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Straßenbahn auf der Friedensbrücke, im Hintergrund der Schornstein vom Heizkraftwerk West.

Verkehr  

VGF soll in Frankfurt weg vom Kohlestrom

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Ab 2020 sollen U-Bahnen und Straßenbahnen wieder mit Ökostrom fahren, fordert die FDP.

Mit Straßenbahn und U-Bahn fahren und dabei die Umwelt schonen: Das gilt in Frankfurt seit gut vier Jahren nicht mehr. Etwa die Hälfte der Straßenbahnen und U-Bahnen in der Stadt fahren seit Anfang 2015 mit Kohlestrom. Sie pusten dabei rund 90 000 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr in die Luft.

Das soll sich nun wieder ändern, fordert die FDP-Fraktion im Römer. Die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) soll ab 2020 den Strombedarf für ihre elektrisch betriebenen Fahrzeuge wieder aus Ökostrom decken, sagte Michael Bross, der umweltpolitische Sprecher der FDP-Fraktion.

Den Menschen sei es heute wichtig zu wissen, dass sie etwas Gutes für die Umwelt täten, sagte er. Außerdem seien die Preise für Ökostrom deutlich niedriger als noch vor fünf Jahren. Mit einer parlamentarischen Anfrage will die FDP-Fraktion nun vom Magistrat erfahren, welche ökologisch verträglichen Lösungen für den Nahverkehr in Frankfurt ab 2020 geplant seien und was diese kosteten. Der Magistrat beantwortet parlamentarische Anfragen in der Regel binnen drei Monaten.

Dass die VGF etwa die Hälfte ihrer Bahnen nicht mehr mit Ökostrom fahren lässt, hatte die Öffentlichkeit 2017 überrascht. Die VGF-Pressestelle hat die Umstellung von Öko- auf Steinkohlestrom nicht kommuniziert. Die Neuerung wurde erst mit der Veröffentlichung des VGF-Nachhaltigkeitsberichts 2017 bekannt.

Zuvor hatte die VGF großen Wert auf die Umweltverträglichkeit der Bahnen gelegt. Zum Beispiel hatte sie auf der „Eintracht-Straßenbahn“ mit folgendem Wortlaut geworben: „Natürlich zur Eintracht! Klimaneutral hin, mittendrin und zurück.“ Außerdem hatte die VGF 2011 eine öffentlichkeitswirksame Kampagne organisiert, als U-Bahnen mit Ökostrom aus dem österreichischen Wasserkraftwerk Ypps fuhren.

Das ist passé. Der Ökostrom-Vertrag „Grüner Strom Label Gold“, der von 2011 bis 2014 galt, wurde nicht verlängert. Die VGF pachtete stattdessen eine sogenannte Kraftwerksscheibe im Heizkraftwerk West, das Steinkohle verbrennt. Als Pächterin erzeugt die VGF den Steinkohlestrom, den sie verbraucht, selbst.

Brisanterweise verantwortet der frühere Verkehrsdezernent und heutige Personaldezernent Stefan Majer von den Grünen die Umstellung von Öko- auf Kohlestrom. Gegenüber der FR machte er zur Begründung damals die niedrigeren Kosten geltend und eine mögliche Erhöhung der Fahrkartenpreise, falls die VGF weiter mit Ökostrom fahren würde. Im VGF-Aufsichtsrat stimmten dem Vernehmen nach wiederum Mitglieder von CDU, SPD, Grünen dem Kohlestromdeal zu. Der Pachtvertrag endet am 31. Dezember 2019.

Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) hatte 2017 angekündigt, die VGF solle ab 2020 wieder auf Kohlestrom verzichten. Nun sagte er auf Anfrage der Frankfurter Rundschau, er bleibe bei seiner Ankündigung. „Wir schauen uns die Regelung an.“

„Das Auslaufen des aktuellen Pachtvertrags mit dem Kohlekraftwerk bietet die Chance, wieder eine umweltbewusstere Stromversorgung des elektrisch betriebenen ÖPNV in Frankfurt zu wählen“, sagte Michael Bross.

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