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Anstehen zum Corona-Schnelltest für die Gastronomie auf der Berger Straße. Hundi darf ohne.
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Anstehen zum Corona-Schnelltest für die Gastronomie auf der Berger Straße. Hundi darf ohne.

Zeil ist randvoll

Corona-Sommer in Frankfurt: Shoppen, shoppen, shoppen

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Am Samstag ist die City voller Menschen. Der Sommer ist in Frankfurt angekommen, doch die Freibäder sind wegen Corona noch geschlossen. Dafür locken andere Vergnügungen.

Frankfurt - Der Sommer ist da und Corona lässt ein bisschen Leine. Man darf wieder mehr. Wir radeln mal los und schauen, wo sich die Stadt locker macht.

Samstagmittag beim Eiscafé Lido in Eschersheim: nichts da mit sitzen. Keine Tische draußen. Warum nicht? Ist doch wieder erlaubt. „Das gibt nur Stress, die Leute streiten sich um die Plätze, und wir müssen kontrollieren, ob sie auf Corona getestet sind“, sagt Ezio Franceschet. „Wir warten lieber mit den Tischen, bis alles vorbei ist.“

Im Nordend sitzt man dafür umso leidenschaftlicher. Vor dem Restaurant Größenwahn warten stapelweise Tische und Stühle auf die Gäste später, auch wenn „alles irgendwie doof und umständlich“ ist, wie das Merkblatt am Eingang zugibt. Nachweise für negativen Test, Impfung oder überstandene Infektion müssen eben sein. Beim Kiosk Gudes am Matthias-Beltz-Platz sitzt es sich derweil völlig entspannt im Hier und Jetzt. Weiter unten am Friedberger Platz stehen noch die Flaschen von gestern Abend.

Frankfurt in Zeiten von Corona: Die Zeil ist voll

Festhalten: Wir betreten nun die Innenstadt. Die Zeil ist randvoll, drei Straßenbands und zwei Xylophonspieler, alle in gegenseitiger Hörweite, wollen mit einem Musikbrei des Grauens die Menschen vertreiben, aber vergeblich. Immerhin, auf dem Wochenmarkt an der Konstablerwache geht es gesittet zu. Viel Luft zwischen den Ständen, vernünftige Leute. „Wir sind zufrieden“, sagt Christina Henkel am Rhönhof-Fleischstand. Der Verkauf hat noch nicht wieder angezogen. Wenn, dann macht sich der größere Zulauf am Imbiss mit der gebratenen Wurst bemerkbar. „Aber es ist besser, erst mal langsam zu machen“, sagt Henkel, „nicht, dass es in ein paar Wochen wieder losgeht mit Corona.“

Taschen voll, Mund zu: Einkaufstreiben auf der Frankfurter Zeil vor dem Eingang zum MyZeil.

Minimal besser als in der vorigen Woche läuft das Geschäft am Fischstand Grimm. Ob’s am Wetter liegt? Andreas Brand zuckt mit den Schultern. „Hier, wir suchen übrigens eine Aushilfe.“ Wer Interesse habe, könne sich am Donnerstag direkt vor Ort bewerben. So,so. Aber wir machen hier ja keine Werbung.

Wir schauen lieber bei Elektro-Conrad vorbei. Wie läuft’s? „Sie sehen ja, was hier los ist“, sagt die Dame am Eingang. Rein geht’s nur mit Termin, dafür ohne Corona-Test, 50 Leute pro Stunde.

Vor dem Restaurant Zeil-Kitchen mitten auf der Einkaufsmeile sind sechs von 20 Tischen besetzt (Schattenseite) beziehungsweise 20 von 20 Tischen (Sonnenseite). Daniel Pfeuffer und Sibylle Meyer kommen gerade aus dem Kaufhaus Peek & Cloppenburg. Wie war’s? „Am Anfang gab es Gedrängel, da hatten einige Leute keine Geduld“, sagt Pfeuffer. Die beiden haben am Freitag einen Termin bei P&C gemacht. „Und getestet haben wir uns vorher auch.“ Obwohl sie nicht müssten. Nimm dies, Corona!

