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Auf der Spur der Sindlinger Hamster.

Sindlingen

Sorge um den Feldhamster

Die Zahl der Tiere nimmt kontinuierlich ab. Verschwindet der Hamster ganz, könnten 2000 Wohnungen auf den Feldern zwischen Sindlingen und Zeilsheim entstehen.

Wie geht es eigentlich dem Feldhamster in den Sindlinger Feldern? Das fragen sich dieser Tage einige Menschen in der Stadt. Von seinem Gedeih oder Verderb hängt es schließlich ab, ob das Areal zwischen Bezirkssportanlage und Hofheimer Weg am nordwestlichen Ortsrand irgendwann bebaut werden darf oder nicht. An die 2000 Wohnungen könnten dort entstehen. Die Pläne liegen aber auf Eis. Das Tierchen ist so streng geschützt, dass sein Wohnrecht Vorrang vor allem anderen hat – auch vor Stadterweiterung.

Experten wie der Sindlinger Zoologe Peter Thalau von der Frankfurter Goethe-Universität betonen, dass der Hamster kein Wanderer ist. Wenn er nicht dazu gezwungen wird, verlasse er sein Revier nicht. Thalau ist Mitglied der „Bürgerinitiative gegen das Neubaugebiet“ und wird wie seine Mitstreiter ein Auge darauf haben, dass niemand nachhilft, den Hamster zu versetzen.

Andererseits schwinden die Bestände immer mehr. Gerade erst wurde der Feldhamster (Cricetur cricetus) in die neue Rote Liste der gefährdeten Tierarten aufgenommen.

Eins der am stärksten bedrohten Säugetiere Europas

Früher als Schädling verschrien, ist der kleine Nager längst zum Sorgenkind geworden und gilt als eins der am stärksten bedrohten Säugetiere Europas. Gründe sind vor allem die intensive Landwirtschaft und der Flächenschwund durch Bebauung.

Die letzten hessischen Hamster sind auf den landwirtschaftlich genutzten Flächen im Rhein-Main-Gebiet und der Wetterau zu Hause. Eine davon: die Sindlinger Äcker zwischen den Bahngleisen. Ortslandwirt Patrick Stappert beteiligt sich an Schutzprojekten der Arbeitsgemeinschaft: Seit 2012 kartieren Projektleiterin Melanie Albrecht von der Arbeitsgemeinschaft Feldhamsterschutz und ihre Helfer jedes Jahr die Hamsterbauten im Rahmen des Frankfurter Schutzkonzepts.

Der Schwund ist markant; im Jahr 2000 gab es auf Stadtgebiet noch 15 Populationen, 2015 noch drei, heute nur noch zwei: bei Bergen-Enkheim und Sindlingen / Zeilsheim. Auf der Internetseite der AG Feldhamsterschutz findet sich unter anderem ein Rückblick auf das Feldhamsterjahr 2019. Die Frühjahrszählung 2019 ergab für Sindlingen zehn Bauten auf einer Fläche von 59 Hektar Fläche; das entspricht 0,17 Bauten auf einen Hektar. Zum Vergleich: In der Wetterau finden sich bei Langgöns 1,73 Bauten je Hektar. Bei der Sommerzählung notierten die Helfer in Sindlingen auf insgesamt 97 Hektar nur noch fünf Bauten, der Wert je Hektar sank auf 0,05. Die Zahl der Bauten sinkt seit 2014 unaufhörlich, von 240 Bauten 2014 auf etwa 50 im Jahr 2017 bis zum Tiefststand 2019. Viel Geld fließt in Schutzprojekte. Ob das dem Sindlinger Hamster nützt oder über kurz oder lang die Baupläne verwirklicht werden können, wird sich zeigen.

Heide Noll

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