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Die Paten Marion Weber und Peter Donath machen klar Schiff.

Sossenheim

Jetzt fehlt nur noch eine Bank

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Paten feiern ein Lesefest am Bücherschrank. 1000 Bücher haben in den vergangenen Jahren die Besitzer gewechselt.

Ein Putzlappen reicht, um den Bücherschrank auf Hochglanz zu bringen. Zum dritten Geburtstag des Möbels an der Ecke von Sossenheimer Riedstraße und Alt-Sossenheim haben sich am Donnerstag zwei Dutzend Gäste versammelt, um anzustoßen: auf die unkomplizierte öffentlichen Bücherausleihe, die der Ortsbeirat für knapp 7000 Euro finanziert hat.

Zur Putzaktion hatten die drei Paten des Bücherschrankes, der zentral in der Ortsmitte vor einem Schuhgeschäft und gegenüber des Kinderhauses steht, eingeladen. „Einen Hochdruckreiniger brauchen wir heute nicht“, sagt Peter Donath, einer der Paten. Hauptsächlich seien Staub in den Regalen und die Scheiben zu wischen gewesen. „Dass er ordentlich behandelt wird, hängt damit zusammen, dass er gut aussieht“, sagt der 65-Jährige. Gemeinsam mit Brigitte Stark-Matthäi und Marion Weber teilt er sich die Pflege.

Die Freude an Büchern hat das Trio dazu bewegt, das Amt zu übernehmen. Ein weiterer Grund: Vor drei Jahren habe es keinen Buchladen im Stadtteil gegeben. Das sei bis heute so. Zweimal pro Woche würden sie im Wechsel nach ihrem „Bücherschätzchen“ schauen, berichtet Stark Matthäi. „Manchmal steht eine volle Tüte Bücher vor dem Schrank“, sagt Marion Weber. Die nehme sie dann mit nach Hause und sortiere sie nach und nach in die Regale ein.

Fälle von Vandalismus oder Müllablagerungen habe es bislang nicht gegeben. Und zur Stadtteilbücherei bilde der Schrank keine Konkurrenz, sondern ergänze das Angebot, sei Tag und Nacht nutzbar.

Donath schätzt, dass deutlich mehr als 1000 Bücher in drei Jahren über den Schrank die Besitzer gewechselt hätten. „Romane und Krimis gehen immer, gerne auch Kochbücher“, sagt Weber.

Regionalrat denkt nach

Esra Kahraman hat sich einen Roman von Dostojewski ausgeguckt. Die 24-jährige Politikwissenschaftler lese sonst gern Liebesromane. In den Schrank gestellt habe sie politische Sachbücher.

Bei „Modetorten“ und „Backen leicht gemacht“, hat Elke Tonhäuser zugeschlagen. Die 55-Jährige hat einen Putzlappen in der einen Hand und eine Weinschorle in der anderen und wischt symbolisch über die Scheiben des Schrankes. Sie stöbere öfter nach Büchern für ihre Enkel. Für sich habe sie Werke wie „Die Dornenvögel“ sowie „Reich und schön“ besorgt. Wiederum habe sie rund zehn Kisten aus ihrer Garage an Jugendbüchern, Krimis, Sachbüchern und „leichter Kost“ im Laufe der Jahre in den Schrank gestellt. Für Tonhäuser ist der Schrank vor allem Ort der Begegnung. „Wenn du Bücher reintust, triffst du immer jemanden.“

Damit das noch bequemer geht und die Besucher sich auch mal setzen können, wünschen sich die Bücherpaten eine Bank. Am Donnerstag haben sie Biergarnituren aufgestellt, die rege genutzt werden. „Ich stehe der Idee offen gegenüber“, sagt Klaus Moos. Der SPD-Mann hat einst den Bücherschrank im Ortsbeirat auf den weg gebracht.

Er gibt aber zu bedenken, dass es an öffentlichen Bänken im Quartier immer mal zu nächtlichen Ruhestörungen gekommen sei. Deshalb müsse das Thema zunächst im Präventionsrat besprochen werden. Bücherpatin Weber, selbst Mitglied des Rates, sieht das ähnlich. Probeweise mal eine Bank aufzustellen, hält sie aber auch für eine gute Idee.

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