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Stellt seine Ware selbst her: Metzgermeister Patrick Martus im Verkaufsraum seines Ladens. 

Wilke-Wurst

Sorge um das Image der Branche

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Ein Frankfurter Metzger nimmt die Verunsicherung seiner Kunden wahr. Viele suchen nach einer bedenkenlosen Fleischerei.

Der Hygieneskandal rund um den Wurstproduzenten Wilke schlägt hohe Wellen in der gesamten Fleischindustrie. Längst wirkt sich der Eklat nicht mehr nur auf die großen Lebensmittelhersteller aus. Auch lokale Fleischereibetriebe in ganz Deutschland sind von den Auswirkungen der Affäre betroffen.

Die Metzgerei Martus in Frankfurt-Preungesheim ist eine vergleichsweise kleine Metzgerei, die ihre Ware noch selbst herstellt und deren Fleisch von Bauern aus der Region stammt. „Natürlich sind viele Kunden wegen Wilke verunsichert“, sagt Guido Barthel. Der Metzger, der bei der Fleischerei Martus arbeitet, stellt fest: „Sehr viele kleinere Fleischereien können es sich gar nicht mehr leisten, selbst zu produzieren. Sie müssen Wurstwaren von großen Zulieferern einkaufen. Deshalb steigt die Verunsicherung beim Kunden, bei welchen Metzgereien man bedenkenlos einkaufen kann.“

Der Metzgerei aus Preungesheim kommt es da natürlich zugute, dass sie noch selbst produzieren kann. „Die meisten Stammkunden wissen ohnehin, woher unser Fleisch kommt“, sagt Barthel. „Aber viele Laufkunden haben Fragen zur Herkunft der Ware. Wir klären die Kunden dann gerne auf und können ihre Bedenken beruhigen.“

Viele Kunden würden derzeit eher einem lokalen Metzger vertrauen, als Fleisch in großen Supermärkten zu kaufen. Guido Barthel hat selbst einmal in einem solchen Supermarkt gearbeitet. „Da hat man schlicht nicht so viel Zeit, sich dem Kunden zu widmen und ihm zu erklären, woher das Fleisch kommt und wie es hergestellt wird. Beim lokalen Metzger ist es dagegen meist selbstverständlich, dass man sich dafür Zeit nimmt.“

Trotzdem macht sich der Metzger Sorgen um die Zukunft seiner Branche. „Das ist ja nicht der erste Skandal. Aber dieser Fall schockiert jeden, der in der Branche arbeitet.“ Der Eklat ist ein weiterer Nackenschlag für die ohnehin kriselnde Branche. Mangelnder Nachwuchs, fehlendes Personal und wenige Kunden machen vielen Fleischereien zu schaffen. Auch die Metzgerei Martus hat darunter zu leiden. Mit einem Party- und Cateringservice sowie einem wechselnden Tagesmenü hat sich der Betrieb aber mittlerweile breit aufgestellt.

Der Wilke-Skandal lässt Barthel verständnislos zurück. „Man fragt sich natürlich, wie so etwas passieren kann. Das ist ein Skandal, bei dem alle Beteiligten in die Pflicht genommen werden müssen“, so der Metzger. „Die Veterinäre und die Verantwortlichen bei Wilke haben versagt. Aber auch die Mitarbeiter sind mitverantwortlich. Jeder hat eine Verantwortung gegenüber dem Kunden. Es liegt an allen, dass die Produkte hygienisch behandelt werden und eine gute Qualität haben. Wenn einem Mitarbeiter da ein Verstoß auffällt, muss er das melden.“

Ausreden lässt Barthel nicht gelten. „Wenn der Schimmel von Wurstwaren abgewaschen wird, um sie noch verkaufen zu können, dann hat das nichts mehr mit einem Versehen zu tun“, sagt der Fleischer wütend. „Das muss im ganzen Betrieb bewusst gesteuert worden sein, sonst wäre das niemals möglich gewesen.“ Er befürchtet, dass der Skandal die Branche noch lange beschäftigen und ihr Image langfristig beschädigt sein wird.

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