_201014artinabox07_161020
+
Jürgen Heinz mit seinen „Moving sculptures“ in der ihm zugewiesenen Box im Sossenheimer Mietlager.

Kultur

Kunst auf 4,5 Quadratmetern

  • Fabian Böker
    vonFabian Böker
    schließen

Bei einem Projekt in der Westerbachstraße Frankfurt haben Künstler eine Self-Storage-Anlage in kleine Kunsthallen verwandelt. Eine seltene Gelegenheit, um ihre Werke zu zeigen.

Normalerweise werden in den Boxen im „Blu Sky Lager“, einer Self-Storage-Anlage in der Westerbachstraße, Gegenstände eingelagert: Koffer, Möbel, Aktenordner und andere Dinge, die Privatleute oder Firmen außerhalb ihrer eigenen Räumlichkeiten unterbringen müssen. An den kommenden beiden Sonntagen aber kann in den Lagerboxen Kunst betrachtet werden.

Für Künstler bedeutet die Corona-Pandemie mit all ihren Folgen oft einen herben Einschnitt. Ausstellungen wurden und werden abgesagt, Galerien haben geschlossen. Künstler wie der Fotograf Olaf Jahnke aus Kelkheim sind daher froh, nun diese ungewöhnliche Möglichkeit zu bekommen, ihre Kunst zu präsentieren. Er tut das in einer 4,5 Quadratmeter großen Box, sieben Fotografien hat er an die Wände gehängt. Sie zeigen sowohl Landschaften als auch Porträts, sein Lieblingsfoto ist das vom Frankfurter Hauptbahnhof, „Gleis 23, der Zug nach Königstein, Abfahrt um 17.47 Uhr“.

Sigi Schauer in ihrer zweiten Box, in der sie mit Öl bemalte Leinwände ausstellt.

Ein paar Meter weiter, in gleich zwei Boxen, stellt Sigi Schauer aus. In einer der Boxen drapiert die Malerin einen leuchtenden LED-Rahmen aus Glas, in das die Farben eingebrannt sind. Ihre Bilder aus diesem Jahr beschäftigen „sich einerseits mit Corona, andererseits mit inneren Prozessen, für die ich Metaphern aus der Natur suche“, erklärt sie.

Zwei Sonntage

Das Kunstevent „Art in a box“ findet an den beiden Sonntagen 18. und 25. Oktober statt, jeweils von 11 bis 18 Uhr im „Blu Sky Lager“, Westerbachstraße 162a. Der Eintritt ist frei. Weitere Infos gibt es unter www.blu-sky-lager.de.

So soll der gemalte Schmetterlingseffekt dafür stehen, „im Chaos auch immer die Chance zu sehen, neue Strukturen zu schaffen“. Das gelte für Schauer natürlich im alltäglichen Leben, aber auch konkret in der Kunst. Eine Ausstellung wie diese sei daher „eine coole Idee“, die man nutzen sollte.

Achim Taubmann hat seine keramischen Plastiken vor der Betonwand platziert.

Wie Jahnke stammt auch Schauer aus Kelkheim. Man kennt sich in der Szene. Diese Kontakte hat Sandra Diepenbrock vom „Blu Sky Lager“ auch genutzt bei der Akquise der Künstler. 25 nehmen teil, darunter Guido Zimmermann mit seinen Kuckucksuhren, Case Maclaim, ein international gebuchter Sprayer, oder Jürgen Heinz, der bewegliche und teilweise klingende Skulpturen aus Stahl ausstellt.

Die Idee kam Diepenbrock allerdings schon vor Corona. „Eigentlich wollte ich mit diesem Angebot junge Studierende fördern.“ Nun schlage die Ausstellung – die Boxen werden umsonst zur Verfügung gestellt, ein möglicher Verkauf der Werke erfolgt provisionsfrei – zwei Fliegen mit einer Klappe. Etablierte Künstler können mal wieder ausstellen, und Studierende werden trotzdem gefördert.

Die Rauminstallation „Solum“ gibt es von Katja Theinkom zu sehen.

Eine von ihnen ist die 20-jährige Mariefee Dohmen. Wenige Tage vor der Eröffnung steht sie noch etwas sprachlos in den Lagerräumen. Sie studiert seit einer Woche – und hat schon ihre erste Ausstellung. Sie wird Bilder in Acryl präsentieren. Der dafür gebotene Rahmen in einer Lagerbox macht für sie den Reiz aus. „Drei Bilder an eine weiße Wand hängen, das kann ja jeder“, sagt sie ganz selbstbewusst.

Auch Achim Taubmann sieht das Setting als „spannende neue Form“. Der Keramikkünstler hat seine Werke vor einer Betonwand platziert, „das Einrichten ist eine zusätzliche Herausforderung“.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare