1. Startseite
  2. Frankfurt

I’m so sorry

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Sandra Busch, Georg Leppert

Kommentare

Journalist:innen mussten am Mittwochvormittag um einen Platz kämpfen, um ein Video oder Foto machen und um Feldmann überhaupt sehen zu können.
Journalist:innen mussten am Mittwochvormittag um einen Platz kämpfen, um ein Video oder Foto machen und um Feldmann überhaupt sehen zu können. © Christoph Boeckheler

Peter Feldmann bittet ständig um Entschuldigung. Klingt nach einem Erfolgsmodell. Die FR-Glosse aus dem Frankfurter Rathaus.

Leppert: Entschuldigung, dass ich so früh anrufe.

Busch: Bitte entschuldige, dass ich erst beim dritten Klingeln ans Telefon gegangen.

Leppert: Entschuldige, wenn ich dich jetzt daran erinnere, dass wir heute Römerbriefe schreiben.

Busch: Entschuldige, aber glaubst du wirklich, das hätte ich vergessen?

So eine Entschuldigung ist eine tolle Sache. Fehlst du in der Schule und hängst lieber im Park ab? Schreibst du eine Entschuldigung (oder lässt sie schreiben, noch besser). Drängelst du dich an der Kasse vor? Sagst du eben: „Sorry, Leute!“ Haust du in einem Flieger voller Eintracht-Fans einen sexistischen Spruch raus? Machst du halt eine Pressekonferenz, entschuldigst dich und gut ist. Was soll schon passieren? Jemand, der im Römer ziemlich viel zu sagen hat, hat uns eine SMS dazu geschrieben: „So machen das Sexisten üblicherweise – ,Tschuldigung‘ und weitermachen wie immer.“

Falls Sie es noch nicht gemerkt haben, liebe Freundinnen und Freunde der Kommunalpolitik: Es geht in diesem Text um Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD). Der hat um Entschuldigung gebeten. Mal wieder. Und jetzt will er im Amt bleiben. Das ist eine interessante Herangehensweise. Aber noch interessanter wäre, wenn er sich demnächst schon im Voraus entschuldigen würde. Etwa: „Ich entschuldige mich dafür, dass ich am dritten Prozesstag während der Zeugenbefragung eine SMS an Mike Josef schreiben werde. Das wird unangemessen sein.“

Alle bitten um Verzeihung

Aber mal im Ernst. Sollten unsere Politikerinnen und Politiker nicht von Peter Feldmann lernen und um Entschuldigung bitten für das, was war, und das, was noch kommen wird? Das würde doch vieles einfacher machen. Mit folgenden Beiträgen rechnen wir in nächster Zeit...

Stefan Majer (Grüne), Dezernent für Verkehr und Gesundheit: „Ich entschuldige mich für die vollen Straßenbahnen nach Einführung des Neun-Euro-Tickets. Und ich entschuldige mich auch schon mal für die langen Schlangen an dem Impfzentrum, wo es das Mittel gegen Affenpocken gibt.“

Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne): „Ich entschuldige mich ganz, ganz doll dafür, dass ich den Ausbau einer ohnehin schon stark befahrenen Autobahn infrage gestellt habe. Es entspricht nur meiner vollen Überzeugung, aber hey, die ganze Koalition war total irritiert, und das will ich nicht. Das Wohl der Koalition ist bestimmt viel wichtiger als das Klima und die Gesundheit der Menschen. Ganz bestimmt.“

Europäische Schule? Sorry, wird nichts

Baudezernentin Sylvia Weber (SPD): „Sorry, Europäische Schule, schaut euch halt woanders um.“

Eileen O’Sullivan (Volt), Dezernentin für die Bürgerbüros: „Ich entschuldige mich bei allen Bürgerinnen und Bürgern, die dringend einen neuen Personalausweis brauchen, aber einfach keinen Termin bekommen. Aber ich verrate Ihnen was: In Nächten, in denen Vollmond scheint, der Große Wagen gut zu sehen ist und es zwischen vier und sechs Grad warm ist, werden zwischen 2.30 und 3 Uhr genau vier Termine im Bürgeramt Höchst freigeschaltet. So geht europäische Politik.“

Sandra Busch und Georg Leppert gehören zum Römer-Team der FR, das aus dem Frankfurter Rathaus berichtet. Frühere Römerbriefe gibt es unter www.fr.de/roemerbriefe.

Auch interessant

Kommentare