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„Widersetzen“ als ein Motto des Abendessens.

Initiative „Widersetzen"

Solidarisch zu Abend essen im Gallus

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Stadtteil-Initiative „Widersetzen" will auf die Mietproblematik aufmerksam machen und sich dabei weiter vernetzen.

Zu Abend gegessen wird am Sonntag auf der Straße. Vor dem Internationalen Zentrum, am Fahrbahnrand, Ecke Koblenzer/Gutenbergstraße, haben die Aktivisten von „Solidarisches Gallus“ eine lange Tafel aufgebaut, an der mehr als ein Dutzend Menschen Platz genommen hat. Daneben steht zur Selbstbedienung ein vegetarisches Buffet mit einem großen Topf Chili sin Carne, Salaten, Kuchen und Melone. Musik schallt aus einer Box, die kurz unterbricht, als die Nachbarn per Mikrofon zum Essen eingeladen werden.

„Wir wollen mit dem solidarischen Abendessen auf die Mietproblematik im Gallus aufmerksam machen und während des Essens mit Nachbarn und Nachbarinnen in Austausch kommen“, sagt Kira von der Initiative. Auf einem Banner, das zwischen zwei Bäumen befestigt ist, steht in Großbuchstaben „Widersetzen“. Widerstand leisten wollen die Aktivisten vor allem gegen die aktuelle Wohnungspolitik, Verdrängung und Mieterhöhungen. Dazu hat die Gruppe neben der Teilnahme an Demonstrationen und dem „Kaffee gegen (hohe) Mieten“ zweimal monatlich im Internationalen Zentrum Filmabende organisiert, etwa unter freiem Himmel in der Knorrstraße, wo Mieter von Verdrängung betroffen sind sowie in Kneipen oder Trinkhallen. „Danach sind wir auch mit Kneipengästen ins Gespräch gekommen“, sagt Aktivistin Eva.

Frankfurt: Begegnungsräume schaffen und Netzwerke aufbauen

Es gehe darum, „Begegnungsräume zu schaffen und Netzwerke aufzubauen“. Diese seien Grundlagen für solidarisches Handeln. Und „sich auf die Straße, raus ins Viertel zu bewegen, um dort Raum einzunehmen und zu schauen, wo, was zu tun ist“, das gehöre ebenfalls dazu.

Daneben engagiert sich die Gruppe, zu der im Kern bis zu 15 Personen gehören, gegen schlechte Arbeitsverhältnisse im Quartier. „Burger King hat beschissene Arbeitsbedingungen“, sagt Aktivistin Julia als Beispiel. Die Gruppe würde Betroffene unterstützen und gemeinsam überlegen, wie man dagegen vorgehen könne. „Achtsamkeit“ im Wohn- und Lebensumfeld sei ihnen ebenso wichtig, etwa bei „Gewalt in der Nachbarschaft“ oder „rassistischen Polizeikontrollen“.

Nadia und Benni sitzen mit Bier am Tisch und unterhalten sich. Gegessen hätten die beiden schon, berichten sie. „Natürlich ist das eine super Aktion“, sagt Benni. „Die ganzen Neubauten im Viertel, die entstanden sind, bieten kaum die Möglichkeit, sich miteinander auszutauschen.“

Viele neue Bewohner wollten hier nur wohnen, aber nicht leben. Im Quartier zu leben, heiße aber auch, sich zu „begegnen, einzubringen und das Bild des Viertels mitzugestalten“. Nadia blickt die Straße hinunter, wo früher die Stadtteilinitiative Koblenzer Straße (kurz: Siks) untergebracht war. Seit dem Ende der Initiative vermisse sie deren Engagement und das alljährliche Straßenfest. „Solche Aktionen, bei denen Begegnungen geschaffen werden, sind wichtig“, sagt sie.

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