Gegenüber bei Karstadt geht’s ohne Termin zur Sache. „Jetzt registrieren und sofort shoppen“, heißt es am Eingang. Vater und Tochter stehen davor und versuchen, sich digital anzumelden. Das erste Mal wieder zum Einkaufen in der Stadt? „Ja, vorher haben wir nur lokal Besorgungen gemacht“, sagt der Vater. Und was steht auf der Einkaufsliste? Nichts. „Wir wollen einfach nur schauen. Wir sind spontan los.“

Die Lage beim Günstigtextilhandel Primark: „Katastrophal“, sagt der Sicherheitsmann an der Tür mit dem Knopf im Ohr. Dabei ist gar nicht viel Kundschaft zu sehen. „Geht gleich wieder los“, sagt er. Zur vollen Stunde ist Schichtwechsel, dann dürfen wieder 260 Kundinnen und Kunden rein. „Dann geht die Schlange da und da und da rum“, er zeigt mit dem Finger um die Ecke. Von der Zeil bis zur Stephanstraße. Shoppen, shoppen, shoppen.

Und zwischendurch einen Schoppen? Was macht die Außengastronomie in der Bar Celona am Stoltze-Platz? Da geht’s rund, alle Tische besetzt. Paul und Jasmin aus Steinbach, die zwar Nachnamen haben, aber nicht zur Veröffentlichung, essen eine Kleinigkeit. „Wir haben uns so lang drauf gefreut“, sagt Jasmin. Vorher waren sie, na klar, shoppen. Was haben sie ergattert? Er: „Zwei T-Shirts und ein Paar Shorts.“ Sie: „Viel zu viel!“ Jasmin winkt kichernd ab.

Corona in Frankfurt: Kontrolle vor den einzelnen Geschäften

An der Hauptwache spielt eine Band. Laut. Ein richtiges Popkonzert. Sie seien Freunde von Gott, verkündet der Sänger. Dann könne wohl nichts passieren, schließen im Publikum manche daraus und lassen die Maske weg. Hinter ihnen wächst vor der Galeria Kaufhof die längste Schlange des Tages.

Wer fehlt? Der Horse Drummer. Dabei hat der Mann, der traditionell auf Töpfen und Pfannen trommelt, stets die sicherste Maske getragen: seinen Pferdekopf.

Ins Einkaufszentrum My Zeil dürfen alle ohne Kontrolle, vor den einzelnen Geschäften wird es dann ernst. Der Klamottenladen Hollister ist für die nächsten sechs Stunden ausgebucht. Auch gegenüber bei Vans: nichts zu machen. Sieben Leute dürften gleichzeitig, aber nur mit Termin, sagt Amador Hernando. Er ist froh, dass wieder Leben in die Bude kommt. „Wenn die Inzidenz unter 50 bleibt, können wir nächste Woche wieder normal öffnen.“ Dazu ein Strahlen. Das gibt’s ganz ohne Termin.

Anstehen zum Corona-Schnelltest für die Gastronomie auf der Berger Straße. Hundi darf ohne.

Genug City für heute. Zurück zum Fahrrad. Da hat sich mittlerweile ein Vogel auf den Sattel erleichtert, herzlichen Dank. Was meldet Bockenheim? Auf der Leipziger Straße hat das Restaurant Auszeit ganz viele Luftballons aufgehängt. Ein vollbesetzter Außenbereich ist der Dank. Das Eiscafé gegenüber hätte noch Plätze frei, aber nur im Schatten.

An der Nidda tummelt sich halb Frankfurt – sogar die Minigolfbahn an der Hadrianstraße ist wieder geöffnet und voll belegt. Am Eschersheimer Schwimmbad dann der Dämpfer: „Herzlich willkommen“ steht auf dem Schild – aber das Tor ist zu. Vielleicht am nächsten Wochenende.

Was soll’s, der Sommer ist ja noch lang. Schön, dass er endlich da ist. (Thomas Stillbauer)

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