Am Sonntag bleiben die Geschäfte auf der Zeil zu.
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Am Sonntag bleiben die Geschäfte auf der Zeil zu.

Verkaufsoffener Sonntag

Sonntags-Verbot kostet Händler viel Geld

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Nach dem Urteil gegen den verkaufsoffenen Sonntag am 10. April in Frankfurt hoffen Gegner verkaufsoffener Sonntage auf einen Lerneffekt. Das Verbot des Verwaltungsgerichtshofs kostet Frankfurts Einzelhandel viel Geld.

Das Verbot des Hessischen Verwaltungsgerichtshofs vom Mittwoch hat Frankfurts Einzelhandel viel Geld gekostet: Donnerstagmorgen warb noch ein Radiospot für den verkaufsoffenen Sonntag. Und auch das Nordwestzentrum hatte ordentlich in Reklame und das Rahmenprogramm investiert. Rund 100 000 Euro verpulverten die Gewerbetreibenden. Ein großes Kinderfest war geplant, „Rudelsingen“ – all das ist jetzt abgesagt.

„Eine Katastrophe“, urteilt am Donnerstag Georg Lackner, Manager des Einkaufzentrums. Er habe „absolut kein Verständnis“ dafür, dass die Entscheidung derart kurzfristig fiel. Die erfolgreichen Kläger setzen auf den Lerneffekt. Die Praxis der laschen Genehmigung müsse endlich ein Ende haben, fordert Horst Gobrecht von Verdi Südhessen. Die FDP in Wiesbaden wittert Rückenwind für ihren Vorstoß zur Änderung des Ladenöffnungsgesetzes. „Die derzeitige Rechtslage schadet Verbrauchern, Gewerbetreibenden und Beschäftigten“, argumentiert Landtagsabgeordneter Jürgen Lender. Doch Hessens schwarz-grüne Koalition bleibt bei ihrem Kurs: Zulässig sind zu einem bestimmten Anlass vier verkaufsoffene Sonntage außerhalb des Advents und gewisser Feiertage.

Verantwortlich für das finanzielle Desaster macht der Nordwestzentrumschef die Gewerkschaft Verdi. Mit der Katholischen Arbeitnehmerbewegung, Diözesanverband Limburg, hatte sie erfolgreich gegen die Öffnung geklagt: „Für den Einzelhandel bedeutet das massive Umsatzausfälle“, sagt Lackner. Extraware sei geordert, Mitarbeiter seien verpflichtet worden. Die Zeit für gute Geschäfte sei ideal: „Die Ferien sind zu Ende, wir kriegen endlich etwas Frühlingswetter.“ Nun stünden Konsumfreudige am Sonntag vor verschlossenen Türen, bleibe womöglich Ware auf den Haken.

In Shoppingtempel ticken offenbar die Kunden anders als in den Einkaufsstraßen: „Sonntagsöffnungen sind keine Umsatzbringer, aber ein Marketinginstrument“, stellt Joachim Stoll klar, Vorsitzender des Einzelhandelsverbands Hessen Süd. Das sei wichtig – gerade für Stadtteile oder kleine Städte, deren Zentren ausbluteten und dann mit viel Steuergeld wieder aufgewertet werden müssten.

„Das sind ideologische Einschränkungen“, urteilt Stoll und fügt hinzu: „Die Welt wird nicht untergehen, wenn man einmal im Jahr sonntags arbeiten muss.“ Aber Gesetz ist nun mal Gesetz, entgegnet Horst Gobrecht von Verdi Südhessen, Mitstreiter der Allianz für den freien Sonntag. Wenn die Kommunen sich nicht an geltendes Recht hielten, müssten sie eben per Klage dazu gezwungen werden. Gegen Weiterstadt ging die Allianz schon vor, gegen Darmstadt, Offenbach, Gießen. „Frankfurt entscheidet auch stark im Interesse des Einzelhandels.“ Der Richterspruch aus Kassel möge dem für die Genehmigung zuständigen Wirtschaftsdezernenten Markus Frank (CDU) eine Lehre sein.

Ob dem so ist, wird sich im September und Oktober zeigen. Dann stehen für Frankfurt die nächsten verkaufsoffenen Sonntage an. Eduard M. Singer erweitert die Diskussion um die Frage, ob das Sonn- und Feiertagsgesetz überhaupt noch zeitgemäß ist. „Entweder sind wir weltoffen oder nicht“, sagt der Vizepräsident des Hotel- und Gaststättenverbands Hessen. „In einer globalen Welt sollte jeder machen, was er für richtig hält.“

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