Römerbriefe

Sorry, Peter Beuth

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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  • Georg Leppert
    Georg Leppert
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Kämmerer Uwe Becker (CDU) ist in der Bredouille. Aber wir helfen ihm. Die FR-Glosse aus dem Frankfurter Rathaus.

Göpfert: Der Artikel, den du zuletzt geschrieben hast, war sehr gut.

Leppert: Lass es.

Göpfert: Und du siehst heute auch so frisch und gesund aus.

Leppert: Pass auf, Claus-Jürgen, ich bin echt beleidigt, weil du mir keine Nussecke mitgebracht hast. Und das wird auch nicht besser, wenn du dich jetzt einschleimst.

Sie kennen das aus dem Privatleben, liebe Freundinnen und Freunde der Kommunalpolitik: Da ist ein Mensch, den Sie sehr mögen oder auch brauchen. Aber jetzt müssen Sie diesen Menschen ärgern oder kritisieren. Geht nicht anders. Sie haben dafür auch gute Gründe, aber eigentlich wollen Sie diesem speziellen Menschen nicht dumm kommen. Weil Sie es aber müssen, tun Sie es. Blöde Situation. Deshalb unternehmen Sie danach alles, damit Ihnen dieser Mensch nicht lange böse ist.

In so einer Lage befindet sich Kämmerer Uwe Becker (CDU). Weil das Land Hessen mal wieder an unser gutes Frankfurter Geld will, muss er Klage gegen Wiesbaden einreichen. Konkret geht er dabei gegen das Innenministerium und seinen Parteifreund Peter Beuth vor. Der findet das erwartungsgemäß blöd.

Nun muss man aber sagen: Respekt, Uwe Becker. Der Kämmerer nimmt bei der Klage keine Rücksicht auf Beuth und zeigt vollen Einsatz für Frankfurt. Aber natürlich will er auch ein Angebot zur Versöhnung machen. Deshalb spottet er auf Facebook über Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), weil der sich – in der Tat etwas ungewöhnlich – mit einem offenen Brief an Beuth gewandt und mehr Polizei für Frankfurt gefordert hatte. Becker nennt auf Facebook die Postadresse des Ministeriums, an die sich der OB direkt wenden könne. Und er schlägt vor, Feldmann könne auf einer seiner vielen Reisen mit den Leserinnen und Lesern der Frankfurter Zeitungen ja mal im Ministerium vorbeifahren.

In normalen Zeiten wäre das ganz lustig. Aber die FR kommentierte ja bereits: Das Thema Corona-Kontrollen ist zu ernst für parteipolitischen Klamauk. Aber wir bieten auch Lösungen an. Deshalb kommen hier drei Vorschläge, wie Uwe Becker seinen Parteifreund Beuth besänftigen kann.

1. Becker kauft sich eine Fahne der Offenbacher Kickers und stellt sich damit nach Ende der Pandemie in den Block der Eintracht-Ultras. Damit sich diese bösen Hooligans, die die Frechheit hatten, einen Prügeleinsatz von Beuths Polizei gerichtlich überprüfen zu lassen, mal so richtig ärgern.

2. Becker schreibt für Beuth eine Büttenrede, die nicht rassistisch ist: „Beim Flüchtlingsverwalter / Verschleiert kaum jemand sein Alter / Say it loud und say it clear / Geflüchtete sind willkommen hier.“

3. Becker bittet IT-Dezernent Jan Schneider (CDU) um Hilfe. Der stellt die Facebook-Accounts sämtlicher Frankfurter CDU-Politiker so ein, dass sie auf Beuth-kritische Posts des SPD-Wahlkämpfers Bernd Reisig automatisch reagieren und aus folgenden Begriffen Sätze bilden: „Populismus, Aktionismus, Maulkorb, AWO, Ehefrau, Dienstwagen, Fremdschämen, Marietta Slomka, OB-Wahl 2024.“

Claus-Jürgen Göpfert und Georg Leppert berichten für die Frankfurter Rundschau aus dem Römer.

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