ist zwar mit Freude dabei, kommt aber noch nicht infrage. Rolf Oeser
+
Peter Kitzel und seine Frau suchen Nachfolger für ihr Café. Enkelin Pia ist zwar mit Freude dabei, kommt aber noch nicht infrage. Rolf Oeser

Sossenheim

Nachfolge für Café Kitzel in Sossenheim gesucht

  • Clemens Dörrenberg
    VonClemens Dörrenberg
    schließen

Überlegungen, wie es weitergeht, gibt es viele – bis hin zu einer Weinstube, die im urigen Ambiente Stammgäste hält.

Im Dezember wird er 75 Jahre alt. Peter Kitzel, Konditormeister und Inhaber des gleichnamigen Cafés an der Kurmainzer Straße will dann nach mehr als 50 Jahren als Herr seiner Backstube die Schürze endgültig an den Nagel hängen. Eigentlich, denn mit einem schelmischen Grinsen, das auch auf Distanz unter seiner FFP-2-Maske zu erahnen ist, sagt er: „Wahrscheinlich, mal gucken, wie wir uns fühlen“. Seine Lebensgefährtin, Gitti Högermeyer, die am Nebentisch im sonst leeren, kleinen und dunklen Gastraum gegenüber der Standuhr sitzt, protestiert sofort. „Ende des Jahres soll Schluss sein“, bekräftigt die 67-Jährige.

Ein Arbeitstag in der Backstube beginne nachts um eins, spätestens zwei Uhr. „Das ist hart und geht auf die Knochen“, sagt Högermeyer. Ihr Partner hält dagegen: „Leute, die länger arbeiten, leben länger“, das sei in einer Studie nachgewiesen worden. „Wenn der richtige Bäcker oder Konditor reinkommt, könnte ich noch mitmachen, wenn ich auf Entzug bin“, sagt der Mann mit dem Käppi auf dem Kopf. Lange Zeit, fast 15 Jahre, hätten sie nach einer Nachfolge Ausschau gehalten. „Es waren Interessenten da“, sagt Kitzel, „aber die sind dann doch bei ihrer alten Firma geblieben“, fügt der Feinbäcker hinzu.

Über die Stadtteilgrenzen hinaus ist das, zurzeit wegen Covid-19 geschlossene, Café für seine Backwaren bekannt. Diese werden aber auch in Coronazeiten über die Theke verkauft. „Rund ein Viertel weniger“ Umsatz machten sie momentan, so Kitzel. Statt zwei oder drei Torten für Hochzeiten oder größere Geburtstage werde aktuell häufig nur noch eine bestellt. Das Ambiente des Kaffeehauses ist dabei fast schon Kult: Von außen betrachtet könnte sich hinter der gelbgefliesten Fassade und den hölzern gerahmten Schwingtüren auch eine Eckkneipe befinden. Innen nimmt den Gastraum noch immer die urige Einrichtung aus dunklem Holz wie vor fünf Jahrzehnten ein, als Kitzel das Café von seinen Eltern übernommen hat. Daneben fällt die Sammlung Dutzender Kaffeekannen ins Auge die hinter der Theke und im Gastraum verteilt auf jedem freien Plätzchen in Regalen stehen und größtenteils von Gästen hinterlassen wurden. „Ich sage immer, es sind 300“, sagt Högermeyer.

Früher habe es fünf inhabergeführte Bäckereien in Sossenheim gegeben, berichtet Kitzel. „Heute sind wir die letzten Mohikaner“. Mit der Bäckerei Noß, nur einige Häuser entfernt, sei schon vor 30 Jahren oder länger die vorletzte geschlossen worden. Seitdem backt der Konditor, der seinen Beruf im Café Schneider in der Kaiserstraße gelernt hat, neben Bienenstich und Käsesahne-, Schwarzwälder Kirschtorte, Frankfurter Kranz und Kreppel auch Brötchen sowie Laugengebäck. Enkelin Pia Kitzel backt seit drei, vier Jahren fröhlich mit. Als sie den Kopf in den Gastraum steckt, eine weiße Schürze umgebunden und eine als Tuch um den Kopf gewickelt, und vom Großvater wissen will, ob noch Kreppel gebacken werden sollen, erzählt sie, dass sie mal ab 5, mal ab 3 Uhr nachts in der Backstube mithelfe. „Daran muss man sich gewöhnen, aber es macht Spaß“, sagt die 19-Jährige, die seit kurzem auch an der Theke steht und verkauft. „Das Backen und eigene Erfahrungen einbringen“, gefielen der Fachabiturientin am besten. Muffins mit Beeren und zu Weihnachten Kuchen am Stiel in Rentier-Optik mit „Brezeln als Geweihen“, seien ihre Kreationen gewesen.

Aber bis sie eine Lehre zur Konditorin abgeschlossen hätte, würden noch mehrere Jahre ins Land ziehen. Daher wird das mit der Nachfolge innerhalb der eigenen Familie schwierig. Außerdem müsse etwa bei der Inneneinrichtung investiert werden, gibt der Opa zu bedenken. Dafür schlägt die Enkelin einen „Spendenaufruf im Internet“ vor, was die Anregung eines Kunden gewesen sei. „Das könnte klappen, so viel Stammpublikum wie ihr habt“, sagt Pia Kitzel an ihren Opa gerichtet. Ein weiterer Vorschlag sei vom „Stammtisch“ des Cafés gekommen, berichtet Högermeyer. Eine „Weinstube“ stellten sich die Stammgäste vor, die in dem „schnuckeligen, kleinen aber gemütlichen“ Café, mit seinen 32 Sitzplätzen Platz finden könnte.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare