+
Rebecca Herrnbrodt.

Nachwuchs

Solidarität als Lebensprinzip

  • schließen

Rebecca Herrnbrodt engagiert sich in der Verdi-Jugend unter anderem für günstige Azubi-Tickets. Auch die Wohnungsknappheit bei den Studierenden ist Thema.

Als sie ihre Ausbildung begann, war es für Rebecca Herrnbrodt (23) „so ein bisschen auch ein Familiending“, in die Gewerkschaft einzutreten. Seit Oktober 2014 ist sie nun nicht einfach nur Mitglied bei Verdi, sondern gehört zu einer Gruppe von etwa 25 jungen Leuten, die sich regelmäßig über das Internet austauschen, sich ein bis zwei Mal im Monat im Gewerkschaftshaus treffen und auf einer Winterklausur Ende Januar ihre Ziele für 2019 aushecken wollen.

Geredet werden wird voraussichtlich über die Forderung nach einem Auszubildenden-Wohnheim in Frankfurt. Die Wohnungsknappheit bei den Studierenden ist bekannt, aber auch Azubis, die von auswärts kommen, hätten es schwer, in Frankfurt unterzukommen, findet die 23-Jährige. Auch über den Vorschlag der „Vier-Stunden-Liga“ werden die Klausurteilnehmer reden: Die Liga möchte die tägliche Arbeitszeit auf vier Stunden begrenzen. Mobilität sei und bleibe ein „ganz wichtiges Thema“, betont Herrnbrodt. Ein günstiges Azubi-Ticket analog zum Schüler-Ticket wäre wünschenswert.

Sie selbst ist als Studentin mit dem Semesterticket unterwegs: Nachdem sie festgestellt hat, dass Zahnarzthelferin doch nicht das Wahre für sie ist, studiert sie nun Erziehungswissenschaft. Sie mag das breite Spektrum dieses Studiengangs, das von Psychologie bis zu den neuen Medien reicht.

Was sie nach dem Bachelor machen möchte, ist noch offen. Erst hatte sie an die politische Jugendbildung gedacht. Inzwischen könnte sie sich auch die betriebliche Aus- und Weiterbildung vorstellen.

Dass relativ wenige junge Leute den Weg zu den Gewerkschaften finden, hat für Rebecca Herrnbrodt mehrere Gründe. Viele wüssten gar nicht, was eine Gewerkschaft oder ein Betriebsrat sei. Die 23-Jährige hat ihr Abitur am Goethe-Gymnasium gemacht, aber „was Sozialpartnerschaft ist, habe ich erst bei der Gewerkschaft gelernt“. Ein zweiter Grund sei, dass „Solidarität nicht unbedingt auf Platz eins“ stehe. Sie bedauert, dass die Gesellschaft „immer mehr auseinanderdriftet, statt zusammenzurücken“.

Selber Solidarität gezeigt hat die Verdi-Jugend zum Beispiel, als in Mörfelden-Walldorf die Drucker streikten. „Da sind wir hingefahren, um sie ein wenig aufzumuntern.“ Und das alles in der Freizeit. „Wir machen das ehrenamtlich. Es ist unser Hobby.“

Die Studierende kennt die Einstellung vieler jüngere Leute, dass es den „alten Säcken“ immer nur um die Besitzstandswahrung gehe. In ihren Augen sollte es in der Gewerkschaft mehr Möglichkeiten geben, auch mal etwas Neues auszuprobieren, meint sie und bedauert seufzend: „Es sind halt die Machtstrukturen.“

Immerhin habe die Jugend für den Tag der Arbeit, am 1. Mai, einen „Rede-Slot auf der Bühne“ erhalten. Was sie tun würde, wenn sie bei Verdi etwas ändern könnte? „Mehr hauptamtliches Personal einstellen“, lautet die prompte Antwort.            

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare