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Ein Team: Zlatica Niznanska (l.) und Anna Pohling kümmern sich um Sossenheim.

Sossenheim

Frankfurt-Sossenheim: Radverkehr stärken, Spielplätze sanieren

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Beim Infomarkt geben die Bewohner ihren neuen Quartiersmanagerinnen Wünsche mit.

Kommentare zum Stadtteil fallen den Sossenheimern viele ein. „Es fehlt die schöne Ortsmitte als Treffpunkt“, „Rückstau des Verkehrs zur Wilhelm-Fay-Straße“ und „Verkehrssituation Westerbachstraße wird immer kritischer“. Bei einem „Infomarkt“ zum Auftakt des Programms „Soziale Stadt“ hat das neue Quartiersmanagement eine große Luftaufnahme Sossenheims auf Platten gedruckt und am Montag auf Böcken am Kirchberg ausgestellt.

Dort haben Stadtteilbewohner auf Klebezetteln viele Anregungen und Bemerkungen notiert, die im Rahmen des Bund-Länder-Programms „Soziale Stadt“ umgesetzt werden sollen. Ein roter Zettel, der auf Höhe der Kurmainzer Straße klebt, fordert: „Fahrradweg durch Sossenheim“. Auf Höhe des Unterfeldes klebt ein Zettel mit der Aufschrift: „Tolle Möglichkeiten zum Rad fahren, Spazieren gehen und Erholen“ sowie „Wunderbares Naherholungsgebiet“.

Rund um die Karte haben sich Menschen versammelt. Auch Egon Rehrmann steht dort. Der 75-Jährige sei sehr gerne am Sulzbach mit seiner Kamera unterwegs, die er umhängen hat. Für das Ufer des Baches wünsche er sich einen durchgehend gepflasterten Weg. Außerdem denkt er an die Kinder: Der Sulzbachpark könnte schöner gemacht werden. „Das würde mich freuen.“

Verantwortliche haben Spielplatz in der Siedlung im Blick

Eine Holz-Lok, die dort als Spielgerät gestanden habe, sei vor einigen Jahren „von ein paar Rowdys abgefackelt worden“. Ersatz sei jedoch keiner geschaffen worden.

Bessere Spielmöglichkeiten fordert auch Veronica Naziri, vor allem auf dem Spielplatz an der Carl-Sonnenschein-Siedlung. Um eine Erneuerung der Spielgeräte, die alt und kaputt seien, habe man sich jahrelang nicht gekümmert, so Naziri. „Der Platz ist zugemüllt bis zum geht nicht mehr“, sagt die zweifache Mutter, die deshalb mit ihren Kindern häufig auf Spielplätze nach Eschborn ausweicht.

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Den Spielplatz in der Siedlung haben die Verantwortlichen schon im Blick. „Es ist eine städtische Fläche, deshalb können wir dort zeitnah etwas machen“, sagt Bettina Boknecht vom Stadtplanungsamt. Im Juli soll es eine Begehung mit den Anwohnern geben, die vorher durch Postwurfsendungen über den Termin informiert würden, so Boknecht.

Neues Konzept für Sossenheim soll in den kommenden Jahren erarbeitet werden

Quartiersmanagerin Anna Pohling sagt: „Wir wollen Kümmerer für die Anliegen der Leute sein, aber auch ein städtebauliches Konzept erarbeiten.“ Dazu sei es wichtig im Laufe des Jahres erst ein mal das „Wissen der Bevölkerung abzufragen und zu hören, wo der Schuh drückt“.

Maike und Jens Riehl wollen von der Quartiersmanagerin wissen, ob sie etwas zu der geplanten Regionaltangente West sagen könne. „Fakt ist, dass die Verkehrsanbindung mäßig ist“, sagt Jens Riehl. Über das Projekt werde an anderer Stelle entschieden und es sei „regional und politisch hoch wichtig“, antwortet Pohling. Das örtliche Quartiersmanagement werde sich jedoch bemühen, die Belange der Sossenheimer bei den Entscheidungen zu vertreten, wenn es etwa um neue Buslinien für den Stadtteil ginge.

Für Maike Riehl ist auch das Radfahren wichtig. „Es gibt keine gescheiten Radwege“, sagt sie. Mit ihren beiden Töchtern versuche sie Seitenstraßen zu befahren, die jedoch von Autos ebenfalls „querbeet“ genutzt würden.

Das neue, städtebauliche Konzept für Sossenheim soll in den kommenden zehn Jahren gemeinsam mit den Bürgern erarbeitet werden.

Daten und Fakten

Sossenheim ist seit Ende 2017 Teil des Förderprogramms „Soziale Stadt“. Stadt, Bund und Land geben Geld, um einerseits über ein Quartiersmanagement sogenannte weiche Faktoren zur Verbesserung der Lebensqualität zu fördern, also die Nachbarschaft zusammen zu bringen. Andererseits aber auch das Wohnumfeld baulich zu verbessern, Infrastruktur zu schaffen.

Zunächst erarbeitet die Stadt ein Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept (ISEK). Das ist Behördendeutsch für: Was tun, um den Stadtteil aufzuwerten?

Es fehlt zum Beispiel ein Ortskern mit Geschäften. Für die rund 16 000 Bewohner ist das Angebot zur täglichen Versorgung mau. Problematisch ist auch der Verkehr, der sich regelmäßig auf den zentralen Straßen staut. Auch die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum bleibt hinter dem Potenzial zurück, finden die Planer.

Im Beirat Soziale Stadt können sich Bürger am Planungsprozess beteiligen. Ein Quartiersmanagement kümmert sich in den kommenden zehn Jahren um den Prozess. Info erteilt Bettina Boknecht unter Telefon 21 23 78 64. sky

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