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Die Baustelle an der Schloßstraße / Rödelheimer Straße.

Stadtentwicklung in Frankfurt

Sorge um Schönhof

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Anwohner kritisieren den Hotelbau an der Schloßstraße im Frankfurter Stadtteil Bockenheim. Sie fürchten, wegen der Höhe des neuen Gebäudes könnte der Schönhof, ein denkmalgeschütztes Herrenhaus, aus dem Blick geraten.

Anne S. ist empört. Die Bockenheimerin steht im sanften Morgenlicht vor der Baustelle der Rödelheimer Straße 32. Hinter ihr brummen die Werkzeuge der Handwerker, neben ihr der Straßenverkehr.

Der Grund für Anne S. Aufregung: Vor dem Schönhof wird gebaut. Und zwar in die Höhe. Nun fürchtet Anne S., dass das, was von der historischen Adelsresidenz und ehemaligem Straßenbahndepot noch steht – nämlich das denkmalgeschützte Herrenhaus – aus dem Blick gerät. Mehr noch: „Es ist so gut wie abgerissen“, findet sie.

Bis Anfang vergangenen Jahres hatte noch der Vespa- und Fahrradladen „Sondergeld Zweiräder“ seine Laden- und Werkstattfläche in dem unscheinbaren Haus an der Kreuzung Rödelheimer Straße / Schloßstraße. Wegen zu hoher Nebenkosten hatte der Besitzer damals keine Nachfolge gefunden.  

Wie Amandeep Singh, Sohn des neuen Eigentümers, der FR bestätigte, soll dort nun ein Hotelbetrieb mit 28 Betten entstehen. Damit die auch alle unterkommen, wurde um ein zusätzliches Geschoss aufgestockt und der Dachstuhl ausgebaut.

Anne S. hat ihre Kindheit in den umliegenden Straßenzügen verbracht. An jede Ecke hat sie Erinnerungen. Hier ihr Geburtshaus in der Schönhofstraße, wenige hundert Meter weiter der Von-Bernus Park. Dort hat sie mit ihren Freunden gespielt, nach dem Krieg, als das Unkraut die Trümmer verwildern ließ und in einen Abenteuerspielplatz verwandelt hat. Im Schönhof lebte ihre Musiklehrerin, die sie oft besuchte.

Die 71-Jährige ist außerdem Mitglied im Verein „Freunde Bockenheims“. Seit 1980 ist es das Ziel der Beteiligten, die Geschichte des Dorfes, der Stadt und ab 1895 des Frankfurter Stadtteils Bockenheim zu erforschen und durch Vorträge, Führungen, Gesprächsforen und Publikationen bekannt zu machen. Nach den Recherchen des Vereins wurde der Schönhof bereits vor 1575 aktenmäßig erwähnt. Seit 1897 sei das Gut in städtischem Besitz. Aus anderen Quellen weiß man, dass für mehrere Jahre die Ställe für Pferde genutzt wurden, die bis 1903 noch die sogenannte Pferdetram auf der Strecke zwischen Hauptwache und Bockenheim entlangzogen. 1818 brannte der Schönhof komplett nieder, im Zweiten Weltkrieg wurden große Teile zerstört. Wieder aufgebaut wurde danach allein das barocke Herrenhaus.

Heute nutzt den größten Anteil dieser Fläche ein griechisches Lokal mit Biergarten. Im Rest befinden sich Wohnungen, eine Schreinerei und ein städtischer Bauhof. Anne S. hätte sich mehr Öffentlichkeit über das Bauvorhaben direkt nebenan gewünscht: „Man erfährt nur unter der Hand, was hier passiert.“ Sie versteht nicht, wie von amtlicher Seite die Genehmigung für den Bau gegeben werden konnte. „Die heute noch bestehenden Gebäude des historischen Schönhofs“, so das Denkmalamt, waren „nie auf eine Blickbeziehung zur heutigen Schloßstraße hin ausgelegt“. Mit dem Umbau des Gebäudes zu einer Pension würde „die Dachlandschaft des Gesamtkomplexes harmonisiert“, die Firstlinie liege „deutlich unter der des historischen Bestandsgebäudes“. Sowohl das städtische Denkmalamt, als auch das Landesamt für Denkmalpflege sehen deshalb keine negativen Beeinträchtigungen des Umgebungsschutzes.

Für etwas mehr Klärung wird gegebenenfalls am Montag, 26. November, gesorgt. Dann will der Bauherr und Eigentümer sein Vorhaben dem Ortsbeirat 2 in seiner Sitzung im Saalbau Bockenheim ab 19 Uhr vorstellen.

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