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Das frühere Pelzhändlerhaus wird ein Wohngebäude.

Hausprojekt NiKa in Frankfurt

Solidarisch wohnen

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Das Hausprojekt NiKa in Frankfurt soll im Mai fertig werden. Die Initiative kritisiert die Ordnungspolitik.

Der Umbau eines früheren Pelzhändlerhauses an der Ecke Niddastraße/Karlstraße in Nähe des Hauptbahnhofs in ein selbstverwaltetes Wohngebäude mit öffentlichen Nutzungen nähert sich dem Ende. Das Hausprojekt NiKa rechnet damit, dass die 42 Bewohner im Mai in die entstandenen Drei-, Vier- und Sieben-Zimmer-Wohnungen ziehen können.

Ihre Mieten sollen dauerhaft niedrig sein. Moritz Krawinkel vom Hausprojekt geht im Gespräch mit der FR davon aus, dass sie im Schnitt unter zehn Euro pro Quadratmeter liegen werden. Bewohner mit niedrigen Einkommen sollen geringere Mieten entrichten müssen als solche mit höheren Einkommen. Das entspricht dem Konzept, selbstverwaltet und solidarisch zusammenzuleben.

Das Erdgeschoss des Hauses wird öffentlich genutzt. Der Förderverein Roma wird dort Beratung anbieten. Ein zweiter Raum soll für Veranstaltungen und Ausstellungen genutzt werden. Auch ein Angebot für Kinder war zunächst vorgesehen, hat sich jedoch nicht umsetzen lassen. Wie genau die Fläche künftig genutzt wird, steht laut Krawinkel noch nicht fest.

Die Gruppe hatte im Herbst des Jahres 2016 vom Beirat des städtischen Liegenschaftsfonds den Zuschlag für den Erwerb der 50er-Jahre-Immobilie im Bahnhofsviertel erhalten. Für das Haus musste sie einen Übernahmebetrag von 926.000 Euro zahlen, für das Grundstück einen Erbbauzins von gut 13.000 Euro im Jahr. Bei einer Vorstellung des Projekts im Jahr 2017 bezifferte die Gruppe die Gesamtkosten des Projekts auf 3,6 Millionen Euro. Bei der Finanzierung setzte sie stark auf private Darlehen von Unterstützern. Die Bauarbeiten begannen vor einem Jahr.

Offener Brief an Nachbarn

Ziel der Gruppe war von Anfang an mehr, als gemeinschaftlich zusammenzuleben und dauerhaft bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Sie will auch zur Stärkung des Umfelds beitragen. Das aber, ohne die im Bahnhofsviertel stark zu spürende soziale Verdrängung zu fördern. Diese thematisiert das Hausprojekt nun auch in einem offenen Brief an die neuen Nachbarn im Bahnhofsviertel, den sie heute im Stadtteil verteilen will. Darin wirbt sie für ein solidarisches Stadtviertel und kritisiert die derzeitige Ordnungspolitik. Denn diese trage dazu bei, den Druck etwa auf Wohnungslose und Drogen konsumierende Menschen noch zu verstärken.

So habe die Stadt, als Menschen begannen, die Baustelle als Rückzugs- und Drogenkonsumraum zu nutzen, gedroht, die Baugenehmigung wieder zu entziehen. Im Oktober habe man sich daher gezwungen gesehen, die Zugänge zur Baustelle mit einem Holzzaun abzusichern, heißt es.

Auch die Gruppe halte eine Baustelle für keinen geeigneten Aufenthaltsplatz, stellt sie klar. Dass Menschen in diese einbrachen, um sich dort einzurichten, zeige aber, wie groß der Bedarf an Rückzugsräumen sei.

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