Infoboerse7_280920
+
Die Gruppe „Kolle“ präsentierte ihr Vorhaben am Samstag bei der Infobörse für gemeinschaftliches und genossenschaftliches Wohnen.

„Kolle“

Solidarisch zusammenleben in Griesheim

  • Christoph Manus
    vonChristoph Manus
    schließen

Die Gruppe „Kolle“ will in Frankfurt-Griesheim Wohnraum für 44 Menschen schaffen, mit günstigen Mietern und Angeboten für die Nachbarschaft.

Die Pläne sind groß, das Vorhaben anspruchsvoll. Das Wohnprojekt „Kollektiv leben“, kurz: „Kolle“, hat sich vorgenommen, auf einem brachliegenden Grundstück an der Schöffenstraße in Griesheim Wohnraum für 44 Menschen zu schaffen, die gemeinschaftlich zusammenleben wollen. Dabei will die Gruppe, die vor einem Jahr den Zuschlag bekam, das städtische Areal zu nutzen, vieles anders machen als andere Bauherren. So sollen etwa die Mieten pro Person im Durchschnitt bei 450 Euro liegen – und nur steigen, wenn die Bewohnerinnen und Bewohner dies selbst für nötig halten. Wer weniger verdient, soll weniger zahlen, Menschen mit höheren Einkommen mehr. Die Gruppe würde zudem gern geförderte Wohnungen des zweiten Förderwegs schaffen, die für 8,50 bis 10,50 Euro pro Quadratmeter vermietet werden.

Im Erdgeschoss des Hauses soll ein Kreativraum entstehen, in dem es Angebote für die Nachbarschaft geben soll. Denkbar sind der Gruppe nach etwa ein Buchclub, Kurse in Selbstverteidigung, Nähen, Schreinern oder Töpfern oder kleine Ausstellungen.

Selbst gestalten

Noch wohnt etwa Jan Gerlich mit Partnerin und Tochter in einer Wohnung in Offenbach. Wie die anderen wollen sie aber noch lieber in einer Gruppe leben. Sicherheit, Geborgenheit, ja „Nestwärme“ versprechen sie sich. Christin Lindner, die mit Gerlich am Stand von „Kolle“ bei der Frankfurter Infobörse für gemeinschaftliches und genossenschaftliches Wohnen sitzt, spricht auch vom Wunsch, gestalten zu können.

Die Corona-Pandemie hat den Zeitplan der Gruppe etwas durcheinander gebracht. Die Verhandlungen mit der Stadt seien in den vergangenen Monaten schwieriger gewesen, sagt Jan Gerlich. Auch untereinander hätte sich die Gruppe nicht leicht treffen können. Deshalb könne der Bau des Projekts nun voraussichtlich erst Mitte 2021 beginnen. Mit der Fertigstellung rechnet die bisher aus 26 Menschen bestehende Initiative frühestens Ende 2022. Wer gerne mit der Gruppe zusammenleben will, hat noch Chancen. „Kolle“ hat noch Plätze zu vergeben.

Bei der Finanzierung des Vorhabens, dessen Gesamtkosten bei etwa sechs Millionen Euro liegen, habe es große Fortschritte gegeben, berichtet Gerlich. Mehr als 350 000 Euro habe die Gruppe an Direktkrediten eingeworben. Mindestens das Doppelte wollen sie am Ende auf diese Weise einnehmen, um vernünftige Konditionen für einen Bankkredit zu erhalten.

Kontakt zur Gruppe per E-Mail an info@kollektiv-leben.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare