Sozialbezirke

Frankfurt: Sorge vor zusätzlicher Arbeitsbelastung

Die geplante Satzungsänderung der Sozialbezirke stößt auf Kritik. Sozialbezirksvorsteher befürchten, in ein Raster gepresst zu werden.

Zur Kommunalwahl 2021 wird die Satzung zu den Sozialbezirken geändert. Diese betreffen in einigen Stadtteilen etwa die Zuständigkeitsbereiche der Sozialbezirksvorsteher. Ein neuer Berechnungsschlüssel soll die Auslastung der heute 67 Ehrenbeamten ausgewogener verteilen. So kann in bevölkerungsstarken Bezirken wie Bergen-Enkheim aufgestockt werden, in anderen – wie in Bockenheim – reduziert.

In Bockenheim wird in Zukunft einer der vier Sozialbezirksvorsteher wegfallen, sagt Brigitte Henzel, die Leiterin des Jugend- und Sozialamts. „Da der Stadtteil 38 000 Einwohner hat, aber ein Sozialbezirksvorsteher für 15 000 Einwohner eingeplant ist, wird Bockenheim in Zukunft nur noch drei haben.“ Betroffen davon ist der Industriehof, der noch zum Sozialbezirk Bockenheim zählt.

Dort ist Stefan Pfaff als Sozialbezirksvorsteher mit drei Pflegern für 2500 Einwohner zuständig: „Die Entscheidung ist vertretbar, allerdings habe ich Bedenken wegen des Neubaugebietes südlich der Rödelheimer Straße“, sagte Pfaff. Die neu gewählte Sozialbezirksvorsteherin Carolin Arens (siehe Text oben) blickt der Veränderung mit Skepsis entgegen. „Man baut ja persönliche Beziehungen auf“, sagt Arens. Als Ehrenamtliche plötzlich sagen zu müssen, dass man nicht mehr für die Hilfesuchenden „zuständig“ sei, das stellt sie sich schwer vor.

Künftig soll der Industriehof dem Stadtteil Hausen mit 7500 Einwohnern zugeordnet werden. Sehr zum Bedauern des dortigen Sozialbezirksvorstehers Herbert Töpfer: „Ich und die zwei Pfleger sind jetzt schon ausgelastet und können Hilfe gebrauchen. Viele von uns sind älter und haben daher höhere Ausfallzeiten.“ Zudem befürchtet auch er eine steigende Auslastung durch Zuzüge.

Amtsleiterin Henzel versichert, dass die Zahl der Sozialbezirksvorsteher in Zukunft auch aufgestockt werden kann: „Wenn die Einwohnerzahlen über 15 000 steigen, kann der Ortsbeirat einen Antrag an die Stadtverordnetenversammlung stellen.“ Auch Pfaff kann sich vorstellen, in Zukunft seinem Kollegen in Hausen unter die Arme zu greifen.

Doch nicht nur anhand der Einwohner, auch anhand bisheriger Fallzahlen sollen die Personalien ab 2021 geregelt werden. Dazu sollen im Frühjahr Erhebungen durchgeführt werden. „Der Blick aus der Praxis verrät aber, dass die Fallzahlen nur schwer einzuschätzen sind“, sagt Arens. Ein Fall, das ist eine Person, die über das Sozialrathaus Hilfe der Sozialpflegenden in Anspruch nimmt. Das Problem: Einige dieser Leistungen nähmen Monate regelmäßiger Betreuung in Anspruch, andere seien in zwei Stunden erledigt.

Grundsätzlich befürwortet auch Arens die Überprüfung der Satzung. Doch fraglich findet sie, ob ehrenamtliche Tätigkeiten durch Berechnungen und Statistiken in ein „Raster“ gepresst werden können. (agro/ade)

Ehrenamtlicher Dienst - Auf einen Blick

Sozialbezirksvorsteher unterstützen und beraten Bürger, die in ihrer Lebenssituation Hilfe benötigen. Sie werden auf Vorschlag der Ortsbeiräte für die Dauer einer Wahlperiode der Stadtverordnetenversammlung ernannt. 

In Frankfurt gibt es derzeit 67 Sozialbezirksvorsteher, mit der neuen Satzung könnte die Anzahl bis auf maximal 73 aufgestockt werden. Die Berechnung richtet sich nach Stadtteilgrenzen und Bevölkerungszahl. Stadtteile mit mehr als 15 000 Einwohnern können zwei, mit mehr als 30 000 Einwohnern drei Vorsteher bestellen. Viertel mit deutlich weniger als 10 000 Menschen können zu einem Sozialbezirk zusammengeschlossen werden, wenn sie geografisch ineinander übergehen. Das betrifft derzeit die Alt- und Innenstadt sowie das Bahnhofs- und das Gutleutviertel. 

Weitere Informationen und Kontaktadressen bietet das Jugend- und Sozialamt unter www.frankfurt.de unter dem Suchbegriff „Sozialbezirksvorsteher“. agro

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