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Gute Laune trotz schlechter Bezahlung: Die roten Taschen auf dem Römerberg symbolisieren die Lohnlücke von 21 Prozent.

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Rotes Sofa am Equal Pay Day in Frankfurt 

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Das Frankfurter Aktionsbündnis zum Equal Pay Day sucht den Dialog auf dem Römerberg.

Die Signalfarbe Rot: Am Montagnachmittag dominierte sie einen Teil des Römerbergs. Vor dem Eingang der alten Nikolaikirche stand eine riesengroße rote Tasche auf dem Pflaster. Sie symbolisierte am Equal Pay Day, dass Frauen bundesweit 21 Prozent weniger verdienen als die Männer. Daneben wurde ein rotes Sofa aufgestellt. Eine rote Karte gab es nicht – die Lohnungleichheit ist ein zu komplexes Thema, als dass es etwas nutzen würde, eine einzige Figur vom Platz zu schicken.

Frauendezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) eröffnete um 16 Uhr die Aktion und nannte es eine „schreiende Ungerechtigkeit“, dass es im 21. Jahrhundert eine Lohnlücke von 21 Prozent gebe. Im Grundgesetz sei die Gleichheit von Mann und Frau festgeschrieben. „Warum setzen Führungskräfte das nicht um?“, fragte die Dezernentin. Viel zu oft würden Führungskräfte Frauen schlechter bezahlen als Männer, in den unterschiedlichsten Branchen.

Das Frauenreferat verteilte einen entsprechenden Flyer. Danach finden sich die größten Einkommensunterschiede mit 26 Prozent in den Bereichen Werbung und Marketing; bei Bankkaufleuten betrügen sie immerhin noch zwölf Prozent. Seit 2008 gibt es den Equal Pay Day in Deutschland. Heiligs bitteres Fazit: „Es bewegt sich nichts.“

Merle Becker, 30 Jahre alt, nahm als erste auf dem roten Sofa Platz, neben Sylvia Honsberg, der Bundesfrauensekretärin der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt, die, abweichend von der dominierenden Farbe, einen lila Schal trug. „Sind Kinder eine Karrierefalle?“, fragte Becker, vor 16 Monaten Mutter geworden. Früher als Friedens- und Konfliktforscherin an der Frankfurter Uni tätig, hat sie sich selbstständig gemacht, berät Unternehmen in Sachen Nachhaltigkeit und soziale Kompetenz.

Von einer Mutter werde erwartet, dass sie nachmittags zu Hause sei, sagte Becker. Es sei wichtig, von den Männern immer wieder einzufordern, sich an der Kinderbetreuung und Hausarbeit zu beteiligen. Aber die Organisation, wann etwa der nächste Impftermin fällig sei, übernehme die Frau. „Der Mann wird zum Hilfsarbeiter.“

Bettina Herold (37), die in einer Anwaltskanzlei arbeitet und für den Verein Business and Professional Women die Aktion zum Equal Pay Day mitorganisiert hat, wies darauf hin, dass Deutschland bei der ungleichen Bezahlung in Europa auf dem drittschlechtesten Platz rangiert: „Da muss schnell was passieren.“ Mit der Beteiligung war Herold zufrieden. Die drei Dutzend Teilnehmerinnen wurden immer wieder durch Passanten ergänzt, die stehenblieben, um sich zu informieren.

Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund Hessen-Thüringen meldete sich zu Wort. Er mahnte mehr Kinderbetreuung an, damit beide Elternteile erwerbstätig sein können und wies darauf hin, dass der Lohnabstand zwischen Frauen und Männern in Unternehmen mit Tarifbindung „deutlich geringer“ ausfalle.

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